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Theater an der Leine

Simon Rayß / 31.07.2017, 07:00 Uhr
Schorfheide (MOZ) Vier Schauspieler, ein Dutzend Figuren: Da kommt es auf die richtige Kopfbedeckung an. So wechseln am Sonnabend im Kletterwald Schlapphut und Zylinder, Dichter- und Schiebermütze, Fliegerkappe und Perücke hin und her - je nachdem, welche Figur des "Sommernachtstraums" gerade am Zuge ist.

Denn ganz so überschaubar ist die Handlung von Shakespeares Komödie nicht, die die vier professionellen Darsteller im Wald vor Groß Schönebeck aufführen. Passend zum Stück ist der Kletterwald Schorfheide zum Amphitheater umfunktioniert worden: Im antiken Griechenland geht es nämlich drunter und drüber.

Mehrere Pärchen treffen sich heimlich in einem verwunschenen Wald vor Athen. Eigentlich lieben sich die Richtigen, doch der Spuk des Waldelfen Puck führt zu allerlei Verwicklungen. Dass parallel auch noch eine Gruppe Handwerker ein Stück einübt - "unbeholfen, aber überaus eifrig", wie es in der Inszenierung heißt -, macht die Lage auch nicht gerade überschaubarer.

Jede Menge Stoff also für sommerlichen Schabernack und steten Rollentausch. Auch vor Klamauk schrecken die Schauspieler Katrin Schwingel ("Soko Leipzig"), Thomas Bading ("Weißensee"), Andreas Schröders ("Stralsund") sowie Musikerin Marla Tomaschke, die an Berliner Schauspielschulen unterrichtet, nicht zurück. Etwa wenn Schröders als Handwerker mit falschem Gebiss und angezauberten Eselsohren an den Bühnenrand tritt und nuschelnd ein herrlich schiefes Lied anstimmt.

Den mehr als 150 Zuschauer auf den vollbesetzten Holzbänken gefällt das. Gerade dem Nachwuchs, an den sich das Stück im Besonderen wendet. "Ich finde es wichtig, dass man etwas für die Jüngeren macht und ihnen Shakespeare nahebringt", hat Bading im Vorfeld der ersten Aufführungen vom Freitag und Sonnabend erklärt.

Deswegen nahm sich der Schauspieler, der zum Ensemble der Berliner Schaubühne gehört, die "Sommernachtstraum"-Fassung von Barbara Kindermann vor und machte daraus eine Lesung mit Schauspiel und Musik - geeignet für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren. Dass er diese Inszenierung nun mit langjährigen Weggefährten im Kletterwald spielt, hat auch damit zu tun, dass Bading seit 13 Jahren ein Ferienhaus in Groß Schönebeck sein Eigen nennt.

Im vergangenen Jahr kam er mit Kletterwald-Inhaber Sven Unger ins Gespräch und die Idee, den Parcours in ein Freilichttheater zu verwandeln, nahm Gestalt an. "Wir haben uns so gut verstanden", berichtet Thomas Bading, "da hat sich das so hochgeschaukelt." Doch nach den insgesamt vier Aufführungen des "Sommernachtstraums" - zwei folgen noch am kommenden Wochenende - soll beileibe nicht Schluss sein. "Wir wollen das jedes Jahr machen, vielleicht auch größer", sagt der 58-Jährige.

Wenn es nach Kletterwald-Chef Sven Unger geht, steht diesen Plänen nichts im Weg, gerade angesichts der zwei ausverkauften Vorführungen zum Auftakt. "Großartig" sei es gelaufen, das Konzept voll aufgegangen, sagt er am Sonnabend.

Die Inszenierung bezieht auch Elemente der Kletteranlage mit ein. So sitzen die Zuschauer zu ebener Erde und blicken mal zur Bühne, mal hinauf zu Schwingel und Schröders, die auf den farbig beleuchteten Plattformen, Leitern und Brücken des Kletterwaldes spielen. Dabei bleiben die beiden gut gesichert - an der Leine der Parkmitarbeiter.

Das Echo der Stimmen hallt von den Kiefern wider, ein Kolkrabe krächzt, das laue Dunkel der Sommernacht kriecht heran. Ja, der Kletterwald darf sich auch im kommenden Jahr gerne wieder in einen Zauberwald verwandeln.

Weitere Aufführungen: Freitag und Sonnabend, 20.30 Uhr, Kletterwald am Wildpark; Eintritt: 18, ermäßigt acht Euro; Vorbestellung per Telefon: 03338 330841

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