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Wirtschaftsminister Gerber über Brandenburgs Außenregionen und die Lage in Polen

Berlin strahlt aus bis zur Oder

Jörg Schreiber / 26.07.2017, 21:48 Uhr - Aktualisiert 26.07.2017, 22:41
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wirtschaftsminister Gerber sieht Entwicklungschancen auch für die Außenregionen Brandenburgs. Sorgen bereitet ihm dagegen die derzeitige Entwicklung in Polen.

"Ich bin überzeugt davon, in zehn, 15 Jahren werden Frankfurt (Oder), Fürstenwalde und Eberswalde zum Großraum Berlin gehören", sagte Albrecht Gerber in einem Gespräch mit dieser Zeitung. All diese Städte könnten vom Wirtschaftsboom in der Hauptstadtregion profitieren. Die Voraussetzungen dafür könnten besser nicht sein - schon wegen der zentralen Regionalexpress- und Autobahnverbindung.

Aber auch Schwedt (Uckermark) oder Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) seien innerhalb regionaler Wachstumskerne Zentren des Arbeitsmarkts. Das wiederum werde Fachkräfte anziehen, wenn die Kommunen dafür die notwendigen Voraussetzungen schaffen - von Wohnraum bis zu Kitaplätzen. Das hätten die Kommunen gut erkannt, finde er.

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Was die Zukunft des insolventen Bahnwerks Eberswalde (Barnim) betrifft, so hat Gerber durchaus Hoffnung. "Ich glaube daran, dass sich ein Käufer finden wird, der das Werk als Eisenbahn-Instandhaltungswerk sichern wird", sagte er. Es gebe einige Interessenten. Der Insolvenzverwalter führe derzeit Gespräche, um einen neuen Eigentümer zu finden. Arbeit für das Werk gebe es jedenfalls mehr als genug.

Zum Bombardier-Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) sagte Gerber, er begrüße das zwischen Unternehmen und Beschäftigtenvertretungen ausgehandelte Umstrukturierungskonzept, wonach in der Produktion etwa 300 von 620 Jobs erhalten bleiben sollen. Das sei ein Erfolg, denn ursprünglich sei ein viel stärkerer Arbeitsplatzabbau geplant gewesen. Der Minister verwies darauf, dass es bis Ende 2019 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

Gerber sicherte Unterstützung bei der Umstrukturierung des Standorts zu. "Mir geht es darum, die Industrie-Arbeitsplätze am Standort zu halten", sagte der Minister. Anfang August werde erstmals eine "Standortarbeitsgruppe" tagen. Diese soll den Personalabbau bei Bombardier ein Stück weit abfedern durch die Ansiedlung von passender Industrie. Der Arbeitsgruppe werden nach seinen Angaben Vertreter von Land, Wirtschaftsförderung, Kreis, der Stadt und des Unternehmens angehören. Sie würden beraten, welche Areale - auch mit Fördermitteln des Landes - saniert und umgebaut werden können, um Produktionsarbeitsplätze nach Hennigsdorf zu holen. Ziel sei, dass die Fachkräfte, die bei Bombardier ausscheiden, auch weiterhin in der Produktion in der Stadt arbeiten können. Es sei erfreulich, dass man dafür nun Zeit bis Ende 2019 habe, sagte der Minister.

Besorgt zeigte sich Gerber dagegen über die politische Entwicklung im Nachbarland Polen. "Ich wünsche den Polen nicht, dass man da jetzt Bremsspuren sieht auch in der wirtschaftlichen Entwicklung", sagte Gerber. Er verwies darauf, dass Polen für das Land Brandenburg wichtigster Außenhandelspartner ist. Zudem dürfe die Zusammenarbeit in der Grenzregion nicht gefährdet werden.

Wenn man sich anschaut, wie sich die Grenzregionen im Westen Deutschlands entwickelt haben, dann habe er die Hoffnung, dass dies früher oder später auch in Bezug auf Polen gelingen könne. "Wir sind gut beraten, auf lange Sicht auf ein gutes Verhältnis zu Polen zu setzen, weil der Status als Grenzregion für uns ein Vorteil sein wird", betonte der Minister.

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