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Mario Borchert setzt als unabhängiger Direktkandidat für den Bundestag auf ein spezielles Thema

Einzelkämpfer gegen den Wolf

Mathias Hausding / 16.08.2017, 20:45 Uhr - Aktualisiert 17.08.2017, 11:07
Damelack (MOZ) Er hat keine Siegchance und nur ein Wahlkampfthema. Aber weil ihm das so wichtig ist, tritt Mario Borchert aus Ostprignitz-Ruppin als Direktkandidat für den Bundestag an: Er fordert eine Regulierung der Wolfsbestände.

Schon als Jugendlicher zu DDR-Zeiten interessierte er sich für Politik. Die "Rotlichtbestrahlung" ging ihm gehörig auf die Nerven, also die verordnete Propaganda. Mario Borchert lief bei den Leipziger Montagsdemonstrationen mit. Als es nach der friedlichen Revolution von 1989 um die Verteilung von Posten ging, verlor er den Kontakt zur Politik, startete eine Karriere bei der Bundespolizei. Inzwischen ist er Unternehmensberater und Gemeindevertreter. Er engagiert sich also wieder.

Am 24. September nun tritt der 46-jährige Familienvater als unabhängiger Direktkandidat bei der Bundestagswahl an. Das Besondere ist, dass er nur ein Thema hat: den Wolf. Was etwas verrückt anmuten mag, kann Mario Borchert sehr gut erklären. "Es ist auf dem Land ein sehr populäres Thema, das niemand sonst ordentlich behandelt", sagt er. Politiker aller Parteien würden zwar dies und das dazu erklären, aber dann doch nur abwarten und sich hinter dem geltenen EU-Recht verstecken.

Unerträglich findet Borchert das. "Alle machen es sich bequem, während die Landbevölkerung zu Versuchskaninchen im Umgang mit dem Wolf erklärt wird." Woran die Landesregierung unter dem Titel Wolfsmanagement-Plan arbeite, verdiene diesen Titel nicht, sondern sei ein bloßes Trostpflaster, meint er. "Es passiert nichts. Der Schutzstatus des Wolfes wird nicht angetastet."

Genau das sei aber notwendig, deshalb ziehe er mit dieser Forderung in den Wahlkampf: "Die Wolfsbestände müssen reguliert werden." Man könne es auch technisch ausdrücken, sagt der Jäger: Wildtier-Bestände werden "bewirtschaftet". Genau so müsse es auch bei diesem "Großraubtier mit Gefährdungspotenzial für unsere Lebensweise" laufen. Niemand rede von einem neuerlichen Ausrotten. Die Art habe jedoch in Brandenburg den sogenannten günstigen Erhaltungszustand erreicht, sei nicht mehr vom Aussterben bedroht.

Nach Angaben des Agrar- und Umweltministeriums gibt es in Brandenburg derzeit 22 Wolfsrudel beziehungsweise 200 Tiere, ein Drittel der bundesweiten Bestände. Aber klar belegt seien diese Zahlen nicht. "Das ist alles sehr diffus", kritisiert Mario Borchert.

Die Landesregierung müsse endlich ein fundiertes wildbiologisches Gutachten erstellen lassen, fordert er. Nur auf dieser Basis könne man dann den Schutzstatus lockern, den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und Tiere entnehmen, wenn bestimmte Quoten überschritten sind. "In den EU-Ländern Schweden und Lettland werden auch Wölfe geschossen." Dem Brandenburger Minister Jörg Vogelsänger (SPD) hält Borchert vor, bloße Schaufensterpolitik zu betreiben, indem er etwa an den Wolfswachen besorgter Nutztierhalter teilnehme. "Damit löst er kein Problem."

Borchert prangert an, dass Brandenburg mit Vogelsängers Linie unnötig Zeit verliere. "Die Tiere vermehren sich mit einer Dynamik von jährlich 30 Prozent. Wir wissen, wohin die Reise geht. Ohne Regulierung haben wir in acht Jahren bundesweit 2000 Wölfe."

Im Wissen, dass entsprechende Regelungen ihre Zeit brauchen, müsse die Politik jetzt beginnen, Vorsorge zu treffen. Konkret heiße das für Brandenburg, jenes wildbiologische Gutachten erstellen zu lassen. Und für den Bund, Änderungen im Jagdrecht ins Auge zu fassen.

"Wir müssen weg vom Wunschdenken und hin zu einer Politik der praktischen Vernunft, die Probleme löst." Mit dieser Formel will er auch seine prominenten Mitbewerber im Wahlkreis 56 (Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Havelland I) zu einer klaren Positionierung in Sachen Wolf veranlassen. Auf dem Wahlzettel stehen über ihm Mandatsinhaber Sebastian Steineke (CDU), Brandenburgs Ex-Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) und Kirsten Tackmann, Agrarexpertin der Linken im Bundestag. Für den 2. September will Borchert sie allesamt zu einer Diskussionsveranstaltung über die Nutztierhaltung und den Wolf einladen. Gregor Beyer vom Agrar-Lobbyverband Forum Natur Brandenburg will das Treffen moderieren.

Borchert weiß, dass er das Mandat am 24. September nicht holen wird. "Das hat noch kein unabhängiger Kandidat geschafft." Aber eine gewisse Anzahl an Stimmen für ihn wären in seinen Augen ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Themas.

Dass es vielleicht gar nicht so absurd ist, als Einzelkandidat die politische Monokultur Wolf anzubieten, zeigt ein Blick nach Niedersachsen. Dort rechtfertigte jüngst Elke Twesten, Überläuferin von den Grünen zur CDU, ihren Abschied von der Öko-Partei an erster Stelle mit deren Haltung zum Wolf.

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Jutta Hinz 21.08.2017 - 16:42:50

Jagdlust auf Wölfe

Danke für den guten Kommentar über die Jägerhysterie, endlich auch Wölfe erschießen zu dürfen. Das sind wirklich lächerliche unglaubwürdige Ammenmärchen, die die regelmäßig vom Stapel lassen. Hunde interessieren die bloß, wenn sie sie abknallen könnten.

Jutta Hinz 21.08.2017 - 16:42:15

Jagdlust auf Wölfe

Danke für den guten Kommentar über die Jägerhysterie, endlich auch Wölfe erschießen zu dürfen. Das sind wirklich lächerliche unglaubwürdige Ammenmärchen, die die regelmäßig vom Stapel lassen. Hunde interessieren die bloß, wenn sie sie abknallen könnten.

Roland Totzauer 20.08.2017 - 15:17:33

Aggressive Hunde bekämpfen!

Fast wöchentlich berichten Medien über aggressive Hunde, die Kinder oder Erwachsene beißen und mitunter schwer verletzen. Wann immer ich unterwegs bin als Radfahrer oder Fußgänger, halte ich meine Reizgaspatrone griffbereit, um mich gegen zivilisationsgeschädigte, schlecht oder garnicht erzogene Hunde zu wehren. Noch nie hat mich oder jemanden in meinem Brandenburgischen Umfeld ein wilder Wolf belästigt. Das Jägerlatein des Mario Borchert aus Ostprignitz-Ruppin ist Polit-Theater und hat mit der Realität in unseren Wäldern nichts zu tun. Ich hoffe, Herr Borchert setzt sich endlich einmal ein für die zahlreichen Opfer aggressiver Hunde, die in ganz Deutschland friedliche Menschen verletzen oder bedrohen. Das Thema "Kampf gegen Wölfe" ist ein von Journalisten gern aufgegriffenes Sommerloch-Thema und wird jetzt also sogar als Wahlkampf-Thema mißbraucht. Glücklicherweise sind die meisten Brandenburger relativ gut aufgeklärt über das Verhalten des wilden Wolfes und daher relativ wenig empfänglich für die Angst-Hysterien des Herrn Borchert und seiner lächerlichen Jagdhumpane.

Frank Schneider 20.08.2017 - 00:54:37

An Frau Hinz

http://www.bild.de/bild-plus/news/inland/wolf/frass-meinen-arm-49587284,view=conversionToLogin.bild.html Vielleicht stehen auch Sie eines Tages mal bei einem Waldspaziergang eienm Wolf gegenüber.

Piefke Saga 19.08.2017 - 23:12:26

Was ist ein "unnatürliches Raubtier" ? :-O

Ein Wolf mit Kunststoffprothese?

Jutta Hinz 19.08.2017 - 22:44:35

Hetzkampagne der Jäger gegen ein natürliches Raubtier in Deutschland

Welch eine Kraft der Lust des Tötens muß dahinter stecken, wenn regelmäßig fast ganzseitig gegen den Wolf, der in Deutschland endlich wieder heimisch wird, für dessen Abschuß gelabert wird. Käme noch Bär und Luchs dazu, hätten die Jäger noch mehr Konkurrenz und es fehlte denen die Aussage, "wir müssen ja regulieren", wir haben ja keine Raubtiere mehr! Besser wäre es wahrlich, sich für die Natur einzusetzen, was kein Geld bringt, aber Arbeit macht.Also kein Krieg gegen unsere Wildtiere! https://woelfe-in-lds.jimdo.com/wolf-und-wald/ oder nachlesen, was vernünftige Politiker dazu meinen: PNP-Interview | 12.08.2017 | 06:02 Uhr Hendricks: "Jagd auf Wolf hilft nicht gegen Nutztier-Risse" Lesenswert (2) Lesenswert 4 KommentareKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken merken merken Artikel Umweltministerin Barbara Hendricks. − Foto: dpa Umweltministerin Barbara Hendricks. − Foto: dpa Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hält Forderungen nach einer Abschussquote für den Wolf für rechtlich nicht haltbar und plädiert für einen konsequenten Herdenschutz. "Der illegale Abschuss eines Wolfes oder eines Luchses ist eine Straftat", sagte sie der Passauer Neuen Presse. Diese könne mit einer Geldstrafe oder gar einer Freiheitstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. "Es geht nicht, dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln." Zudem trägt die Jagd auf den Wolf laut Hendricks nicht dazu bei, Risse bei Nutztieren zu vermeiden. Entscheidend sei nicht die Größe des Wolfsbestandes, sondern "wie gut oder schlecht vor allem Nutztiere geschützt sind". Das Beispiel der Lausitz zeige, dass "konsequenter Herdenschutz" die Zahl der Nutztier-Risse reduziere. Maßnahmen dafür seien etwa elektrisch geladene Schutzzäune oder Herdenschutzhunde für Schafe. Linktipps: - Minister Brunner fordert: "Schutzstatus des Wolfes absenken" - Ein Video zeigt die drei neuen Jungwölfe im Bayerischen Wald Seitdem der Wolf zurück in Deutschland ist, habe es noch keinen Angriff auf einen Menschen gegeben, so die Umweltministerin weiter. Gefährlich würden die Raubtiere nur dann, wenn sie sich bedroht fühlten. "Wölfe, die wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwinden und Tiere reißen oder sich gegenüber Menschen besonders distanzlos zeigen, können schon jetzt erschossen werden", sagte Hendricks.

Rolf Lustig 17.08.2017 - 10:12:32

Der Herr Minister

Nette Worte in Richtung Vogelsänger. Eine Ablösung dieser unfähigen Person ist überfällig. Aber in dieser Landesregierung sind viele dieser Art geparkt worden und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

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