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Auf dem Areal des Luftfahrtmuseums entstehen Szenen für eine prominent besetzte Kinoproduktion

Filmdreh
Crew verlegt Finowfurt an den Rhein

Simon Rayß / 19.09.2017, 06:44 Uhr - Aktualisiert 02.03.2018, 14:29
Finowfurt (MOZ) Massenauflauf im Luftfahrtmuseum: Hippe junge Menschen feiern mal wieder ein Festival. Doch was ist das? Sie tanzen ja ohne Musik. Ist eben alles nur gespielt: Das Areal in Finowfurt ist vor Kurzem zur Kulisse für einen Kinofilm geworden - mit Starbesetzung.

Künstlicher Nebel wabert durch den Wald, erleuchtet von der letzten Sonne des Tages. An einem Baum lehnen Lars Eidinger und Bjarne Mädel, zwei derzeit ungemein angesagte deutsche Schauspieler. Geschminkt, abgekämpft, halbnackt. Dabei ist es schweinekalt an diesem klaren Abend im Finowfurter Luftfahrtmuseum. Der Atem der Filmcrew dampft in flüchtigen Schwaden.

Dann heißt es: "Cut!" Es herrscht noch immer zu viel Unruhe. "Das stört die Schauspieler, dass die da hinten so viel rumrumpeln", flüstert Set-Aufnahmeleiter Paul Baumann und weist mit einem Kopfnicken auf ein paar Mitarbeiter, die 300 Meter weiter Technik von einem Lkw abladen.

Ja, die Stimmung ist angespannt. Das Team hinkt dem Zeitplan hinterher und die Sonne verschwindet bald hinterm Horizont. Dabei ist die wichtige Szene noch nicht im Kasten, in der die erschöpften Brüder in den Morgenstunden die verrückte Festival-Nacht Revue passieren lassen.

Der eine - gespielt von Eidinger ("Alle anderen") - ist Top-Manager und kommt nach 30 Jahren Abwesenheit zur Beerdigung des Vaters ins heimische Baden-Baden. Dort führt der andere - Mädel, auch bekannt als "Tatortreiniger" und aus "Mord mit Aussicht" - die Familientischlerei weiter. Beide bekommen sich erst in die Wolle, raufen sich dann zusammen, um einen vor Urzeiten geschmiedeten Plan in die Tat umzusetzen: einmal auf zwei Mofas quer durch Deutschland zu tuckern - mit "25 km/h", wie der Arbeitstitel des Road-Movies lautet.

Mit dabei ist eine ganze Riege namhafter Darsteller: Sandra Hüller ("Toni Erdmann"), Alexandra Maria Lara ("Der Untergang"), Wotan Wilke Möhring ("Tatort") und Jella Haase ("Fack Ju Göhte"). Regie führt Markus Goller, der 2010 mit der Ossi-in-Amerika-Komödie "Friendship!" einen Hit gelandet hat. Ob "25 km/h" ähnlich erfolgreich wird, zeigt sich in einem Jahr, wenn der Film in die Kinos kommt.

Doch in diesen Tagen steckt das Team erst einmal mittendrin im Drehstress. Seit 1. August ist die 80-köpfige Crew auf Reisen, bis zum 24. September soll alles im Kasten sein. Berlin, Lübeck, Baden-Baden sowie etliche Drehorte in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg haben die Filmleute hinter sich - und eben zwei Tage Finowfurt.

Dass das Luftfahrtmuseum als Drehort herhält, ist nichts Ungewöhnliches. "Bei uns waren schon oft Filmleute", sagt Birk Polten vom Museumsverein. Die Fernsehproduktion "Westflug" ist dort entstanden, auch ein "Tatort". Selbst Hollywood ließ sich schon in Schorfheide blicken: "Tom Hanks hat für "Cloud Atlas' hier eine Szene gedreht", berichtet Polten.

Diesmal ist ein sogenannter Location-Scout, also ein Spürhund für Drehorte, aufs Museumsareal mit seinen Hangars und historischen Maschinen aufmerksam geworden. "Sieht ja auch ganz lustig hier aus mit den ganzen Flugzeugen", sagt Jan Zillmann, wiederum Aufnahmeleiter, jedoch für die gesamte Produktion.

Dass in Finowfurt gedreht wird, heißt aber nicht, dass der Film auch in Finowfurt spielt. Vielmehr ist das Festival-Set irgendwo in Nordrhein-Westfalen angesiedelt - mitsamt verstreuten Zelten, blinkenden Scheinwerfern und einem Getränke-Truck mit niederländischem Kennzeichen. Am Vorabend sind vor dieser Kulisse 140 Komparsen für eine Szene herumgesprungen. "Die haben wir in drei Bussen direkt vom Alex hergefahren", erklärt Paul Baumann.

Am zweiten Drehtag heißt es für die Statisten vor allem warten, bis sie wieder für einen Moment vor die Kamera dürfen. Diesmal für eine Tanzszene neben einem der alten Hangars. Doch bevor es ernst wird, gibt es erst einmal "Mittagessen", wie der Chef vom Catering-Wagen sagt - um 20 Uhr am Abend. Tafelspitz steht auf der Speisekarte.

Doch die Filmleute müssen sich auch stärken: Die ganze Nacht durch drehen sie etliche Szenen auf der Verbindungsstraße zwischen Finowfurt und Clara-Zetkin-Siedlung, die aus diesem Grund auch immer wieder gesperrt wird. "Das Team hat eine Drehgenehmigung von 22 bis 4 Uhr", sagt Gemeindesprecher Ulf Kämpfe.

Danach geht's für die Filmcrew ans Einpacken und Aufräumen und schon einige Stunden später sieht im Luftfahrtmuseum wieder alles so aus, als wäre das Kino nie in Finowfurt zu Gast gewesen. Doch natürlich nur vorübergehend. Denn das nächste Mal kommt bestimmt George Clooney.

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