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Deutsche Lufthansa und britische Easyjet teilen Air Berlin unter sich auf

Air Berlin
"Betrieb bis November sicher"

Noch heben sie ab: Auf den kürzeren Routen bleibt Air Berlin vertreten. Langstreckenflüge werden eingestellt.
Noch heben sie ab: Auf den kürzeren Routen bleibt Air Berlin vertreten. Langstreckenflüge werden eingestellt. © Foto: dpa
Igor Steinle / 25.09.2017, 21:56 Uhr
Berlin (MOZ) Die Zerschlagung der insolventen Air Berlin geht voran. Viele Mitarbeiter werden in die neuen Unternehmen wechseln, verspricht das Management. Damit das Geschäft über die Bühne gehen kann, muss es nun allerdings schnell gehen.

Thomas Winkelmann musste die eigentlich gute Neuigkeit unter gellendem Trillerpfeifenkonzert verkünden. "Wir sind auf einem guten Weg, dass 80 Prozent der ,Air-Berliner' Arbeitsplätze in neuen Unternehmen bekommen", sagte der Chef der insolventen Airline. Auf der Straße vor dem Hotel, in dem Winkelmann das sagte, fanden sich etwa dreißig Gewerkschafter zusammen, die weit pessimistischer waren. Ihre Geräuschkulisse begleitete die Pressekonferenz.

Anlass der Zusammenkunft war ein Beschluss des Aufsichtsrats am Morgen, der nur bestätigte, was ohnehin schon klar war: Air Berlin wird unter Lufthansa und Easyjet aufgeteilt. Lufthansa will die Air-Berlin-Töchter Niki und Luftverkehrsgesellschaft Walter, die insgesamt 55 Flugzeuge haben, sowie 13 weitere Mittelstreckenflugzeuge. Easyjet möchte 27 bis 30 der Airbus-Mittelstreckenflieger der Air Berlin, mit denen der Billigflieger vor allem von Berlin aus fliegen wolle. Unterlegene Bieter wie Thomas Cook plus Niki Lauda könnten höchstens noch zum Zuge kommen, wenn am Ende einige Flugzeuge übrig bleiben sollten. Ob das der Fall sein wird, stellt sich am 12. Oktober heraus, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sein sollen. Über die Höhe der Angebote wurde Stillschweigen vereinbart. Air Berlins Verhandlungsbevollmächtigter Frank Kebekus verriet nur so viel: Der Hilfskredit der KfW könne vollständig zurückbezahlt werden.

"Es ist von existenzieller Bedeutung, dass in dieser Phase das Geschäft reibungslos weiterlaufen kann", warnte Kebekus. Worauf er anspielt, sind die massenhaften Krankmeldungen der Piloten, die zuletzt zu massiven Flugausfällen geführt hatten. Sollte so etwas noch einmal passieren, könnte dies die Verhandlungen zum Scheitern bringen. Denn ginge Air Berlin das Geld aus, wären bei einem daraus resultierenden Grounding, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssten, die begehrten Start- und Landerechte futsch. Das wäre eine Katastrophe: Es geht um 4000 Slots pro Woche, jeder einzelne verspricht Fluggesellschaften einen zusätzlichen Gewinn von einer halben Million Euro im Jahr.

Laut Branchenexperte Gerald Wissel ist deswegen ein schneller Abschluss der Verhandlungen nötig. "Ein Grounding ist noch nicht vom Tisch", sagte er.

Kebekus beruhigt allerdings: "Bis zum 1. November sind wir durchfinanziert." Zudem bekam die Lufthansa auch deswegen den Zuschlag, weil sie neben dem Angebot von angeblich 200 Millionen Euro weitere 100 Millionen Euro für einen Übergangsbetrieb zur Verfügung stellen will.

Warnungen vor einem Lufthansa-Monopol wies Winkelmann zurück, ebenso wie die Befürchtungen, Fliegen würde teurer werden. "Sie werden einen genauso harten Wettbewerb wie in der Vergangenheit erleben." Kritiker befürchten, dass auf einzelnen Strecken wie etwa Düsseldorf-Berlin die Lufthansa eine zu dominante Stellung einnehmen würde.

Für das Langstreckengeschäft Air Berlins hat sich allerdings kein Käufer gefunden. Am 15. Oktober soll es deswegen vollständig eingestellt werden. Piloten und Kabinenpersonal könnten sich aber auch bei der Lufthansa und Easyjet bewerben, da fast alle von Ihnen auch Lizenzen für andere Maschinen besäßen.

Für die anderen habe man eine Vermittlungsstelle bei der Bundesagenturen für Arbeit in Berlin und Düsseldorf eingerichtet, so Winkelmann. Den Verwaltungsangestellten rät er, sich für den Staatsdienst in Berlin zu bewerben. Der Verdienst dort dürfte aber niedriger sein. Vielleicht deswegen das Pfeifkonzert.

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