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Gedenkstätten-Anlieger wollen Busverkehr verbannen

Besucher der Gedenkstätte Sachsenhausen, die mit der Bahn nach Oranienburg anreisen, fahren mit OVG-Linienbussen direkt vor die Gedenkstätte.  Den Anwohnern sind es bereits zu viele, die die engen Anliegerstraßen belasten
Besucher der Gedenkstätte Sachsenhausen, die mit der Bahn nach Oranienburg anreisen, fahren mit OVG-Linienbussen direkt vor die Gedenkstätte. Den Anwohnern sind es bereits zu viele, die die engen Anliegerstraßen belasten © Foto: Friedhelm Brennecke/OGA
Friedhelm Brennecke / 31.07.2017, 19:07 Uhr
Oranienburg (OGA) Anwohner aus vier Anliegerstraßen an der Gedenkstätte Sachsenhausen haben vor wenigen Tagen die Anwohnerinitiative (AWI) "Gedenkstätte Sachsenhausen - Gedenken im Einklang mit dem Leben gegründet". Sie wollen damit ihren Interessen gegen die Beeinträchtigung durch zunehmenden Besucherverkehr Nachdruck verleihen.

"Wir gehen damit einen weiteren Schritt vom individuellen Einzelprotest hin zum organisierten Protest", sagt Christian Wollank, Sprecher der AWI. 30 Teilnehmer aus der Straße der Nationen, dem Schäferweg, der Hans-von-Dohnanyi-Straße und dem Sandhausener Weg hatten sich zu der Initiative zusammengeschlossen. Inzwischen hätten sich der AWI weitere 20 Anwohner angeschlossen, so Wollank.

Ihr Protest richtet sich vor allem gegen den Verkehr von Reise- und Linienbussen, die zur Gedenkstätte bisher durch die engen Anliegerstraßen fahren müssen. "Luftverschmutzung, Lärmbelästigung und Erschütterungen mit verbundenen Rissen in den Häusern sind die Folge", klagt Wollank. Auch Tempoüberschreitungen, Gefährdung von Fußgängern in den Straßen ohne Gehweg sowie Verschmutzungen der Vorgärten beklagen die Anlieger. Zwei vom Kreistagsabgeordneten Axel Heidkamp (Piraten) organisierte Anwohnerversammlungen mit Beteiligung der Gedenkstätte Sachsenhausen, der Stadt Oranienburg, des Landkreises Oberhavel sowie der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) hätten zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt, bedauert Wollank.

"Aus unserer Sicht muss sich hier aber etwas zugunsten der Anlieger bewegen, zumal die Besucherzahlen der Gedenkstätte seit 1992 um 400 Prozent auf rund 700 000 im Jahr gestiegen sind. Die Konzepte von damals greifen heute nicht mehr", ist Wollank überzeugt. Einen "Einklang zwischen Gedenken und dem Leben der Anwohner" sieht er allein durch die Verlegung des Busparkplatzes und des Linienverkehrs aus den Anliegerstraßen gewährleistet. Brachflächen südöstlich der Gedenkstätte am Sportplatz der Polizeifachhochschule wären dafür aus der Sicht der AWI ein geeigneter Standort. Die Zufahrt dort sei sowohl über die Bernauer Straße als auch über die Carl-Gustav-Hempel-Straße möglich, "ohne die Anwohner in Mitleidenschaft zu ziehen", sagt Wollank.

Die Verlegung des Busparkplatzes und des OVG-Linienverkehrs hält Stiftungsdirektor Günter Morsch demgegenüber für völlig unmöglich: "Das würde das gesamte Konzept der Gedenkstätte Sachsenhausen, die mit ihren dezentralen Ausstellungen über das Besucherinformationszentrum betreten wird, auf den Kopf stellen". Der Zugang zum authentischen Ort erfolge bewusst über jenen Weg, den damals auch die Häftlinge gehen mussten, sagt der Stiftungsdirektor. Das sei nicht verhandelbar. Ein Ringbusverkehr und die Asphaltierung der Straße der Nationen, die seit Jahren einer Buckelpiste gleiche, würde aus seiner Sicht den größten Teil der Anwohnerprobleme lösen, sagt Morsch. Auch verhandele die Stadt Oranienburg schon mit Grundstückseigentümern, um den Stellplatz der Reisebusse auf die andere Seite des Schäferwegs verlegen zu können.

"Das 25 Jahre alte Konzept der Besucherlenkung muss neu überdacht werden", fordert hingegen Wollank. Er erwarte zudem, dass die Vorschläge der AWI ernsthaft geprüft würden und dass die Initiative an zukünftigen Gesprächen und Entscheidungen beteiligt werde.

Oranienburgs Baustadtrat Frank Oltersdorf (SPD) hatte nach einer Anwohnerversammlung im Mai zugesagt, mit allen Beteiligten nach einer verträglichen Lösung zu suchen und zwischen den Fronten zu vermitteln. "Wir tragen derzeit alle Vorschläge zusammen und machen uns ein umfassendes Bild von der gesamten Thematik. Ende August, Anfang September werde ich zur ersten Gesprächsrunde einladen", versichert Oltersdorf. Neben der Gedenkstätte, der Stadt und dem Landkreis werde natürlich die OVG mit dabei sein. Auch die Anwohnerinteressen würden dabei nicht zu kurz kommen.

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