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Packender Comic-Krimi mit Musik

Livemusik zur Comic-Erzählung: Die Kombination gefiel dem Publikum in dem ausverkauften kleinen Saal in Bogensee.
Livemusik zur Comic-Erzählung: Die Kombination gefiel dem Publikum in dem ausverkauften kleinen Saal in Bogensee. © Foto: Klaus Kleinmann
Klaus Kleinmann / 18.09.2017, 07:00 Uhr
Bogensee (MOZ) Im Rahmen des Konzertzyklus "Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark" unter maßgeblicher Mitwirkung der Violinistin Anna Barbara Kastelewicz fand am Sonnabend im Kulturhaus Bogensee ein denkwürdiger Abend mit dem Comic-Konzert "Fliegenpapier" statt.

Zur Handlung: Fliegenpapier enthält angeblich Arsen. Zumindest theoretisch kann man den Ex-Lover mit diesem Gift so geschickt um die Ecke bringen, dass man als Täterin nicht in Betracht kommt. In der Erzählung "Fliegenpapier" spielen natürlich auch ein Detektiv und jede Menge Schurken eine Rolle, so dass eine handlungsstarke Kriminalstory daraus wird, die Dashiel Hammett, ein Vater des amerikanischen Krimis der härteren Gangart, 1929 meisterhaft zu Papier gebracht hat.

So meisterhaft, dass der Grafikdesigner und Illustrator Hans Georg Hillmann, Pionier des deutschen Filmplakats und Grafik-Professor an der Hochschule für Bildende Künste/Universität Kassel, sich motiviert fühlte, eine opulente Comic-Adaptation der Erzählung mit großformatigen, oft sogar doppelseitigen Schwarz-Weiß-Illustrationen zu schaffen. Seine virtuosen Zeichnungen in fein nuancierten Hell-Dunkel-Abstufungen begeistern durch ungewöhnliche Perspektiven, durch kühne, filmanaloge Schnitte und die gelungene Umsetzung der Essenz von Hammetts Prosa in Bilder - ihre Eiseskälte, ihre Dynamik, Brutalität, Einsamkeit und Melancholie. Das ist perfekt gemacht.

So perfekt, dass Itay Dvori -Komponist und Dirigent von Orchestern und Chören - sich motiviert fühlte, Musik dazu zu schreiben, die als "Comic-Konzert" eine neue Art von Programmmusik darstellt. Hammetts "Fliegenpapier" eignet sich besonders dazu, der bildlichen Interpretation eine musikalische Dimension hinzuzufügen. Und so genoss man am Sonnabend im kleinen Saal des Kulturhauses Bogensee ein packendes Amalgam aus harter Krimihandlung, waghalsigen Bildern und dramatischer Jazz-Musik, die die Darbietung zu einem Gesamtkunstwerk der besonderen Art werden ließ. Das yam yabasha ensemble brachte sie mit dem Komponisten Itay Dvori am Klavier zur Aufführung. Raphael Clamer sprach den Text in mitreißender Manier. Die Musiker taten manchmal längere Zeit gar nichts, um dann so plötzlich mit einem Fortissimo einzusetzen, dass mancher Zuhörer regelrecht erschrak. Sachte, hingehauchte Passagen wechselten mit kräftigen Tutti oder atemberaubenden Soli, so dass die Wucht von Text und Bildern durch die Musik noch eine deutliche Steigerung erfuhr.

Uwe Steinmetz an diversen Saxophonen war der Held der Töne, aber auch die anderen Ensemblemitglieder spielten mit glasklarer Brillanz. An "Fliegenpapier" schlossen sich noch einige musikalische Impressionen zu Zeichnungen von J. J. Grandville an, die weder optisch noch klanglich an das vorgenannte Werk heranreichten. Dem Wohlwollen des Publikums tat das aber keinen Abbruch. Auch die Witwe des Zeichners von "Fliegenpapier", Marlies Rosa Hillmann, war anwesend, ebenso Angela Paul von der Botschaft des Staates Israel und Johann Ulrich vom avant-verlag, in dem Hillmanns Graphic Novel erschienen ist. Das Buch hat 256 Seiten und kostet 29,95 Euro.

Bleibt zu erwähnen, dass der Ort der Veranstaltung seinen ganz eigenen, leicht kafkaesken Charme verstrahlt, der dem Abend eine zusätzliche Note verlieh. Auf dem Campus Bogensee liegt bekanntlich die ehemalige Jugendhochschule der DDR, die einstmals in diversen Gebäuden Platz für etwa 600 Bewohner und Gäste bot. Das Areal befindet sich im Besitz des Landes Berlin, wie Andra Schumann von der Akademie Bogensee erläutert. Es dämmert dem Verfall entgegen und drohte sogar, den Denkmalschutz-Status zu verlieren und abgerissen zu werden. Dem stellt sich die Akademie Bogensee entgegen, indem sie das Gelände auf vielfältige Art wieder der Nutzung zuführt. Die Aufführung von "Fliegenpapier" mit dem ausverkauften kleinen Saal war hierzu sicher ein besonders tragfähiger Baustein.

Ein älterer Herr verließ nach etwa einer halben Stunde den Saal. Der Rest des Publikums war hingerissen und begeistert.

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