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Manege frei für mehr Toleranz

Gar nicht so einfach: Die Pyramide der Kinder bildete den Abschluss der Zirkusvorstellung in Velten. Dabei ist den Kindern anzusehen, dass das Erlernen der durchaus anspruchsvollen Kunststücke auch mit einer Menge Spaß verbunden ist.
Gar nicht so einfach: Die Pyramide der Kinder bildete den Abschluss der Zirkusvorstellung in Velten. Dabei ist den Kindern anzusehen, dass das Erlernen der durchaus anspruchsvollen Kunststücke auch mit einer Menge Spaß verbunden ist. © Foto: MZV
Wiebke Wollek / 31.07.2017, 06:00 Uhr
Velten (HGA) Mit einem Programm aus Zirkus, Theater und Trommeln hat am Sonnabend die Mixed-Pickels-Aktionswoche ihren Abschluss in Velten gefunden.

Bereits zum 25. Mal hat die Veltener Initiativgruppe gegen Gewalt und Rassismus Kinder verschiedener Nationen zusammengebracht. "Der Zirkus war schon früher immer das Highlight", erinnert sich Lisa Glorius. Ihre erste Mixed-Pickels-Woche ist 18 Jahre her. "Ich war ein schüchternes Kind und habe dann hier im Zirkus einen Clown gespielt. Das war ein tolles Erlebnis", erinnert sich die 22-Jährige. "Und fremde Kulturen kennenzulernen, fand ich schon immer klasse."

Auch bei der Abschlussveranstaltung am Sonnabend sorgten Zirkuskinder für tosenden Applaus. Wer mutig genug war, durfte auf einem Ball balancieren, Teller auf Stäbchen zum Drehen bringen oder mit Jonglierstöckchen tanzen. "Es ist toll, wenn die Kinder schnell ein Erfolgsgefühl bekommen", erklärt Zirkuspädagogin Barbara Duss aus Berlin. "Ich habe hier eine tolle Gruppe erlebt, die sehr engagiert war", lobt die gebürtige Schweizerin. Der Hingucker war die große Pyramide am Ende der Vorführung.

Jeden Tag trafen sich 60 bis 70 Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren auf der großen Wiese neben der Ofenstadthalle. "Am Dienstag waren es 75 Teilnehmer", berichtet Organisatorin Friederike Glorius. "Und das, obwohl es geregnet hat", ergänzt die 20-Jährige. Überhaupt habe das nasse Wetter nur wenigen etwas ausgemacht. "Wir haben schnell improvisiert oder sind in ein Zelt ausgewichen", sagt die Studentin. Auch seien die Akteure von fremdenfeindlichen Kommentaren oder ähnlichen unangenehmen Erlebnissen verschont geblieben. "Es lief relativ friedlich ab, aber wir haben auch schon anderes erlebt", sagt Friederike Glorius. Besonders positiv in Erinnerung hat sie den täglichen Programmpunkt Rotes Sofa, bei dem interessante Gäste zu verschiedenen Themen mit den Kindern diskutiert haben. Am Mittwoch war ein homosexuelles Paar zu Gast, das über Rollenbilder in der Familie gesprochen hat.

Während am Sonnabend auf der Bühne Breakdance-Kinder zeigen, was sie im Workshop gelernt haben, werden an einem Stand nebenan Glasgefäße mit einer Mischung aus Sand und bunter Kreide gefüllt, die als Dekoration Tische oder Fensterbretter zieren sollen. Einige Meter weiter zaubert der sechsjährige Leon eine riesige Seifenblase. Mutter Felicitas Stus stammt aus Kenia. Nun lebt die Familie in Hennigsdorf. Von dort sind viele Teilnehmer täglich mit dem Bus nach Velten gefahren. "Wir sind zum ersten Mal dabei und es gefällt meinem Sohn sehr gut", sagt die 25-Jährige. Besonders stolz ist sie auf die Zirkus-Darbietungen ihres Nachwuchses.

Damit in der Aktionswoche alles glatt läuft, gab es viele ehrenamtliche Unterstützer. Das Organisatorenteam besteht aus 20 Mitgliedern. Dieses Jahr neu dabei ist Alina Ragge. Die 24-Jährige studiert Politikwissenschaften in Berlin, wo sie auch einen Arabisch-Sprachkurs belegt. "Hier sind viele arabischsprachige Kinder, da kann ich meine Kenntnisse in der Praxis üben", erzählt die Hennigsdorferin.

Generell habe die Verständigung gut geklappt, sagt Friederike Glorius. Obwohl viele Nationen aufeinander getroffen sind, wurde überwiegend Deutsch gesprochen. Der Name Mixed Pickels, der eine Mischung von eingelegtem Gemüse bezeichnet, steht seit 25 Jahren für die Idee der Aktionswoche: "Es ist von allem was dabei, und jeder wird herzlich willkommen geheißen", fasst Friederike Glorius zusammen.

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