Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Platz 3 in der Gesamtwertung beim Baltic Run

Absolvierte den Baltic Run und kam trotz Blessuren ins Ziel. Extremsportler Torsten Richter schaffte in der Gesamtwertung der fünf Etappen den dritten Platz.
Absolvierte den Baltic Run und kam trotz Blessuren ins Ziel. Extremsportler Torsten Richter schaffte in der Gesamtwertung der fünf Etappen den dritten Platz. © Foto: MZV
Thomas Baake / 04.08.2017, 09:49 Uhr
Berlin (MZV) Am Samstag, den 22. Juli, reiste der Brandenburger Extremsportler Torsten Richter nach Berlin-Frohnau, um das Briefing, die Startunterlagen und die anderen Extrem-Sportler zum 9. Baltic Run zu hören, zu sehen und zu treffen. Der Baltic Run ist ein fünf-tägiger Ultra-Etappenlauf mit Strecken von 59 Kilometern bis zu 70 Kilometern. Er beginnt am Berliner Dom und endet 325 Kilometer später auf der Promenade im Ostseebad Karlshagen, wo die Sportler traditionell ohrenbetäubend erwartet und gefeiert werden. Nach einer kurzen Nacht in einer Sporthalle, wurden die Läufer mit Bussen zum Lustgarten gefahren, Gruppenfotos gemacht und pünktlich um 8 Uhr vom Veranstalter auf die Reise geschickt. Vorab haben ehrenamtliche Helfer die Strecke alle 500m mit roten Markierungspfeilen beklebt, die den Sportlern den sicheren Weg zur Ostsee zeigen sollten. 1.Etappe von Berlin - Hubertusstock (23.7.17) 63Km

Gestartet wurde um 8 Uhr und schon um 9 Uhr fing ein Starkregen an, der ganze drei Stunden dauern sollte und selbst Fahrradwege zum Überschwemmen bringen sollte - von den Waldwegen möchte man nicht reden. Richter mag jedoch Regenwetter, eher die Sonne nicht und gesellte sich zu einem befreundeten Spitzenpaar in der Laufszene. Ganze 45 Kilometer liefen sie zusammen, bis in der Schorfheide die Sonne und ein schwül-warmes Klima aufstiegen und Richter das Tempo etwas drosseln musste. Auch mental war er noch nicht auf der Höhe und nach 5:53 Stunden kam er als Gesamt-Achter etwas unzufrieden in Hubertusstock an.

2.Etappe von Hubertusstock - Prenzlau (24.7.17)  66Km

Ab heute wurde in zwei verschiedenen Gruppen gestartet. Eine um 7 Uhr und eine schnellere um 8 Uhr. In den nächsten Tagen sollten die ersten der zweiten Gruppe schon nach zwölf Kilometer die Letzten der ersten Gruppe erreicht haben. Vorher kam aber noch ein RBB-Team vorbei und machte ein Special für das Wetter im RBB und verschiedene Läufer wurden interviewt. Torsten fühlte sich gut, hatte den gestrigen Lauf gut verkraftet und war guter Dinge. Wieder lief er mit Frank und Britta zusammen und gerade die ersten 15 Kilometer waren wieder sehr schwierig, da die Luftfeuchtigkeit hoch war, vom welligen Profil nicht zu schweigen - insgesamt waren es über 2000 Höhenmeter auf den fünf Etappen. Nach 30 Kilometern ließ Richter etwas abreißen. Die Sonne kam heraus und er wollte nicht jetzt schon seine Kräfte vergeuden. Die Waldwege waren entweder sehr sandig oder moddrig, das machte es nicht einfacher. Nach über vier Stunden wurde es wieder frischer und Richter wurde wieder flotter und lief weiter zur Spitze heran und sollte heutiger Siebenter werden, zugleich rutschte er auf Platz 5 in der Gesamtwertung. Nach 6:24 Stunden erreichte er das Ziel.

3.Etappe von Prenzlau - Eggesin (25.7.17) 66Km

Auch den Lauf verkraftete er gut - Dehnungsübungen, viel Schlaf und Essen sollten das Rezept sein. Jeden Tag sollte er über 5000 Kalorien verbrauchen - machen 25000 in fünf Tagen! Torsten war motiviert, auch wenn es heute eine sechs-stündige Regenschlacht werden sollte. Straßen/Radwege/Wiesen waren überflutet und trotzdem kam er gut zurecht, lief wieder mit Frank und Britta zusammen und wirkte sehr frisch. Heute nahm sich Torsten etwas vor. Trotzdem ließ er sich nach 25 Kilometern etwa 1000m hinter den beiden fallen und wurde prompt vom Gesamt-Sechsten angegriffen. Nun erhöhte Torsten das Tempo und nach 33 Kilometern war er wieder bei den beiden und das Tempo blieb hoch. Es ging durch Torgelow und wenig später erhöhte er nochmals das Tempo und nun war er Dritter, wie sich später herausstellen sollte, sogar Zweiter, weil jemand disqualifiziert wurde. 600m vorm Ziel sollte es für Torsten aber auch bitter werden. Er lief den roten Pfeilen hinterher, nur diesmal hätte er rechts auf die Zielgerade abbiegen müssen und er benutzte die linke Straßenseite und auch dort waren diese roten Pfeile, was er aber nicht wissen konnte, diese waren vom letzten Jahr. Er lief weiter und es kam nach 66 Kilometern kein Ziel, auch nicht nach 68 Kilometern und jetzt drehte er um und mit Hilfe von Anwohnern kam er nach 70 Kilometern ins Ziel. Nicht als Dritter in 6:13 Stunden für die 66Km, sondern als Achter für 6:34 Stunden, jedoch für 70 Kilometer. Er war sehr traurig, konnte er ein starkes Rennen nicht belohnen. Einen Lichtblick gab es dennoch: Er rutschte trotzdem auf Platz 4 hoch, da der Viert-Plazierte einen schlechten Tag haben sollte. Wäre er richtig gelaufen dann wäre er Gesamt-Dritter. So wurden aus drei Minuten Vorsprung nun 25 Minuten Rückstand.

4. Etappe von Eggesin nach Usedom ( 26.7.17) 70Km

Die Königsetappe mit 70 Kilometern. Torsten war muskulär gut drauf, hatte nur eine Entzündung am linken Zehnagel, der aber mit Pflaster und Salbe gut versorgt war. Heute wollte er es nochmal wissen und seinen zwei Freunden erzählte er auch eine mögliche Taktik. Wenn es bis Kilometer 55 gut laufen sollte, dann wolle er nochmals angreifen, so sein Plan. Aber auf solch langen Läufen kann man nicht planen, dass wusste er. Auch diese Etappe war sehr verregnet, windig und hügelig. Man rennt durch Anklam und nach 60 Kilometer würde endlich die Halbinsel Usedom erreicht werden. Frank, Britta und Torsten liefen komplett zusammen - diese 3er Gruppe passte von Anfang an zusammen. Frank war Zweiter bei den Männern und seine Frau Britta sollte alle Etappen und die Gesamtwertung der Frauen gewinnen. Auf der Usedombrücke, bei Kilometer 60, wurden Fotos gemacht und jetzt informierte Torsten die beiden, dass er nun nochmal alles reinwerfen will und den 3. Platz angreifen möchte. Und obwohl 260 Kilometer in den Beinen, der Regen, die Sonne, der Wind und nicht zuletzt die drei schweren Etappen davor, lief Richter auch mit etwas Wut im Bauch wegen des Vortages,  nochmals die letzten acht Kilometer einen Schnitt unter fünf Minuten und kam nach 6:31 Stunden als glücklicher Tagesdritter ins Ziel. Er wusste, dass war ein Toplauf und nun hieß es im Ziel warten und warten. Es sollte die schnellste Etappe sein und da der Gesamt-Dritte über 50 Minuten auf Richter verlor, war nun der Brandenburger mit 27 Minuten Vorsprung Gesamt-Dritter. Am Abend gab es die alltägliche Siegerehrung für die Etappe und seine Freundin kam nun auch nach Usedom, weil Sonja die letzte Etappe über 59 Kilometer auch laufen wollte. Jetzt war Torsten voller Freude und  Motivation für die restlichen 59 Kilometer. Die Extremsportler hatten 266 Kilometer geschafft.

5. Etappe von Usedom nach Karlshagen (27.7.17) 59 Km

Die letzte Etappe und dann ist die Ostsee erreicht. Natürlich war auch am heutigen Tag das Fernsehen mit von der Partie und berichtete am Abend im NDR vom Baltic Run.  Richter litt jetzt unter Schmerzen, da sein linker, großer Zehnagel stark entzündet war. Das sollte die wärmste und schwerste Etappe werden, zugleich aber auch die Schönste. Ab Kilometer 26 standen die drei Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin auf der Route. Anschließend noch die sandigen Anstiege in Richtung Karlshagen. Richter wollte nur noch durchkommen und seinen dritten Platz absichern. Er hatte kein Interesse mehr vorn mitzulaufen. Er hielt sich zurück, war dennoch immer in der Lage noch zügiger zu laufen. Als Richter nach 5:45 Stunden auf Platz 9 liegend das Ziel nach 59 Kilometer erreichte, da kannte seine Freude keine Grenzen. 325 Kilometer, 31:11:42 Stunden, 25000 Kalorien verloren. Dieser grenzwertiger  Extremsport und die Torturen waren endlich am Ende und die nahende Ostsee sollte das nötige kühle Bad bringen.

Am Abend gab es eine große Siegerehrung wo alle Gesamt- und Etappenläufer geehrt wurden. Bei bestem Essen konnte der VFL-Läufer seinen Pokal für den 3. Gesamtplatz in Empfang nehmen. Er konnte wie sein Brandenburger Läuferfreund Wolfhard Seeliger den Baltic Run erfolgreich beenden und plant einen solchen Etappenlauf nicht mehr.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG