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Barrierefrei zum Gottesdienst

Diese Stufen mussten gehbeeinträchtigte Menschen bisher meistern, um in die Kirche zu gelangen. Ein barrierefreier Weg wird ab Montag angelegt. Für den neuen Eingang ist ein Mauerdurchbruch vor der alten Schule notwendig
Diese Stufen mussten gehbeeinträchtigte Menschen bisher meistern, um in die Kirche zu gelangen. Ein barrierefreier Weg wird ab Montag angelegt. Für den neuen Eingang ist ein Mauerdurchbruch vor der alten Schule notwendig © Foto: MZV
Marco Winkler / 19.08.2017, 11:48 Uhr
Sommerfeld (OGA) Seit Jahren haben ältere Menschen ein Problem, wenn sie die Kirche in Sommerfeld besuchen wollen. Schiefe Stufen erschweren den Weg. Ab Montag wird das Gotteshaus barrierefrei gestaltet. Die Kosten übernimmt zum Teil ein Bauingenieur aus dem Ort.

Der Weg ist beschwerlich. Leichtfüßig schafft ihn kaum einer. Der Eingang zur auf einem Hügel gelegenen Kirche in Sommerfeld erfordert von älteren Menschen fast Bergsteiger-Qualitäten. Schief und krumm sind die über die Jahre abgetretenen Stufen. Die Höhe der Tritte variiert so stark, dass kein Schritt dem vorangegangenen gleicht. Gerade für Senioren, Gehbeeinträchtigte, Familien mit Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl ist das ein Problem. "Es ist die einzige Kirche in meinen Gemeinden, die so hoch liegt", sagt Pfarrer Thomas Triebler.

Seit mehreren Jahren gibt es deshalb den Wunsch nach einer Veränderung. "Das Thema Barrierefreiheit ist bei uns immer präsent", sagt Winfred Günther. Er leitet den Bauausschuss des Pfarrsprengels Kremmen. Oft seien Veränderungen nicht leicht, da die alten Gemäuer unter Denkmalschutz stehen. So wie in Sommerfeld. Der 65-Jährige lobt jedoch die Zusammenarbeit mit der Behörde. "Ich unterstütze den Versuch, behutsam mit alten Gebäuden umzugehen."

Die Ursprungsvariante sah eine Rampe am Haupteingang vor. "Eine tolle Idee", so Winfred Günther, "leider würde die Ausführung zu steil geraten." Deshalb wird es einen neuen Weg geben, der einmal um die Kirche führt. Dazu muss ein Durchlass an der Mauer gesetzt werden, die die Kirche umschließt. Genau gegenüber der alten Schule wird die Mauer durchbrochen. Schon vor Jahren gab es hier einen Durchgang, den viele Schulkinder nutzten, um zur Kirche zu gelangen. Er wurde vor einiger Zeit nur laienhaft zugemauert. Der Durchbruch sei deshalb kein Problem. Das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung IBS aus Hoppegarten begleitet das Vorhaben. "Auch sie meinten, alles andere als diese Variante würde nicht funktionieren", so Günther. Rasenkanten- und L-Betonsteine liegen schon vor der Mauer. "Montag kommt der erste Mini-Bagger, die Arbeiten beginnen", so Winfred Günther. Das Gelände der Kirche, auf dem der Weg entlang führt, wird zudem ausgebessert, um kleine Höhenunterschiede auszugleichen.

"Die Steigung des Weges wird sechs Prozent betragen." Das sei ein optimaler Höhenausgleich. Nicht nur für ältere Menschen. Auch für Patienten der Sana Klinken, die die Kirche regelmäßig besuchen, sei das ein Vorteil. Es gibt einen Hol- und Bringdienst für Menschen, die eine Knie- oder Hüftoperation hinter sich haben, der von der Kirche organisiert wird. "Viele Patienten müssen wir fast in die Kirche tragen, weil sie die Stufen nicht mehr schaffen." Das hat bald ein Ende.

Laut einer Kostenkalkulation nach Bau-DIN-Norm würde der neue Weg rund 65 000 Euro kosten. Besonders die Frauenhilfe sammelt seit Jahren auf Weihnachtsmärkten und zu anderen Gelegenheiten Geld für die Arbeiten. 15 000 Euro kamen bisher zusammen.

Winfred Günther hatte damals, wie er selbst sagt, eine große Fresse. "Ich meinte, dass ich die Differenz bezahlen werde." Das macht er auch. Der Bauingenieur baut selbst, was die Kosten erheblich senkt. Er wird deshalb um die 15 000 Euro drauflegen. "Wir kommen am Ende bei Gesamtkosten von rund 30 000 Euro an." Er stehe zu seinem Wort. Aber nicht aus Eigennutz, oder um sich zu profilieren. "Ich mache es einfach", sagt er. In drei bis vier Wochen will er mit dem barrierefreien Weg fertig sein. Danach wird ein Schlosser das Geländer anfertigen. "Mein Ziel ist, bis zum Erntedankfest mit allem fertig zu sein."

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