Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stift erwartet 200 Jahre nach der Klosterauflösung die ersten Zisterziensermönche

Von Österreich nach Neuzelle

© Foto: Markus Kremser
Ulrich Thiessen / 21.08.2017, 20:15 Uhr - Aktualisiert 21.08.2017, 22:55
Neuzelle (MOZ) Am Sonntag werden sie erwartet, die ersten vier Mönche, die vom österreichischen Stift Heiligenkreuz nach Neuzelle (Oder-Spree) umziehen. Das große Ziel: im kommenden Jahr, 750 Jahre nach der Klostergründung an diesem Ort, ein neues Kloster ins Leben zu rufen.

Das Telefonat klappt nicht auf Anhieb. Über die Mittagszeit wird gebetet, Handy hin oder her. Dreieinhalb Stunden am Tag verbringen die Zisterzienser im Gebet. Das wird ab kommender Woche auch in Neuzelle so gehalten.

Am Sonntag aber wird erst einmal gereist. Ein Auto und ein kleiner Transporter werden die rund 700 Kilometer zwischen dem Klosterkomplex südlich von Wien und der Niederlausitz zurücklegen, berichtet Pater Kilian. Eine förmliche Verabschiedung ist nicht vorgesehen. Erst wenn das neue Kloster gegründet wird, werden die Mönche in der Mutterabtei noch einmal in einer Aussendungsfeier auf den Weg geschickt.

"Wir sind die Vorhut", betont Pater Kilian. Im Herbst soll ein fünfter Mönch nachkommen. Acht müssen es sein, um ein neues Kloster gründen zu können. Der 40-Jährige ist guter Dinge. Es gab schon Gespräche mit weiteren Brüdern. Aber trotz Gehorsamsgelübde werde niemand gegen seinen Willen nach Neuzelle geschickt. Wichtig sei vor allem die Einheit, dass man sich untereinander gut versteht.

Für Pater Kilian und seine Brüder ist es keine Reise ins Unbekannte. Im vergangenen Jahr hatten sie sich schon einmal zwei Wochen in der Region aufgehalten, Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder) und Berlin besucht. Die Mönche fanden, dass die Menschen sehr aufgeschlossen waren, man schnell ins Gespräch kam, schon allein weil das schwarz-weiße Habit der Zisterzienser für Neugierde sorgte.

Vor zwei Monaten fand zusammen mit Pater Simeon, Prior und Novizenmeister von Stift Heiligenkreuz, eine Einwohnerversammlung in Neuzelle statt, auf der alle Fragen des Mönchslebens und der geplanten Klosterneugründung diskutiert wurden. Der Tenor damals: Eine Klostergründung ist ein langwieriger Prozess, über fünf, zehn bis zu 150 Jahre. "Wir denken in Kategorien, die schwer verständlich sind für die Politik", sagte Prior Simeon damals. Wenige Tage später wurde er als Prior abberufen weil er der Gründungsprior in Neuzelle werden soll.

Einzug halten die vier Mönche zunächst im katholischen Pfarrhaus in Neuzelle. Da sie die Gottesdienste in der barocken Klosterkirche übernehmen, wird das Dienstgebäude des bisherigen katholischen Pfarrers frei. Für eine spätere Ausweitung der Gemeinschaft und beispielsweise für die Betreuung von Pilgern und Gästen scheint das Gebäude zu klein zu sein. "Wir brauchen Perspektiven", sagt Pater Kilian.

Verhandelt wird darüber auf höchster Ebene: Der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, der das Projekt schon 2013 angestoßen hatte, und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) werden Lösungen suchen müssen. Münch, da sie qua Amt in der Landesregierung für Kirchenfragen zuständig ist und weil sie gleichzeitig Vorsitzende des Stiftungsrates für das Stift Neuzelle ist. Als solche muss sie gewährleisten, dass die jetzigen Nutzer der historischen Gebäude, vor allem die Freie Schule und die Museen, nicht in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden.

Das Thema hatte auch bei der Einwohnerversammlung eine Rolle gespielt. Die Mönche aus Heiligenkreuz betonten, dass sie niemanden und nichts verdrängen wollen. Sie sehen sich als Bereicherung und verwiesen darauf, dass so ein Kloster auch Arbeitsplätze schaffen kann und sich positiv auf den Tourismus auswirkt. Das sind die Punkte, die auch Münch immer wieder hervorhebt. Neuzelle könne zu einem spirituellen Ort werden, der weit über die Region ausstrahlt, betonte sie am Montag gegenüber dieser Zeitung.

Im September wirft die Klostergründung schon Schatten voraus. Eine Woche nach der Ankunft der ersten Mönche findet eine Wallfahrt zur Muttergottes von Neuzelle statt - prominent besetzt mit dem Görlitzer Bischof, seinem Amtskollegen aus Eichstätt, Gregor Maria Hanke, und dem Abt von Heiligenkreuz, Maximilian Heim. Bis dahin wollen Pater Kilian und seine Mitbrüder sich im neuen Zuhause einrichten, die Zimmer verteilen und die formale Anmeldung in Angriff nehmen.

www.zisterzienserkloster-neuzelle.de

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG