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Agrogenossenschaft Schiffmühle baut Direktvermarktung aus / Kundschaft bedient sich bald am Regiomat

Landwirt wirbt mit Regionalität

Steffen Göttmann / 13.09.2017, 07:00 Uhr
Schiffmühle (MOZ) Die Agrogenossenschaft Schiffmühle stellt sich breiter auf und will den Anteil der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte erhöhen. Jetzt hat sie einen alten Schweine- in einen Hühnerstall verwandelt.

"Wir haben 800 Tüten Kartoffeln zu je 2,5 Kilogramm verkauft", zieht Olaf Stöhr, Geschäftsführer der Agrogenossenschaft Schiffmühle, eine erste Bilanz der Direktvermarktung. Der landwirtschaftliche Betrieb beliefert ein Geschäft in Hohenwutzen, eine Fleischerei in Bralitz, einen Hofladen in Neuenhagen und Gaststätten der Region. Ferner werden die Kartoffeln an einem Verkaufsstand direkt am Hauptsitz des Betriebs in Gabow feilgeboten. Das "Kartoffelhaus" ist ein aus Euro-Paletten gebauter und überdachter Stand ohne Verkäufer und mit einer "Kasse des Vertrauens".

"Trotz aller Unkenrufe haben wir bisher gute Erfahrungen damit gemacht, es funktioniert", sagt Olaf Stöhr. Unterstützt werde der Betrieb von Leuten aus dem Dorf, die ihre Tomaten, Kürbisse und Zucchini hinlegen. "Wir haben noch zwei bis drei Produkte hinzu genommen wie Marmelade aus Wustrow", so der Geschäftführer. Und jetzt auch noch Eier aus eigener Produktion.

Seit einer Woche hält der Betrieb zusätzlich 180 Hühner. Für sie wurde ein ehemaliger Schweinestall in Herrenwiese, der seit der Wende leersteht, hergerichtet. Der Betrieb hat eine bunte Mischung an unterschiedlichen Rassen eingekauft, die viel Platz haben und bald auch nach draußen dürfen. "Wir haben vier Hühner pro Quadratmeter", sagt Stöhr und zeigt, wie viel Platz die Tiere haben, herumzulaufen. Bio-Betriebe dürften bis sechs Tiere pro Quadratmeter halten, konventionelle acht pro Quadratmeter

"Unsere Kundschaft kommt aus der Region bis Bad Freienwalde und Oderberg", sagt Olaf Stöhr. Es seien sonntags ein paar Durchreisende dabei, aber von ihnen allein kann der Betrieb nicht leben. "Wir haben offensichtlich den richtigen Zeitpunkt gefunden, an dem die Menschen regional kaufen wollen", betont Stöhr. "Wir sind kein Bio-Betrieb, werben aber mit Regionalität." Verkauft werden ausschließlich Produkte, die hier wachsen.

Mit 650 Hektar Anbaufläche zählt die Agrogenossenschaft Schiffmühle zu den kleineren Betrieben. Neuen Mitarbeitern gibt er Lohn und Brot. Um nicht abhängig vom Milchpreis zu sein, hat er von Milchwirtschaft auf Rindermast umgestellt. Der Bestand zählt 450 Rinder. Sie werden als Kälber im Oderbruch gekauft und etwa nach einem Jahr gemästet. Geschlachtet werden sie in Teterow. "Wir könnten in Süddeutschland bessere Erlöse erzielen, aber für unsere Tiere wäre das mehr Stress", erklärt Stöhr.

Demnächst wird er nach dem Vorbild der Steinbecker Agrargenossenschaft einen Regiomat aufstellen und mit regionalen Produkten füllen. Er habe sich von Kollegen inspirieren lassen, so der Geschäftsführer. "Im Unterschied zu ihnen haben wir keine Milch", fügt er hinzu. "Jeder muss sein Konzept finden, man kann es nicht eins zu eins übernehmen." Um auch Fleisch zu vermarkten, lässt er monatlich ein Rind im Bad Freienwalder Schlachthof schlachten.

Die 650 Hektar Land der Genossenschaft teilen sich in Grasflächen für GrasSilage und 300 Hektar Getreideanbauflächen auf. Dort werden Winterweizen, Gerste, Raps, Futtererbsen und Sonnenblumen angebaut. Letztere gehen in Ölmühlen, werden aber auch als Vogelfutter verkauft.

Kommentar

Dass sich ein landwirtschaftlicher Betrieb gegen den Preisverfall wehrt und sein Geschäftsmodell ändert, ist zu begrüßen. So sichert er seine Existenz und die seiner Mitarbeiter.Gerade in einer Zeit, in der immer wieder Lebensmittelskandale bekannt werden, vertrauen die Menschen auf regionale Produktkreisläufe. Direktvermarktung hat daher gute Chancen. Bleibt zu hoffen, dass die Kundschaft dies zu schätzen weiß und bereit ist, für Regionalität mehr zu zahlen. Steffen Göttmann

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