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Nach Zugunglück Ermittlungen gegen Lokführer eingeleitet

Eine Woche nach dem Güterzugunglück bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit einem Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Lokführer des auffahrenden Zuges.
Eine Woche nach dem Güterzugunglück bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit einem Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Lokführer des auffahrenden Zuges. © Foto: dapd
02.08.2012, 15:01 Uhr
Cottbus/Senftenberg (dpa) Eine Woche nach dem Güterzugunglück bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit einem Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Lokführer des auffahrenden Zuges. Der Mann habe die Lok vor der Abfahrt entgegen der gängigen Praxis allein vor die Waggons gespannt und dabei nicht bemerkt, dass die Hauptbremsleitung zwischen Lok und Waggons geschlossen war, teilte die Staatsanwaltschaft Cottbus am Donnerstag mit.

Die Behörde ermittelt gegen den Mann wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung und des fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr. Der Lokführer liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus und ist noch nicht vernehmungsfähig. Ein Mitarbeiter im völlig zerstörten Stellwerk starb bei dem Unfall.

Der Fahrtenschreiber des Schotterzuges konnte mittlerweile auch geborgen werden. Er müsse aber noch ausgelesen und ausgewertet werden, sagte ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes in Bonn. An den zerstörten Bahnanlagen gingen auch am Donnerstag die Reparaturen weiter.

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Hosena konnte nach den bisherigen Ermittlungen nur die Lok bremsen, aber nicht die mit Schotter beladenen und mit Druckluftbremsen ausgestatteten Wagen. Dies stimme mit Aussagen von Zeugen überein, hieß es. Die Bremskraft der Lok allein habe aber nicht ausgereicht, den Zug am Haltesignal abzubremsen und die Kollision mit einem stehenden Güterzug zu verhindern. Zudem soll der Lokführer vor der Abfahrt des Zuges im Hoyerswerdaer Ortsteil Schwarzkollm in Ostsachsen Probleme mit der Bremsanlage bemerkt und sie allein beseitigt haben, berichtete die Staatsanwaltschaft weiter.

Der Schotterzug war am vergangenen Donnerstag im Bahnhof Hosena an der brandenburgisch-sächsischen Grenze auf einer Weiche in den hinteren Bereich des leeren Güterzuges gefahren. Umstürzende Waggons zerstörten ein Stellwerk, wo ein 54-jähriger Mitarbeiter unter den Trümmern starb. Der zweite Lokführer erlitt ebenso wie der Fahrdienstleiter einen Schock.

Bei den weiteren Ermittlungen solle herausgefunden werden, ob die Lok ordnungsgemäß vor den Schotterzug gespannt war und die vorgeschriebenen Bremsproben durchgeführt wurden, wie der Cottbuser Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum sagte. Zur gängigen Praxis vor der Abfahrt eines Güterzuges gehöre es, dass neben dem Lokführer noch ein Wagenmeister beim Anspannen der Lok dabei sei. Indem der Lokführer alles allein machte, habe er aber nicht automatisch gegen Dienstvorschriften verstoßen.

Beide Güterzüge gehören zur ITL Eisenbahngesellschaft, ein Unternehmen der Captrain Deutschland GmbH. Bei dem Unglück wurden nach Unternehmensangaben von den 94 Waggons 34 beschädigt, mehr als 20 entgleisten. Die Bahnstrecke zwischen Ruhland, Hosena und Hoyerswerda bleibt bis zum Abschluss der Reparaturarbeiten gesperrt, als Ersatz fahren Busse.

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