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Volkmar Billeb hält mit seinen Fotos Schlösser und Herrenhäuser für die Ewigkeit fest

Bewahrer und Zeitzeuge

Margrit Meier / 20.08.2017, 07:30 Uhr
Hoppegarten Waldesruh (MOZ) Er ist ein Bewahrer. Ein Zeitzeuge. Ein Fotograf von alter Schule. Ein Freund märkischer Schlösser und Herrenhäuser: Volkmar Billeb, Jahrgang 1939. Auf Anregung der Gruppe machart und im Auftrag der Gemeinde hat er den Kaiserbahnhof Hoppegarten vor der Sanierung dokumentiert.

Eigentlich sollte Volkmar Billeb freier Fotokünstler werden. Das zumindest war das Ziel des damals relativ neuen Studienganges Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, an der der Dessauer mit drei Kommilitonen bis 1962 studierte. "Ich war zu jung und unerfahren nach dem Studium, um als freier Künstler zu arbeiten, deshalb bin ich nach Dresden zur Illustrierten Zeit im Bild", spricht er über eine Zeit, als Fotografen und Redakteure Themen gemeinsam planten und umsetzten. Eine weitere Station war die FF dabei, die DDR-Fernsehzeitung mit einer Auflage von traumhaften 1,4 Millionen Exemplaren. Ein opulentes Stück DDR-Zeitung. 48 Seiten in Farbe.

Doch das war für Volkmar Billeb nichts. Schwarz-Weiß-Fotografie, das lag und liegt ihm. Sobald es ging, war er da weg, arbeitete freiberuflich. Fuhr mit dem Trabi von Dresden los zu Terminen und entwickelte in der Dunkelkammer seine Fotos. Für die Zeitung Freie Welt ging er mit seiner Familie von 1982 bis zur Wende in die Sowjetunion (SU). "Meine Aufgabe da war es, die SU und das Verhältnis SU und DDR darzustellen", erinnert er sich. Entstanden sind beeindruckende Porträts - u. a. durfte Billeb nach Afghanistan reisen -, Landschafts- und Alltagsaufnahmen. Zwei Bilder sucht er raus, die er besonders mag. Es sind Frauen, die den Hangar in Baikonur wischen. Und es ist Michail Gorbatschow, der am 4. November 1989 nachdenklich auf Egon Krenz wartet. Diese und viele andere Aufnahmen aus einer untergegangenen Republik zeigt Billeb ab 8. Oktober in der Pyramide in Hellersdorf.

Untergegangen war auch die Republik, in die Billeb nach der Wende zurückkehrte. Der Berliner Verlag wurde 1991 aufgelöst. Wie viele seiner Kollegen stand er auf der Straße. Doch er hatte Glück. Die Deutsche Gesellschaft, ein Verein für politische Bildung, suchte Fotografen, die den Zustand von Industrieanlagen, Wohnungsbauten, Landschaften dokumentierten. Es folgte eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kunstverlag in München, der kleine, 30-seitige Kunstführer herausgibt. "Über Kirchen, Schlösser und Gutshäuser. Dinge, die Touristen interessieren könnten", erzählt Volkmar Billeb. 70 solcher Hefte - u. a. wunderschön eine Ausgabe über den Wörlitzer Park - sind da entstanden. Und Billeb konnte tun, was er schon immer liebt: Motive suchen und entdecken, mit dem Licht zu verschiedenen Zeiten spielen, gestalten und komponieren. Ein Handwerk, so bedauert er, das in Zeiten der digitalen Fotografie, wo jeder draufhält, losknipst und am Computer nacharbeitet, komplett verflacht.

Doch der Fotograf, der sein Handwerk gelernt und studiert hat, ist sich treu geblieben. Zwar musste er aus Kostengründen - "analog zu fotografieren kann keiner mehr bezahlen" - auch auf digital umsteigen, doch er ist weiter schwarz-weiß unterwegs. Seit Anfang der 1990er-Jahre gehört er zum Freundeskreis der Schlösser und Herrenhäuser der Mark. Dieser Verein gibt Monografien heraus. Porträts in Heftform, die sich pro Ausgabe einem Schloss oder Herrenhaus in Texten und Schwarz-Weiß-Bildern widmen. Für rund 200 hat Billeb dies- und jenseits der Oder die Aufnahmen beigesteuert. Das Renaissanceschloss Boitzenburg hat er dokumentiert, als es noch den Charme des NVA-Lazaretts hatte. "Heute ist es ein rekonstruiertes Jugendhotel. Wunderbares wurde da erhalten und ist zugänglich geblieben", freut sich der Zeitzeuge. Die Ruine vom Schloss Hohenlandin in der Uckermark aber ist so ein Beispiel, wo er fast das Weinen bekommt. Billeb hat an zig Büchern mitgearbeitet und ist immer unterwegs. Vor Kurzem war er im Kaiserbahnhof Hoppegarten. Den hat er im Zustand vor der Rekonstruktion aufwendig und liebevoll dokumentiert. Ausnahmsweise in Farbe.

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