Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

17 Aktive des JC 90 weilten während eines Simultan-Austausches in Japan / Denkwürdige Erlebnisse im Kodokan in Tokio

Training im Mekka des Judo-Sports

Nachhaltiger Aufenthalt: Beide Frankfurter Gruppen trainierten ein- bzw. zweimal im Kodokan, der bedeutendsten Judo-Schule der Welt, in Tokio. Fotos des Begründers des Judo, Kano Jigoro, sind im Hintergrund zu sehen.
Nachhaltiger Aufenthalt: Beide Frankfurter Gruppen trainierten ein- bzw. zweimal im Kodokan, der bedeutendsten Judo-Schule der Welt, in Tokio. Fotos des Begründers des Judo, Kano Jigoro, sind im Hintergrund zu sehen. © Foto: Gregor Wenzel
Kerstin Bechly / 24.08.2017, 06:08 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Judo in den ehrwürdigen Hallen des Kodokan trainieren, die Magnetschwebebahn sehen, japanische Tänze probieren und Reis zum Frühstück - für 17 Frankfurter Judoka bot der deutsch-japanische Simultanaustausch der deutschen Sportjugend reichlich Erlebnisse.

Nachdem der Frankfurter JC 90 vor einem Jahr im Rahmen des deutsch-japanischen Simultanaustausches der deutschen Sportjugend ein Gastgeber für japanische Sportler war, flogen Ende Juli 17 Judoka von der Oder ins Land der Sonne. Nach Veranstaltungen mit der gesamtdeutschen 120-köpfigen Delegation, unter anderem in die Kaiserstadt Kyoto, reisten die Teilnehmer in Kleingruppen in verschiedene Präfekturen. Ganz klar: Auch Judo wurde trainiert - mit vielen Erkenntnisgewinnen.

Katja Stefan, die mit ihrer Gruppe in den Präfekturen Wakayma, Osaka und Nara weilte, beschreibt das Training als ein Highlight. "Bei Japanern ist die Technik sauberer. Da staunt man, wenn dadurch ein kleiner Sportler einen deutlich größeren auf die Matte wirft." Die Gruppe von Gregor Wenzel, die sich in den Präfekturen Tochigi, Yamanashi und im Großraum Tokio aufhielt, trainierte an einer Oberschule, die Judoka ausbildet. "Die 16- bis 18-jährigen Judoka waren alle Schwarzgürtel. Einige bereits Meister aller japanischen Oberschulen", staunten die Frankfurter. Absoluter Höhepunkt war das Training im Mekka des Judo, dem Kodokan in Tokio. Die älteste und bedeutendste Judo-Schule der Welt wurde 1882 von Kano Jigoro gegründet. Gleichgewichtstechniken standen für die Frankfurter im Mittelpunkt und das Vermitteln dessen, was den Sinn einer Technik ausmacht. Versteht man ihn, gelinge diese leichter, so die Erfahrung der Oderstädter.

Der Besuch im Kodokan war zugleich eine Lehrstunde im Zollen von Respekt: "Mit offener Jacke und ohne umgebundenen Gürtel darf man die Trainingshalle nicht betreten. Auch Latschen sind tabu. Und bei der Erwärmung muss man das Gesicht immer dem Bild des Kano zuwenden", erzählt Gregor Wenzel. Was beim Training sofort klappte, war die Verständigung: "Wir kennen die Begriffe der Techniken. Das verstanden wir schneller als unser Dolmetscher", so der 26-Jährige.

Neues erlebte die Gruppe von Katja Stefan, als sie traditionelle Tänze in original Kleidung ausprobierte und sogar aufführte. "Das Ankleiden für uns Mädchen hat eine ganze Stunde gedauert. Wir waren so fest zugeschnürt, dass wir nur flach atmen konnten", erzählt sie. Es sei schön gewesen, Neues auszuprobieren, selbst für die Jungen in der arg ungewohnten Kleidung. Auch eine Tee-Zeremonie in Kimonos und Oktopus-Fangen nahe einer unbewohnten Insel beeindruckten.

Sportliche Aktivitäten, darunter das Schießen mit den traditionellen Langbögen und eine Wanderung auf dem Fuji gehörten ebenfalls zum Programm. Genau wie Kendo, eine Kampfsportart, die mit einem Stock ausgeführt wird. "Zuerst haben wir uns nicht getraut, voll auf die Sportler zuzuschlagen, die alle eine Maske trugen. Auch den Kampfschrei auszuführen, war ungewohnt", berichtet Gregor Wenzel. Ausflüge führten seine Gruppe nach Nikkõ, deren Schreine zum Weltkulturerbe zählen. In der Präfektur Yamanashi erlebten sie die Magnetschwebebahn, die 600 km/h erreicht. "Erst bei der dritten Bahn, die vorbeiraste, konnte ich ein Video aufnehmen", lacht er.

Der Übungsleiter beim JC hielt das ungewohnte Frühstück durch. "Reis, Fisch, Suppe, Salat und Tofu. Ich wollte traditionell essen und habe das drei Wochen durchgezogen", staunt er ein wenig. Ihm, aber auch den anderen Gästen wurde alternativ Toast angeboten, viele griffen darauf zurück.

Eingebettet in den Aufenthalt waren Gesprächsrunden zum Jahresthema des Simultan-Austausches "Fairplay, Respekt und Sport im persönlichen Umfeld". Die Gruppe von Katja Stefan diskutierte dazu mit japanischen Fußballern. "Wir hätten nicht gedacht, dass eine gute Stunde so schnell vergehen kann, weil man sich auch über andere Dinge ausgetauscht hat", erinnert sie sich.

Bewegend für die Frankfurter war, dass sie vier der Japaner, die vor einem Jahr an der Oder weilten, wiedergetroffen haben. Wenzel ist begeistert: "So entstehen Freundschaften, das ist der Sinn des Austausches".

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG