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Messer-Anschlag in Finnland: Ermittler prüfen IS-Verbindungen

dpa / 19.08.2017, 20:23 Uhr
Helsinki (dpa) Die Messerattacke in der finnischen Stadt Turku war Terror - die Behörden ermitteln, ob der Täter Verbindungen zum IS hatte. Seine Opfer hat der Täter wohl zufällig ausgewählt. Zwei Frauen sterben, acht weitere Menschen werden verletzt.

Mit einem Messer läuft ein Mann durch die Innenstadt der finnischen Stadt Turku und sticht auf Passanten ein: Die Polizei geht bei der Messerattacke von einem terroristischen Hintergrund aus, wie die Ermittler am Samstag bekanntgaben. Bei dem Angriff in der Stadt im Südwesten des Landes starben am Freitag zwei Finninnen, acht weitere Frauen und zwei Männer wurden verletzt. Der Täter wurde von der Polizei angeschossen und liegt im Krankenhaus.

Nach Polizeiangaben ist der Verdächtige ein 18 Jahre alter Asylbewerber aus Marokko. Sein Motiv war zunächst unklar. Der Täter habe die Opfer "per Zufall" ausgesucht, teilte die Polizei am Samstag mit. Die Polizei ermittelt wegen zweifachen Mordes und achtfachen Mordversuchs mit "terroristischem Vorsatz". Der Verdächtige, der die Aussage bislang verweigere, war 2016 nach Finnland gekommen. Einen Medienbericht, dass das Asylgesuch des Verdächtigen abgelehnt worden sei, bestätigten die Behörden nicht.

Die beiden Getöteten seien Finninnen, so die Polizei. Unter den acht Verletzten im Alter von 15 bis 67 Jahre seien ein Opfer aus Schweden, eines aus Großbritannien und eines aus Italien, sagte die Polizei am Samstag. Zunächst war von zwei verletzten Schweden die Rede gewesen. Es wurden sechs Frauen und zwei Männer verletzt. Die Männer seien verletzt worden, als sie den Frauen zu Hilfe eilten.

Die Polizei nahm auch vier weitere Marokkaner fest. Diese hätten "eine Verbindung" zum Tatverdächtigen, hieß es. Gegen einen fünften Verdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Es müsse nun geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter Verbindungen zur Terrormiliz IS hatte, sagte der Chef des finnischen Geheimdienstes Supo, Antti Pelttari. "Das Profil des Verdächtigen ähnelt anderen radikalen Islamistischen Terrorangriffen in Europa in jüngerer Vergangenheit", sagte er.

Ein Augenzeuge sagte dem schwedischen Rundfunksender SVT, er habe am Freitag gerade sein Büro verlassen, als er plötzlich Schreie hörte und Menschen auf sich zulaufen sah. "Ich sah einen Typen mit einem riesigen Messer auf eine Frau und einen Mann einstechen."

Ministerpräsident Juha Sipilä verurteilte die Attacke am Samstag als "feige und verabscheuungswürdige Tat." Der Terror habe Finnland erreicht: "Wir sind keine Insel mehr." Das nordeuropäische Land mit seinen 5,4 Millionen Einwohnern sei bleibe aber eines der sichersten weltweit. Er und sein Kabinett wurden am Samstag über den Fortgang der Ermittlungen informiert.

Innenministerin Paula Risikko versprach, bei den Ermittlungen keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Nach ihren Worten wurde die Polizei im Land angewiesen, erhöhte Präsenz auf öffentlichen Plätzen zu zeigen. Sichtbar wurde dies etwa an Bahnhöfen und am Flughafen der Hauptstadt Helsinki. Züge und Busse wurden nach Medienberichten auf dem Weg aus Turku heraus kontrolliert. Zudem wurden auch die Sicherheitskontrollen an den Grenzen verstärkt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Finnland die volle Unterstützung Deutschlands zu. In einem Telefonat sprach Merkel Sipilä am Samstag ihr Beileid aus. Ihre Gedanken seien in diesen schweren Stunden bei den Opfern und ihren Angehörigen, erklärte die Kanzlerin. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einem "hinterhältigen Angriff mit terroristischem Hintergrund." Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Austausch mit den finnischen Behörden.

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