Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Carsten Stahl ist mit seinem Anti-Gewalt-Programm an der Grundschule Am Botanischen Garten zu Gast

Lektion in Respekt und Toleranz

Sonja Jenning / 21.09.2017, 07:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seine Methoden sind ungewöhnlich, aber wirksam. In dieser Woche ist der Kampfsportler und Ex-TV-Detektiv Carsten Stahl mit seinem Präventionsprogramm gegen Gewalt und Mobbing an der Grundschule Am Botanischen Garten unterwegs. Am Mittwoch sprach er mit Schülern der vierten Klassen.

Nächste Woche geht es für die Schüler der 4a und 4b auf Klassenfahrt. Carsten Stahl gibt ihnen eine besondere Aufgabe mit: "Ich möchte, dass ihr als ein Team und so stark wie nie zurückkommt!" Den Grundstein dafür legt der Anti-Gewalt-Trainer am Mittwochvormittag in einem knapp dreistündigen Seminar. Er spricht mit den Kindern über Mobbing, über den Teufelskreis, der Opfer zu Tätern werden lässt und wie man diesen Teufelskreis durchbricht. Er bringt diejenigen, die gemobbt werden dazu, sich zu offenbaren, und diejenigen, die mobben, sich zu entschuldigen.

Sein Erfolgsgeheimnis sind klare Worte, eine eindringliche Ansprache und viele Beispiele. Etwa wenn er ihnen von dem kleinen, dicken Jungen erzählt, der sich aus Angst vor seinen Mitschülern versteckte, die ihn aber trotzdem fanden, ihn schlugen und demütigten. "Dieser Junge war ich", sagt Carsten Stahl. Er habe sich nutzlos gefühlt und irgendwann zurückgeschlagen. "Glaubt nicht, was andere über euch sagen", ruft er den Kindern zu und: "Seid höflich, seid respektvoll, lacht nicht, wenn jemand hinfällt, sondern helft ihm auf. Seid ein Vorbild."Das kommt bei den Viertklässlern an, für viele ist der muskelbepackte Hüne, den sie aus dem Fernsehen kennen, selbst ein Vorbild. Carsten Stahl weiß das, und obwohl er nach eigenem Bekunden heute auf diese Sendung alles andere als stolz ist, nutzt er seine Bekanntheit, um den Kindern eine eindrucksvolle Lektion in Respekt und Toleranz zu erteilen. "Wir können nicht ändern, was gestern war. Aber wir haben einen Schlussstrich gezogen. Ihr müsst euch jetzt gegenseitig daran erinnern, dass ihr es in Zukunft besser machen wollt", gibt er ihnen noch mit auf den Weg. Nach den Viertklässlern arbeitet er heute mit den Schülern der fünften Klasse und am Freitag mit den Sechstklässlern.

"Wir versprechen, dass Mobbing an unserer Schule keinen Platz mehr hat und die Starken die Schwachen stützen!" - Diesen Satz auf einem Plakat haben alle Viert-, Fünft- und Sechstklässler der Grundschule Am Botanischen Garten bereits während der Auftaktveranstaltung der Seminarwoche mit Carsten Stahl am Dienstag unterschrieben. "Es ist ein großes Versprechen", weiß Schulleiterin Susann Rehberg. Aber es sei auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem freundlichen und respektvollen Miteinander. Daran arbeitet die Schule seit Jahren: mit Klassenregeln, Patenschaften unter den Schülern, besonderen Projekten und den Streitschlichtern, die im vergangenen Schuljahr ausgebildet wurden. "Mobbing hat viele Facetten", sagt Susanne Rehberg, "wir wollen, dass es aufhört und gemeinsam daran arbeiten." Die Projektwoche mit Carsten Stahl sieht sie als wichtigen Impuls für die weitere Arbeit an der Schule.

"Das Versprechen der Kinder war kein Lippenbekenntnis. Carsten Stahl hat ihr Herz berührt", sind Kerstin Urbanek und Birgit Marchewski, die Klassenlehrerinnen der 4a und 4b, überzeugt. Beeindruckt hat beide, dass eine ehrliche Entschuldigung und Versöhnung zwischen den Kindern stattgefunden hat.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG