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Stadtoberhäupter von Potsdam und Brandenburg ziehen sich zurück / Frankfurts OB hat harte Konkurrenz

Drei Oberbürgermeister gesucht

Ulrich Thiessen / 10.08.2017, 21:29 Uhr
Potsdam (MOZ) Drei von vier kreisfreien Städten bereiten sich auf die Wahl eines neuen Stadtoberhauptes vor. Die zweite Reihe der Verwaltungen drängt in Potsdam, Frankfurt und Brandenburg nach vorn.

Es gab Zeiten, da schickten die Parteien ihre besten Leute in die Rathäuser. Matthias Platzeck (SPD) gab 1998 seinen Ministerposten auf und stellte sich in Potsdam dem Wähler. Wer was werden will (später Ministerpräsident), muss zeigen, dass er vom Kommunalen eine Ahnung hat, hieß es damals. Einige Jahre danach wurde Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) gedrängt, sich zum Oberbürgermeister in Cottbus wählen zu lassen.

In beiden Fällen hatte es für die Regierungspartei oberste Priorität, in den Rathäusern der Oberzentren das Sagen zu haben. Solche Erwägungen gibt es in den Parteizentralen zurzeit nicht. Frankfurt, Brandenburg an der Havel und Potsdam sollen offenbar aus dem eigenen Bestand Kandidaten finden. Für Landespolitiker scheint im Fall einer Niederlage der Imageverlust wohl zu groß.

Zuerst dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einwohner von Brandenburg wählen. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) kandidiert im September für den Bundestag. Ihre Chancen nach Berlin zu wechseln, stehen gut. Die resolute Christdemokratin hat nach 14 Jahren im Amt ihr Haus bestellt und längst ihren Stellvertreter und Kämmerer der Stadt, Steffen Scheller (CDU), als möglichen Nachfolger präsentiert. Die SPD hat sich im vergangenen Jahr gespalten und dürfte es schwer haben, das Rathaus wieder mit einem eigenen Kandidaten zu besetzen.

In Frankfurt (Oder) läuft die Amtszeit von OB Martin Wilke (parteilos) im Frühjahr kommenden Jahres aus. Anfang Juni zu seinem 60. Geburtstag hatte er verkündet, sich zur Wiederwahl zu stellen. Kam er 2010 mit der breiten Unterstützung von SPD, CDU, FDP und Bürgerbündnissen ins Amt, so kann er diesmal nicht auf deren Hilfe bauen.

Die Oderstadt erlebt die ungewöhnliche Situation, dass die gesamte Rathausspitze gegeneinander antreten will: der Kulturbeigeordnete Markus Derling für die CDU und der Sozialbeigeordnete Jens-Marcel Ullrich für die SPD. Einen Bürgermeister und Finanzbeigeordneten gibt es seit Jahren schon nicht mehr.

Für die Linke könnte René Wilke antreten. Dem stellvertretenden Fraktionschef im Landtag war auch schon eine Karriere auf Landesebene zugetraut worden, allerdings hat er nie seinen Hut in den Ring geworfen. Obwohl der 33-Jährige schon lange in der Frankfurter Stadtpolitik mitmischt, fehlt ihm im Gegensatz zu seinen Konkurrenten die Verwaltungserfahrung. Er trägt aber auch keine direkte Verantwortung für die schwierige Situation in der Oderstadt.

In der Landeshauptstadt hat seit jeher die SPD das Sagen. Auch wenn die Linke, beziehungsweise früher die PDS, mehrfach kurz davor war, ihr den Chefstuhl im Rathaus streitig zu machen.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) tritt nach zwei Wahlperioden im nächsten Jahr nicht noch einmal an. Auch sein schärfster Kontrahent Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) wird sich wohl nicht noch einmal um das Amt bewerben. Für die CDU wäre es wichtig, in der Stadt, die immer bürgerlicher wird, endlich einmal einen Achtungserfolg zu erzielen. Das ist ihr bislang im Kampf um das Rathaus nicht gelungen. Ein breites Bündnis, eventuell mit Grünen und FDP, wäre erfolgversprechend, aber noch halten sich alle Seiten zumindest bis zur Bundestagswahl bedeckt.

Auch die Potsdamer SPD hat sich noch nicht entschieden. Es scheint auf einen Kandidaten aus der Stadtverwaltung hinauszulaufen. Entweder der Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner oder Sozialbeigeordneter Mike Schubert. Es ist eine Generationenfrage, die der 44-jährige Schubert wohl für sich entscheiden dürfte.

Der gebürtige Schwedter war als langjähriger Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung an allen Weichenstellungen beteiligt und Exner (59 Jahre alt) eher als Sparkommissar unterwegs.

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