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Wie viele Frauen aus Eberswalde und Umgebung fertigt Helga Triebler Mützen für indische Straßenkinder / Seit Beginn der Aktion vor sechs Jahren ist sie dabei

Wenn das Zuhause zur Strickfabrik wird

Mützen satt: Helga Triebler hat die 103 Kopfbedeckungen, die sie seit vergangenem September gestrickt hat, auf ihrem Bett ausgebreitet. Zwei Exemplare hält sie in ihrer Hand.
Mützen satt: Helga Triebler hat die 103 Kopfbedeckungen, die sie seit vergangenem September gestrickt hat, auf ihrem Bett ausgebreitet. Zwei Exemplare hält sie in ihrer Hand. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Marco Marschall / 19.08.2017, 07:13 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das Bett in der kleinen Neubauwohnung liegt voller wärmender Kopfbedeckungen. Sie haben durchaus modischen Charme, verschiedene Farben und Muster. Es sind 103 Mützen, die Helga Triebler seit ungefähr einem Jahr wieder gestrickt hat. "Egal wie sie aussehen, Hauptsache dick müssen sie sein", das habe man der 85-jährigen Eberswalderin damals gesagt. Sie nimmt ein Exemplar in die Hand und befühlt es. "Dick sind sie", versichert sie.

Helga Triebler strickt seit der ersten Stunde Mützen für indische Straßenkinder. Vor sechs Jahren hatte Initiatorin Elke Siegemund in der Märkischen Oderzeitung dazu aufgerufen. Nun kommt der Bamberger Verein FriendCircle WorldHelp jedes Jahr nach Eberswalde, um Tausende Kopfbedeckungen einzuladen und nach Indien zu bringen. Jedes Jahr übertrumpfen sich die Damen mit den flinken Fingern aufs Neue. Beim Deutschen Roten Kreuz in Eberswalde treffen sich einige von ihnen regelmäßig, um zu stricken.

Doch auch die Leistung der vielen Frauen, die sich im heimischen Wohnzimmer an der Aktion beteiligen, will Elke Siegemund gewürdigt wissen. Längst wird über Kreisgrenzen hinaus gestrickt. Nicht nur aus dem Barnim sondern auch aus der Uckermark und Märkisch-Oderland treffen mittlerweile Mützen ein.

"Helga Triebler steht für alle, die da draußen rumstricken", sagt Elke Siegemund. Die Eberswalder Rentnerin ist nicht auf Rekordjagd. Einige der Damen stricken jährlich 500 Mützen und mehr. "Das würde ich nicht schaffen", sagt Helga Triebler, die gern bei Natur- oder Musikdokus im Fernsehen die Nadeln bewegt. Als sie mal keine Wolle mehr hatte, habe sie einfach 14 Pullover aus dem Schrank aufgeräufelt, die dort schon länger ungetragen lagen.

In der Regel aber wird den Damen Wolle gespendet. Das Rohmaterial ist begehrt. Wer etwas zur Verfügung stellen möchte, kann das beim DRK in der Rathauspassage tun. Von dort aus werden die unermüdlichen Damen versorgt. Dort berichtet der Friend Circle auch jedes Jahr über die Verteilung der Mützen in Indien. Manche erkennen ihre dann auf den Köpfen der Kinder wieder. Für die Strickerinnen gibt es jedes Mal einen Kalender mit Fotos von der Aktion. Helga Triebler hat sie alle aufgehoben. "Das ist das Dankeschön an uns. Aber das reicht auch", sagt sie.

Zuletzt hatte der Bamberger Verein im Januar fast 8000 Mützen aus Eberswalde abgeholt. Statt mit dem Flieger transportiert sollen sie in diesem Jahr verschifft werden. Ein Sponsor stellt einen Container zur Verfügung. Sobald die Zollfrage geklärt ist, sollen die Kopfbedeckungen geholt werden. Elke Siegemund bittet deshalb alle Strickerinnen, ihre Erzeugnisse bis September abzugeben. Den Bericht des Friend Circle wird es aus Zeitgründen leider erst wieder im nächsten Sommer geben.

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