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Zwei Jahrzehnte durchgerockt

Handgemachte Musik im Schlossgewölbe: Mit Mario Reiff (r.) vom Rockmobil Barnim haben 15 Kinder von der Lichterfelder Grundschule am Donnerstag ein neues Musikprojekt angefangen. Im Schloss Lichterfelde hat das Mobil seine Basisstation.
Handgemachte Musik im Schlossgewölbe: Mit Mario Reiff (r.) vom Rockmobil Barnim haben 15 Kinder von der Lichterfelder Grundschule am Donnerstag ein neues Musikprojekt angefangen. Im Schloss Lichterfelde hat das Mobil seine Basisstation. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 07.09.2017, 19:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Mit minimaler Technik fing es 1997 an. Heute kommt das Rockmobil Barnim mit 20 Instrumenten und einem Studio aus dem Laptop angerollt, hat Hunderttausende Kilometer geschrubbt und Tausende Jugendliche für Musik begeistert. Heute feiert der Verein sein Jubiläum.

Ob er sich noch an die ersten Konzerte erinnert? "Ja, klar", sagt Mario Reiff. "Einen der ersten Workshops hatten wir im Bahnhof Finow - mit tierisch vielen Teilnehmern. Zu der Zeit haben wir wirklich ins Schwarze getroffen."

Das ist mittlerweile 20 Jahre her. Reiff hatte gerade mit einigen Leuten den Verein Mobile Jugendförderung Brandenburg gegründet, der Jugendarbeit mit Musik verbinden sollte. Die Ausstattung war minimalistisch. Die Musiker brachten ihr Equipment selbst mit. "Und bei der ersten Sitzung haben wir alle noch einen Fünfer in die Kasse geworfen, um Briefmarken kaufen zu können", erzählt der heute 47-Jährige. Verwendet wurden sie für Projektanträge.

Der riesige Zuspruch zu den Veranstaltungen, bei denen Teenager, die großteils noch nie vorher ein Instrument in der Hand hatten, zu Nachwuchsmusikern wurden, gab den jungen Vereinsgründern recht. Sie bekamen Geld für ein Modellprojekt. Ein Jahr später rollte das Rockmobil durch den Barnim.

Vorbild war das Berliner Rockmobil. Dort war der Marienwerderaner Reiff, der als Achtjähriger angefangen hatte Schlagzeug zu spielen und diversen Bands angehörte, selbst Musikdozent. "Ich wollte den Job gern machen." Nicht in Berlin allerdings, "und hier war ja alles noch weiße Fläche", sagt er. "Ich habe mir vorgestellt, dass das auch auf dem Land funktionieren könnte." Der gelernte Schlosser ließ sich noch zum Sozialpädagogen ausbilden und war fortan als Einziger mit einer festen Stelle das Gesicht des Vereins und des Rockmobils.

Wie viele Kilometer der Kleinbus auf dem Tacho hat, lässt sich schwer sagen. "Eigentlich ist es schon der dritte", so Reiff. Mit dem ersten hatte es das Rockmobil nach zehn Jahren auf 170 000 Kilometer gebracht. In manchen Jahren fuhr das Team von Honorar-Musikdozenten und Ehrenamtlichen mit der Basis im Schloss Lichterfelde um die 40 Orte im Barnim an, um Kinder und Jugendliche an die Instrumente und in Bands zusammenzubringen. "Zu unseren Hochzeiten so vor fünf Jahren hatten wir ja vier Projekte, begleitet und organisiert von jungen Musikern: Rockmobil und Kidsrock, das Hiphop-Mobil und das Castlestudio", sagt Mario Reiff. "Da sind 1200 Kids im Jahr bei uns durchgelaufen."

Noch viele mehr nahmen an den großen Veranstaltungen der frühen Jahre teil. Unter anderem das Nachwuchsmusikfestival Summer Breeze, die Reihe RockWorks, bei der einmal im Jahr in allen Schlossräumen Musik gemacht wurde, und die Nachwuchswettbewerbe Wanted4Music zogen Hunderte Teilnehmer und Besucher an.

Die Formate haben sich verändert. Vor allem das Rockmobil für die bis 22-Jährigen und Kidsrock für Sechs- bis Zwölfjährige sind noch unterwegs. "Zur Zeit sind wir meist an Schulen, eher längerfristig, oft ein halbes Jahr", sagt Reiff. "In dieser Zeit arbeiten wir zwei, drei Songs aus und nutzen Festlichkeiten, wo sich die Kids präsentieren können."

Im klassischen Rockband-Workshop muss keiner ein Instrument beherrschen. "Unsere Aufgabe ist es, die Kids heranzuführen, zu sagen: probier mal." Gitarren, Bässe, ein Schlagzeug, Mikrofone bringt Reiffs Team mit. Am Ende steht immer eine Band auf der Bühne. "Wir bringen ihnen in ein paar Stunden einen Song bei, der gerade im Radio läuft." In anderen Workshops begleitet das Rockmobil auch die Teilnehmer dabei, eigene Songs zu entwickeln. "In manchen Fällen gehen wir damit sogar ins Studio."

Er habe immer versucht, sich an dem zu orientieren, was die Kinder und Jugendlichen mitbringen und brauchen, sagt Mario Reiff. Nach Abschluss klingt das wohl deshalb, weil der Rockmobil-Frontmann demnächst aussteigt. "20 Jahre sind einfach eine lange Zeit", sagt er. Ein Nachfolger werde noch gesucht. "Es wäre klasse, wenn das Ganze weiter Früchte trägt." Musik machen, Akustikpoprock, wird der Marienwerderaner künftig hauptsächlich in seinem eigenen Bandprojekt, dem Duo Mado.

Im Schloss Lichterfelde gibt es heute zum Jubiläum aber erst einmal ein Wiedersehen mit Partnern der vergangenen Jahre. Und das sind viele, neben den Finanziers auch zahlreiche junge Leute, die der Verein Multiplikatoren nennt. "Der größte Erfolg ist für mich, dass Leute, die mal bei uns teilgenommen haben, später selbst Dozenten bei uns wurden", sagt Mario Reiff. Dazu kommen die Helfer. "Wir hatten ja zu vielen Events eine fette Crew an Ehrenamtlichen. Die sind natürlich auch alle eingeladen." Was es gibt? "Musikalische Beiträge", sagt Reiff. Nach dem offiziellen Teil ist "eine richtige Sause" versprochen.

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