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im Eiltempo - Bundespräsident Wulff nach Mexiko und Costa Rica zum

Die Wulffs unterwegs in Südamerika.
Die Wulffs unterwegs in Südamerika. © Foto: AFP
05.05.2011, 11:20 Uhr
Brasilia (AP) Es ist eine Charmeoffensive im Eiltempo. Mit einem Staatsbesuch in Brasilien steuerte die straffe Lateinamerikareise des Bundespräsidenten am Donnerstag auf ihren Höhepunkt zu. Das größte Land des Kontinents gilt als Deutschlands wichtigster Partner in Lateinamerika.

Stille Ankunft an Brasilia: Als der Bundespräsident und seine Gattin Bettina Wulff am Mittwochabend um 21.40 Uhr auf dem Flughafen von Brasiliens Hauptstadt ankamen, fehlte das übliche Begrüßungszeremoniell. Der offizielle Teil seines Staatsbesuchs begann erst einen Tag später. Wulff sollte seine neue Amtskollegin Dilma Rousseff treffen, um die „strategische Partnerschaft“ beider Länder zu stärken.

Sein Vorgänger Horst Köhler hatte einst Afrika zu seinem Lieblingskontinent erkoren. Ähnliches hat Wulff mit Südamerika zwar nicht vor. Er will mit seinem Staatsbesuchen aber deutlich machen, dass Deutschland nach zwei Jahrzehnten, in denen es vorrangig mit der eigenen und der Einheit Europas befasst war, künftig mehr Präsenz auf dem „wichtigen Kontinent“ zeigen wird. Dafür nutzt der Bundespräsident seine Gespräche mit den politischen Spitzen ebenso wie seine Begegnungen mit den Menschen.

„Überall zufriedene Gesichter“

Brasilien ist für Wulff nach Mexiko und Costa Rica bereits der dritte Staat binnen zwei Tagen. Der Bundespräsident reist im Eiltempo durch Lateinamerika.

Am Dienstagmorgen standen der Bundespräsident und seine Gattin Bettina Wulff noch vor einem mexikanischen Werk des Schaeffler-Konzerns. Chefin Maria-Elisabeth Schaeffler, die in Wulffs Tross mit angereist war, begrüßte den Bundespräsidenten und ihre Belegschaft mit einer viertelstündigen Rede.

Dann bedankte sich Wulff bei „allen, die uns hier so herzlich willkommen heißen“. Darunter waren auch Kinder in mexikanischen Trachten. „Wir sehen hier überall zufriedene Gesichter, so soll es sein“, sagte Wulff und lobte den Schaeffler-Konzern für seine Lehrlingsausbildung.

Es folgte ein Rundgang durch die malerische Altstadt der Provinzkapitale Guanajuato. Um zwölf Uhr mittags änderte der Bundespräsident zur Überraschung auch seiner Leibwächter spontan das Besuchsprogramm. „Wir wollen uns das Haus ansehen, wo Humboldt gewohnt hat“, sagte Wulff und machte plötzlich kehrt.

Der preußische Entdeckungsreisende hat es ihm angetan. Universalgelehrte wie Alexander von Humboldt, der Anfang des 19. Jahrhunderts Südamerika erkundete, seien heute wieder gefragt, betonte der Bundespräsident in Mexiko.

Ohne Armee keine militärischen Ehren

Gegen 16.00 Uhr landete die Maschine des Staatsoberhaupts in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas. Mit leichter Verzögerung, da die passende Schleppstange zunächst nicht parat war, um das Flugzeug in seine endgültige Parkposition zu hieven.

Kaum angekommen, stand Wulff vor dem Nationaltheater, um mit Ehren empfangen zu werden. Militärische Ehren waren nicht möglich, weil das kleine Land zwischen Karibik und Pazifik sich gar keine Armee leistet. Am Abend stand eine Feier zur Einweihung der restaurierten Kuppel des ehrwürdigen Theaters an. Das Bauwerk wurde schließlich mit deutscher Hilfe wiederhergestellt.

Costa Rica gilt als Vorzeigeökoland. Daher eilte Wulff am Mittwochmorgen schon um 07.00 Uhr in den Braulio Carrillo Nationalpark und wanderte durch den Regenwald. „Manches kann man sich doch nicht anlesen. Das muss man gesehen haben“, zeigte sich der Bundespräsident fasziniert von der unberührten Natur.

Um 10.50 stand Wulff in der Residenz des deutschen Botschafters bereits wieder am Rednerpult. Es sei für ihn ein „besonderer Moment, so viele Menschen aus ganz Zentralamerika“ um sich zu haben, die eine „herzliche Beziehung zu Deutschland haben“, sagte er vor jungen Wissenschaftlern, die deutsche Stipendien erhalten und gewissermaßen auf den Spuren Humboldts wandeln.

„Das war absolut super“

Um 11.20 Uhr war kurz darauf in der Humboldt-Schule von San Jose die Hölle los. Hunderte Kinder aus Costa Rica, Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreiteten Riesenstimmung. Sie begrüßten den Präsidenten und seine Frau mit Gejohle und Fähnchenschwenken und sangen „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“.

Wulff nahm eine neue Basketballhalle in Betrieb und als sein Ball den Korb schließlich traf, steigerte sich der Jubel der Schüler zum Orkan.

„Das war absolut super“, freute sich Wulff und erzählte, dass das Präsidentenpaar selbst in Berlin zwei kleine Kinder hat. Ein Foto mit den Schülern aus San Jose werde seinen beiden Jungen bewiesen, dass „wir hier in Costa Rica Gutes tun“, sagte das Staatsoberhaupt und ließ sich kniend gemeinsam mit seiner Frau vor den jubelnden Schülern ablichten.

Dass Wulff und seine Gattin eine Woche im Eiltempo durch Lateinamerika reisen hat im Übrigen viel mit den Söhnen im Alter von zwei und sieben Jahren zu tun. „Es ist eben doch ein Unterschied, ob die Eltern acht oder zwölf Tage lang weg sind“, hieß es in der Umgebung des Präsidenten.

Am Donnerstag also Brasilia. Rousseff habe ihn eingeladen. „Das ist eine besondere Geste Brasiliens“, sagte Wulff. Für die neu gewählte Präsidentin Brasiliens ist es erst der zweite Staatsbesuch. Als erster war US-Präsident Barack Obama da.

Am Freitag folgen Termine in Sao Paulo, dem größten deutschen Wirtschaftsstandort außerhalb der Bundesrepublik. Am Samstag will Wulff ein Stahlwerk von ThyssenKrupp in der Nähe von Rio de Janeiro besuchen.

Der Essener Konzern hatte in die Hütte über fünf Milliarden Euro investiert. Dann regte sich Widerstand von Umweltschützern. Wulff will nun helfen, die Schwierigkeiten zu überwinden. Am Sonntagvormittag wird das Präsidentenpaar wieder bei den Kindern in Berlin sein.

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