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Die Kleinen lieben ihren Trainer

Hören gespannt zu: Jeden Mittwoch-Nachmittag kommen Erst- und Zweitklässler aus Nord zum Handball-Training in die Sporthalle der der Grundschule am Botanischen Garten. Dem einstigen Handball-As und dreifachen Opa Josef Rose macht es Spaß.
Hören gespannt zu: Jeden Mittwoch-Nachmittag kommen Erst- und Zweitklässler aus Nord zum Handball-Training in die Sporthalle der der Grundschule am Botanischen Garten. Dem einstigen Handball-As und dreifachen Opa Josef Rose macht es Spaß. © Foto: FOTO Michael Benk
Jörg Kotterba / 16.03.2013, 07:45 Uhr - Aktualisiert 16.03.2013, 14:07
Frankfurt (MOZ) Jubiläum wird an diesem Sonnabend gefeiert: Josef Rose, einer der Handball-Asse aus fernen ASK-Zeiten, wird 70 Jahre alt. Ein paar Meter außerhalb der Stadtgrenze hat er zur Feier eingeladen. Auch sein Stammtisch von Engel bis Pietzsch ist dabei.

Eigentlich muss er sich das nicht antun. Eigentlich könnte er jetzt mit seiner Liebsten, mit Doris, Ehefrau seit 36 Jahren, über den Ziegenwerder bummeln. Oder seine Seele baumeln lassen. Eigentlich...

Es ist Mittwochnachmittag. Beste Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Josef Rose läuft locker und leicht über das Hallenparkett. Natürlich mit einen Ball in der Hand. Der tiefblaue Trainingsanzug mit den modischen Streifen steht ihm gut. Man könnte meinen, der 96-fache Handball-Nationalspieler in den Farben der DDR besitzt noch sein Wettkampfgewicht aus einstigen Glanztagen.

Was nur macht Rose, längst dreifacher Opa, in der Turnhalle der Grundschule am Botanischen Garten? Der 1,76-m-Mann lacht. Und Sportlehrer Bernd Renz, ein ehemaliges Ringer-Fliegengewicht, ebenso. Beide haben einmal wöchentlich nach dem Unterricht 20 Erst- und Zweitklässler aus Nord um sich geschart. "Wir wollen in ihnen die Lust auf den Handballsport wecken. Spielerisch", gesteht der Olympiateilnehmer von 1972 und zweifacher Vize-Weltmeister von 1970 und '74. Er freut sich, dass oft auch Friederike Gubernatis mitmacht, die Rückraumspielerin unseres Bundesligisten Frankfurter HC.

Auch Josef Rose ist über den Schulsport zum Handball gekommen. Auf der Sonnen-Insel Usedom. "Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland zog Josef Rose 1946 mit seiner Familie auf die Insel Usedom. Hier begann er mit dem Handballsport, zunächst in der Schule, dann bei Einheit Ahlbeck/Heringsdorf. 1953 wurde er mit dieser Schülermannschaft bei der Pionierspartakiade in Berlin Zweiter", heißt es auf der Internet-Plattform Wikipedia. Dort werden wir auch daran erinnert, dass Kurt Aßmann dem Talent ein Probetraining beim ASK Vorwärts Berlin ermöglichte, "dem die Einberufung zur Nationalen Volksarmee als Sportler folgte."

Als erste Sportler des 1969 in ASK Vorwärts Frankfurt unbenannten ASK Vorwärts Berlin - der mit den Boxern, Handballern und Judoka in der NVA-Hochburg Strausberg angesiedelt war - zogen im Juli die Handballer nach Frankfurt. In die Ernst-Kamieth-Halle. Dort gab's am 8. Oktober gegen den SC Dynamo Berlin die Punktspiel-Heimpremiere. Eine Feier wurde das nicht. Die ASK-Männer unterlagen dem amtierenden DDR-Meister mit 13:21.

Doch der Umzug an die Oder wurde für Josef Rose ein Glücksfall. Nicht nur der sportlichen Erfolge wegen. Auch privat. Beim Tanz im Café Nord lernte der Rechtsaußen und Publikumsliebling vieler Frankfurter Handball-Fans seine Doris kennen. Es hat sofort zwischen den beiden gefunkt.

"Frankfurt ist mein Lebensmittelpunkt geworden. Hier ist mein Zuhause", meint Josef Rose fast schwärmerisch. Schon jetzt blinzelt er hoffnungsvoll in die wärmer werdende Frühlingssonne. Bald ist Gartenwetter. Seine "Scholle", sie steht in Güldendorf. Dort, am See, wurde er auch schon mit der Angel gesehen. "Doch meinen großen Traum erfülle ich mir in ein paar Monaten: Dorsch-Angeln in Skandinavien." In den Fjorden. Mitglieder des Anglervereins "Güldendorf" wie Lutz Affeldt und Diether Jäger hätten ihm das "Maul" wässrig gemacht.

Doch bis dahin schwimmen noch viele Hechte, Barsche und Schleie die Oder hinunter bis zum Stettiner Haff bei Ahlbeck, wo Roses Schwester zu Hause ist. Bis dahin wird er noch oft mit seinen Schützlingen in der Schul-Turnhalle von Nord trainieren. Die Kleinen lieben ihren Trainer. Auch wenn das bei manchen Faxen manchmal untergeht.

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