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In Kürze eröffnet in Eberswalde eine Schule zur Ausbildung von Geburtshelfern / Mehr Kreißsaalführungen

Nachwuchs für die Hebammen

Gehört zum Hebammen-Team: Krista Krzanovica. 2017 registrierte die Eberswalder Klinik schon mehr als 460 Geburten.
Gehört zum Hebammen-Team: Krista Krzanovica. 2017 registrierte die Eberswalder Klinik schon mehr als 460 Geburten. © Foto: GLG
Viola Petersson / 24.08.2017, 06:36 Uhr
Eberswalde (MOZ) Andrang im Kreißsaal - bei einigen Frauen steht der Geburtstermin offensichtlich kurz bevor, andere haben noch Zeit. Entspannt schauen sich die mehr oder weniger runden Schwangeren und deren Partner in der Frauenklinik um. Aufgrund des Babybooms bietet das "Forßmann" jetzt zweimal monatlich Info-Abende mit Führung an.

"Babyboom überlastet Geburtskliniken", "Krise im Kreißsaal", "Pränatal im Stich gelassen" oder "Abgewiesen in den Wehen" - Dr. Thomas Michel, Chefarzt der Eberswalder Frauenklinik am "Forßmann", kann die Schlagzeilen über den viel beklagten Hebammen-Mangel nicht mehr hören und lesen. Weshalb er die Elterninformation an diesem Dienstag auch mit einer Klarstellung beginnt: Ja, es gebe - aus den unterschiedlichsten Gründen - Engpässe bei Geburtshelfern im klinischen Bereich. Michel spricht von einem bundesweiten Versorgungsproblem. Gleichwohl werde keine werdende Mutter - schon gar nicht mit Wehen - am Kreißsaal abgewiesen. "Wir sind voll arbeitsfähig", betont er. Das Eberswalder Krankenhaus verfüge über ein Team von fest angestellten Hebammen. Die sichern die Dienste rund um die Uhr und an sieben Tage die Woche ab, nimmt der Chefarzt den Paaren etwaige Sorgen.

Um sodann zum eigentlichen Thema, zum freudigen Ereignis, zu kommen. Und auch hier lautet seine Devise: mögliche Ängste abbauen. "Vertrauen Sie sich selbst und Ihrem Körper. Sie werden es intuitiv richtig machen." An die künftigen Väter ergeht der Ratschlag: "Ruhe bewahren." Eine Geburt, die brauche vor allem Zeit und Geduld.

Klar, der Mediziner spricht auch über Schmerzen ("Wehen heißen Wehen, weil sie wehtun."), über PDA zur Schmerzlinderung, über die niedrige Kaiserschnittrate am Haus, über die Möglichkeit der natürlichen Geburt selbst bei Beckenendlage, über die Versorgung von Frühchen. Und vor allem über den glücklichen Moment, da der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt. "Genießen Sie diesen Augenblick", gibt der Chefarzt den künftigen Eltern mit. "Ohne Smartphone, Handy und alle diese Medien. Dieser Augenblick gehört nur Ihnen." Der Kreißsaal, er sei in den ersten zwei Stunden nach der Entbindung "ein Hort der Ruhe, des Glücks".

Worte - mit einer Portion Humor, die ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlen. "Ich bin jetzt schon etwas beruhigter", sagt Marie-Christine Ziethen (28) aus Falkenberg. Sie ist in der 34. Woche, erwartet ihr erstes Kind. Der errechnete Termin sei der 30. November. Bislang sei die Schwangerschaft ganz entspannt verlaufen. Und zuhause sei für die Ankunft des Nachwuchses - es wird ein Mädchen - alles vorbereitet. "Ich bin auch in Eberswalde geboren", verrät die junge Frau. Partner Nico Schwendig will bei der Geburt dabei sein. Kein Problem am "Forßmann". Die Väter können sogar auf der Wochenstation im Zimmer der Frau mit übernachten. "Für 45 Euro - inklusive Frühstück", erklärt Assistenzärztin Jennifer Rieger den Interessierten beim Rundgang.

Für Diana Müller (30) aus Bad Freienwalde ist der Elternabend eine Art "Auffrischung". Denn sie hat bereits ein Kind, einen dreijährigen Sohn, der ebenfalls in Eberswalde zur Welt kam. "Und ich war damals sehr zufrieden." Obwohl es aufgrund einer Beckenendlage eben keine ganz einfache Geburt war. Im November soll das Geschwisterchen kommen. So viel Zeit hat Alexandra Silina (35) nicht mehr. Sie ist schon in der 32. Woche und erst vor wenigen Tagen mit ihrem Partner nach Eberswalde gezogen. Sie brauche eine Gynäkologin, eine Hebamme, einen Termin zur Kreißsaalsprechstunde. Silina erhält eine Liste mit Adressen. "Wegen des Termins rufen Sie einfach an", so Dr. Michel. "Wir nehmen uns in der Sprechstunde sehr viel Zeit, damit Sie ganz entspannt in die Entbindung gehen können", versichert er den Frauen.

Am 1. November eröffnet die Akademie der Gesundheit am Standort Eberswalde eine Hebammen-Schule. Die Einrichtung geht mit einer Klasse an den Start. "Die 15 Plätze sind vergeben, die Klasse ist voll", so Wilma Möhring, Leiterin des Campus Eberswalde. Die Schüler kämen aus ganz Nordostbrandenburg. Das Forßmann-Krankenhaus, einer der Kooperationspartner, ist mit fünf angehenden Hebammen/Entbindungspflegern dabei, so Pflegedirektorin Christiane Reinefeldt. Bislang habe das Barnimer Klinikum in Berlin Geburtshelfer ausbilden lassen. Mit der Schule vor Ort, so hofft Reinefeldt, gelingt es künftig sicher stärker, Berufsnachwuchs für die Region zu gewinnen.

Nächste Termine: 5. und 19. September, jeweils 18.30 Uhr

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