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Roderik Daul, neuer Chef der Kultur GmbH, spricht vor den Gemeindevertretern

Erschüttert über Ist-Zustand

Margrit Meier / 08.08.2017, 06:30 Uhr - Aktualisiert 08.08.2017, 11:59
Rüdersdorf (MOZ) Wenn ein Geschäftsführer Dreckecken zeigt und dafür Dankesworte bekommt, ist das eher ungewöhnlich. Roderik Daul, seit neun Wochen Chef der Kultur GmbH, hat dies in der Gemeindevertretersitzung erfahren.

Er habe den Ist-Zustand analysiert. Von Museumspark und Kulturhaus. Und stieß u. a. auf zerschlagene Oberlichter und nicht weggeräumten Baudreck in der Schachtofenbatterie. Roderik Daul zeigte sich erschüttert über den Zustand des Steigerhauses in der Heinitzstraße 41, das erst vor zwei Jahren renoviert worden war. "Dem Handwerker hätte die Schlussrechnung nicht bezahlt werden dürfen. Geplante sanitäre Einrichtungen sind nicht eingebaut worden", betonte Daul. Auch fragte er sich, was die vor sich hinrostende Kranausstellung mit dem Tagebau zu tun habe. Nichts, so die Antwort.

Er erwähnte, dass allein die Rüstung für den Seilscheibenpfeiler im Monat 2000 Euro kostet. Bisher sei dort noch nicht ein Stein verputzt worden. Er zeigte Bilder von auslaufenden Kühlschränken im Kulturhaus - "es wäre fahrlässig, jemandem dort Essen anzubieten" -, zugestellten Rettungswegen und kaputten Fußböden ...

Hintergrund für seine Ist-Analyse war die Frage, warum in anderen Parks, etwa im Familiengarten Eberswalde 100 000 Besucher im Jahr zu Gast sind, in Rüdersdorf aber nur 20 000. Und das, obwohl der Park jede Menge Potenzial und auch tolle Angebote wie die Jeepsafari habe. Er sei der Frage nach den Einnahmen und Ausgaben in der Kultur GmbH bei Veranstaltungen nachgegangen. Beim Bergfest wurde "eine fünfstellige Summe verbrannt". "Das Wetter war schlecht, hieß es, als Grund, dass so wenig Gäste da waren. Doch die Zahlen sind identisch mit dem Vorjahr", stellte Daul fest. Selbst das EWE-Klassik-Konzert brachte 4000 Euro Verlust. "Familienfeiern bieten wir so günstig an, dass wir noch draufzahlen", berichtete Daul weiter. Auch stellte er die Frage, warum einige Vereine das Kulturhaus samt Betriebskosten einfach so nutzen dürfen. "Jeder Euro, den wir in Nebenkosten investieren, muss an anderer Stelle erst einmal verdient werden."

Die Aussage veranlasste später Rita Nachtigall (SPD) zu der Anregung, genau in diesem Sinne die Vereins-Förderrichtlinie in der Gemeinde auf den Prüfstand zu stellen.

Insgesamt stellte Daul fest, locke der Museumspark in keiner Weise jemanden an, dort noch einmal hinzukommen. Schon gar nicht Familien. Deren einziges Ziel könnte noch der Streichelzoo sein.

Das Kulturhaus arbeite nicht gewinnträchtig. Doch "meiner Meinung nach kann man auch Feste und Veranstaltungen wirtschaftlich betreiben. Und eine schwarze Null schreiben"

Unter seiner Regie, kündigte er an, werde künftig so gearbeitet, wie das jeder Privatmann auch tun würde. Es werde nur ausgegeben, was auch vorhanden und möglich sei. Er gebe lieber Fördermittel zurück, als sie irgendwo noch rasch zu verbauen.

Für ihn gebe es künftig drei Schwerpunkte. 1. Der museale Faktor im Museumspark, der aus seiner Sicht zu kurz komme. 2. Die Vermarktung von Flächen in Park und Kulturhaus sowie 3. der Fokus auf Familien, die aus seiner Sicht die wichtigste Zielgruppe seien. Er sei zum Beispiel mit der "Herzfelder Feldbahn" in Verhandlung. Die will er dauerhaft nach Rüdersdorf in den Museumspark holen. Gleichzeitig soll modular ein Spielplatz aufgebaut werden.

Nach der Präsentation durch Daul, der klar formulierte, dass er Geld brauche, um jetzt loslegen zu können, gab es anerkennendes Klopfen der Gemeindevertreter. Und Dank, dass sie den Spiegel vorgehalten und ungeschönt Dinge erzählt bekommen hätten. Donnerstag, 18.30 Uhr, tagen die Gemeindevertreter im großen Sitzungssaal Herzfelde darüber, wie es nun weitergeht mit der Kultur GmbH.

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Jörg Werner 08.08.2017 - 08:22:44

Komisch

Irgendwie liest es sich komisch, dass die Gemeindevertreter "Dinge erzählt bekommen" von einem Kulturverein aus ihrem Ort. Da fragt man schon, was sie sie denn so die ganzen Jahre gemacht haben ausser die entsprechenden Geldzusagen abgenickt. Das spricht nicht gerade für ihr Engagement.

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