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Arbeiten auf dem ehemaligen Brauereigelände müssen bis mindestens Ende März ruhen

Baustopp an der Brauerei - Fledermäuse bescheren Zwangspause

Blick unter die einstige Brauerei: Im Eiskeller wurde der Eberswalder Gerstensaft nicht nur gelagert, dort ist er auch gereift. Inzwischen haben sich dort Fledermäuse einquartiert. Sie halten jetzt Winterruhe und dürfen nicht gestört werden.
Blick unter die einstige Brauerei: Im Eiskeller wurde der Eberswalder Gerstensaft nicht nur gelagert, dort ist er auch gereift. Inzwischen haben sich dort Fledermäuse einquartiert. Sie halten jetzt Winterruhe und dürfen nicht gestört werden. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Monika Schmidt / 07.01.2013, 20:27 Uhr
Eberswalde (MOZ) Auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei rührt sich derzeit nichts. Die Zwangspause verdanken die Bauleute den Fledermäusen, die im unterirdischen Eiskeller ihr Winterquartier bezogen haben. Bis mindestens Ende März dürfen sie dort nicht gestört werden.

Bauherr Wilhelm Schomaker aus dem niedersächsischen Dörpen hofft im April weitermachen zu können. Die vom Naturschutz auferlegte Zwangspause nutzt er für alle restlichen Instanzenwege. So soll Ende Januar das endgültige Gutachten zum tatsächlichen Zustand von Schornstein und Sudhaus vorliegen. Beide Bauwerke stehen unter Denkmalschutz. Der Schornstein gilt sogar als Einzeldenkmal. Und schon das Urteil der Statiker, die beide Bauwerke Anfang Oktober vergangenen Jahres genauer unter die Lupe genommen hatten, war mehr als vernichtend. "Standsicherheit sowohl des Schornsteins als auch des Sudhauses sind nicht mehr gegeben. Der Schornstein weist zudem extremen Schwammbefall auf", so die Expertenmeinung.

Bauleiter Wilfried Schlöricke, bei dem die Fäden vor Ort zusammenlaufen, kann dies nur bestätigen. "Für den Schornstein besteht Einsturzgefahr. Die Risse gehen ziemlich weit nach unten. Das Gelände dort ist abgesperrt", sagt er. Ein Risiko für Passanten und die benachbarte Goethe-Schule bestehe aber nicht. "Sollte der Schornstein fallen, dann in Richtung Sudhaus", erklärt der Bauleiter. Das hat die Untersuchung der Statiker bereits bestätigt.

"Probleme gibt es auch im Gründungsbereich. Wie damit zu verfahren ist, kann nur mit der Oberen Denkmalbehörde entschieden werden", verweist Wilhelm Schomaker. Das Gleiche gelte für das Sudhaus, dessen holztragende Konstruktion im Grunde nicht mehr zu halten ist.

Solange die Fledermäuse Winterruhe halten und auf dem Gelände nicht gebaut werden darf, ist auch Zeit für restliche Feinarbeiten am Bebauungsplan. Der ist noch nicht rechtskräftig, weil zur Zeit erst einmal das Beteiligungsverfahren läuft. Dort haben sämtliche Träger öffentlicher Belange und damit auch die Eberswalder selbst die Möglichkeit, Anregungen und Bedenken schriftlich einzureichen. Mit dem Ergebnis des Auslegungsverfahrens werden sich die Stadtverordneten beschäftigen. Wird keine Änderungsvariante für die Baupläne des Investors erforderlich, dürfte die Baugenehmigung nur noch eine Formsache sein. "Wir stehen im ständigen Kontakt mit dem Investor", sagt Udo Götze, Leiter des Bauordnungsamtes, der wie Schomaker auch mit Spannung auf das Ergebnis des Gutachtens wartet.

Ende des Monats will sich der Dörpener Bauherr selbst ein Bild vom derzeitigen Arbeitsstand machen. "Ich selbst habe noch keine Fledermäuse gesehen", sagt er. Dafür konnte sich sein Bauleiter Schlöricke, der das unterirdische Gewölbe mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde inspiziert hat, überzeugen, dass sich im sogenannten Eiskeller gleich mehrere Fledermausarten einquartiert haben. Aus ihrer Lethargie werden sie erst Mitte März bis April erwachen und sich auf den Weg zu ihren angestammten Sommerlebensräumen machen.

Dann können auch die Bagger ihre Arbeit für die restlichen Abrissmaßnahmen wieder aufnehmen. Die Steinhaufen, die sich jetzt noch auf der Baustelle türmen, werden zum größten Teil in die Sohlplatte eingearbeitet. So soll das Gelände im Bereich der Wilhelmstraße um etwa einen dreiviertel Meter angehoben werden. Dort ist die künftige Parkfläche geplant. "Parallel zum Abriss werden auch die ersten Neubaumaßnahmen laufen" zeigt sich Schomaker optimistisch. Ende des Jahres, ist er überzeugt, werden die Eberswalder ihre Einkäufe im neuen rund 1200 Quadratmeter großen Edeka-Markt tätigen können.

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