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160 Gäste sind der Einladung des Netzwerks für Toleranz zum Thema "Lust auf Zukunft" nach Trebnitz gefolgt

Trebnitz
Eisbein zum Integrationsfachtag

Ines Weber-Rath / 22.09.2017, 06:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) Rund 160 Jugendsozialarbeiter, Jugendliche aus dem Kreisschülerrat, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, im Landkreis lebende Flüchtlinge sowie polnische Partner sind am Donnerstag der Einladung des Netzwerks für Toleranz und Integration Märkisch-Oderland zum 15. Integrationsfachtag gefolgt.

Den ersten donnernden App-laus des Tages gab es im großen Zelt vorm Schloss für einen 16-jährigen Iraner: Arman Pirkleh, der mit seiner Familie in der Bad Freienwalder Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge lebt, begeisterte die Teilnehmer des Integrationsfachtages mit seinem Spiel auf dem Keyboard. Arman lernt im Gymnasium der Kurstadt.

Er stand als ein Beispiel für das, worum es den Veranstaltern bei dem Erfahrungsaustausch unter dem Motto "Lust auf Zukunft" geht - um Perspektiven für den ländlichen Raum.

Es sei eine gute Tradition des Integrationsfachtages, brenzlige Themen anzusprechen, sagte Landrat Gernot Schmidt in seinem Grußwort. Er nannte die Inklusion, Kinderarmut und Integration von Flüchtlingen als Beispiele. Dass seine Vorstellungen zur Integration "nicht immer mit denen ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer überein stimmen" würden, räumte Schmidt freimütig ein und warb für eine offene, ehrliche Debatte. Nur so könnten Konflikte gelöst werden.

Mit Blick auf die polnischen Gäste der Veranstaltung erteilte der Landrat "Abschottungsversuchen" eine Absage. Die freundschaftlichen Kontakte ins Nachbarland und nach Russland seien ihm "heilig", Schmidt beschwor den "innovativen Geist der Grenzregion".

Auch Gastgeber Dariusz Müller ging auf die "schwierige Situation" im deutsch-polnischen Verhältnis ein, gegen das er nur ein Rezept hat: "Wir müssen im Gespräch bleiben", so der Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz. Er lud die Teilnehmer des Fachtages übrigens zu etwas typisch Deutschem ein - Eisbein mit Sauerkraut.

Für Mariusz Senko, den Landrat des Kreises Turek in der Wojewodschaft Großpolen, ist die Begegnung in Trebnitz jedenfalls ein "guter Anfang für eine Zusammenarbeit".

Doris Lemmermeier, die Integrationsbeauftragte des Landes, berichtete von Erlebnissen, die sie in der vorigen Woche an der Seite einer Journalistin in Seelow hatte. Diese arbeitet an einem Bericht mit dem Titel "Reise durch das islamische Brandenburg". In Seelow interviewte sie tschetschenische Frauen.

Mit Blick auf die Studie zu den Erfahrungen ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer resümierte die Integrationsbeauftragte: "Am skeptischsten sind die Nachbarn". Für die Weihnachtszeit kündigte sie Fördergelder für interkulturelle Aktionen an. Und noch bis 13. Oktober sind Bewerbungen für den Landes-Integrationspreis möglich, der in diesem Jahr den Schwerpunkt Ausbildung und Arbeit hat, erinnerte Doris Lemmermeier.

Mit dem Begriff der Integration setzte sich Michael Matzke aus dem Bundesfamilienministerium auseinander. Viele würden in dem Zusammenhang befürchten, ihre Identität zu verlieren. "Heimat ist ein Gefühl, zu Hause sein etwas anderes", erklärte der Vertreter des Bundes und warb um mehr Bemühungen, durch Verstehen zu mehr Verständnis für Geflüchtete zu kommen.

Nach dem Einführungsreferat des Vorsitzenden der Enquete-Kommission des Landes, Wolfgang Roik, zur Zukunft des ländlichen Raumes vorm Hintergrund des demografischen Wandels begann der Erfahrungsaustausch in Arbeitsgruppen im Schloss. In den Gruppen ging es um Themen wie internationale Bildung und Begegnungen, Kinder- und Jugendsozialarbeit in der Stadt und auf dem Land und Migrationsarbeit in Märkisch-Oderland.

Mit einem deutsch-polnischen Kulturabend haben die Teilnehmer des zweitägigen Integrationsfachtages das kleine Jubiläum der Veranstaltung gefeiert. Heute geht der Fachtag ab 10 Uhr mit einer Filmvorführung im Schloss weiter. Dann ist der Film "Hidden society" (versteckte Gesellschaft) zu sehen. Er ist im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes mit Jugendlichen aus Litauen, Polen, der Slowakei und Deutschland entstanden.

Danach wird der "Markt der Möglichkeiten" mit dem Titel "Die Zukunft liegt auf beiden Seiten der Oder, oder?!" eröffnet. Interessierte sind gern gesehen.

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