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Katrin Fleischer bot am Sonnabend zum ersten Mal eine historischen Führung durch Woltersdorf

Spaziergang mit der Waschfrau

Mara Kaemmel / 14.08.2017, 08:13 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Als Waschfrau "Katharina vom Kalksee" bot Katrin Fleischer am Sonnabend zum ersten Mal eine historischen Führung durch Woltersdorf an. Der Ort hat damit jetzt ein eigenes Original.

Es nieselt und sie friert in ihrem dünnen, weißen Waschfrauenkleid. Die ebenso weiße Schleife im dunklen Haar, ihr Markenzeichen, sitzt nicht mehr ganz so frech auf dem Schopf wie sie sollte, denn sie ist feucht. Trotzdem strahlt Katrin Fleischer gute Laune aus, als sie kurz vor 10 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle in Rahnsdorf auf ihr Publikum wartet. Zehn Leute haben sich für ihre erste historische Führung durch Woltersdorf angemeldet. Zwölf werden es schließlich sein, die mit ihr auf eine zweistündige Tour durch die Heimatgeschichte gehen und denen sie sich als "Katharina vom Kalksee" vorstellt. Auf das Wörtchen "vom" legt sie Wert. Nicht "von", bitteschön. "Ich bin schließlich keine Adlige, sondern eine Waschfrau", sagt sie.

Wer sich in Woltersdorf für Kultur interessiert, kennt Katrin Fleischer. Sie hat sich lange Zeit im Vorstand des Kulturhauses "Alte Schule" engagiert. Die historischen Führungen sind ihr persönliches Projekt, weil sie weiß, dass sich viele Menschen für Geschichte interessieren. Und weil es mehr Spaß macht, sich von einer historischen Figur Historie und Histörchen erzählen zu lassen, ist sie in die Rolle einer Wäscherin geschlüpft. "Davon gab es in Woltersdorf mit seinen drei Seen früher viele."

Als die Straßenbahn 87 Richtung Schleuse losruckelt, ist aus Katrin Fleischer Katharina geworden. Sie erzählt, dass Woltersdorf die kleinste deutsche Gemeinde war, die eine eigene Straßenbahn hatte. Dass ihr Urgroßvater Jäger war, der hier im Wald Wildschweine gejagt hat. Und so geht es munter weiter. Sie erklärt, wie der Ortsteil Schönblick entstand und wer der Künstler Fidus war. Auf dem Weg zur Schleuse und weiter zum Aussichtsturm auf dem Kranichsberg erfährt die Gruppe, dass in Woltersdorf früher Spielfilme wie der "Tiger von Eschnapur" gedreht worden sind, warum es eine Krokodilsbucht gibt, was es mit der "Liebesquelle" auf sich hat ; und zwischendrin plaudert sie von Erlebnissen diverser Onkel und Tanten - bis schließlich die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwindet.

Ihr Publikum lässt sich gern darauf ein. Renate Langer aus Berlin und ihre Schwiegertochter Katharina Schmidt macht der Spaziergang mit der Waschfrau sichtlich Freude - trotz des schlechten Wetters. "Wir wandern gern, interessieren uns für Geschichte und erfahren viel Neues", sagt Renate Langer. Auch Einheimische wie Kerstin Mutz sind angetan. "Es ist einfach eine schöne Idee, vor allem für Leute, die nach Woltersdorf ziehen und etwas über ihren Ort erfahren wollen."

Auch künftig wird Katharina vom Kalksee Führungen anbieten, zu Fuß und per Fahrrad: Mit ihrer Rolle hat sie das Zeug dazu, sich als Original zu etablieren. Doch jetzt regnet es stärker und es hilft nichts, aus Katharina wird wieder Katrin - sie zieht ein Regencape aus Plastik über, auch wenn es das anno dazumal nicht gab. Bleibt die Frage: Ob ihr Urgroßvater wirklich Jäger war?

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