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Air Berlin
Falsche Hilfe für die Lufthansa

Thomas Veitinger
Thomas Veitinger © Foto: SWP
Meinung
Thomas Veitinger / 28.09.2017, 19:28 Uhr
Berlin (MOZ) Erst, wenn das letzte Schokoladenherz gegessen ist, werden wir merken, wie wichtig Air Berlin für die Luftfahrt in Deutschland war. Die Fluggesellschaft mit ihrer traditionellen Süßigkeit nach überstandener Landung war ein Bollwerk gegen die Geiz-ist-geil-Mentalität in der Luft. Wettbewerber Deutsche Lufthansa dürfte nach der Übernahme von Teilen Air Berlins mit seiner Tochter Eurowings die Nummer 1 der Billigflieger auf dem Kontinent werden. Bald wird es nur noch teure oder billige Flüge geben. Nun setzt eine Konsolidierung ein, die das Aus für viele der 230 Airlines in Europa bedeuten dürfte. Weniger Wettbewerb aber heißt: steigende Preise.

Es ist ein Fehler der Bundesregierung, Lufthansa die Filetstücke von Air Berlin zu servieren - aus ordnungspolitischer, marktwirtschaftlicher und politischer Sicht. Leidtragende einer zu mächtigen Lufthansa sind die Branche und die Passagiere. Die Wahrscheinlichkeit der Insolvenz von Flugunternehmen in Europa steigt. Fluggäste, die keine Pauschalreise gebucht haben, besitzen keinen Insolvenzschutz. Diese Schutzlücke sollte längst geschlossen werden, sie wurde es aber nicht.

Lufthansa wird Monopolist auf vielen Strecken. Weil Reisende aktuell Air Berlin meiden, steigen die Ticketpreise schon jetzt. Lufthansa-Marktanteile von bis zu 95 Prozent sind möglich. In der Vergangenheit war eine Preisexplosion auf Strecken auszumachen, die Air Berlin aufgegeben hat. Ryanair und Easyjet können wegen fehlender Start- und Landerechte nicht so schnell in die Lücken springen.

Um konkurrenzfähig zu sein, müssen die Airlines sparen, wo es nur geht. Ryanair hat mit seinen prekären Beschäftigungsmodellen der Piloten schon jetzt große Probleme und streicht nun Tausende Flüge über Monate hinweg. Passagieren wird das Fliegen auf Kurz- und Mittelstrecken durch optimierte Kostenstrukturen noch weniger Spaß machen.

Vor allem aber bleibt der Vorwurf des Protektionismus' an Deutschland hängen. Vor der Air-Berlin-Pleite kam es zu geheimen Gesprächen zwischen der Lufthansa und der Bundesregierung. Die Airline mit dem Kranich hatte deshalb eine bessere Startposition. Das Besondere daran ist: Berlin hat nicht einmal versucht, die Einflussnahme zu vertuschen. Dabei hat Deutschland doch in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit staatlicher Hilfe und Einflussnahme gemacht. Und das wird auch diesmal nicht anders sein.

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Steffen Michael 02.10.2017 - 11:30:35

Schwarzmalerei!

Die Konkurrenz wird hoch bleiben. Man blicke kurz in das Jahr 2016 zurück. Die MOZ berichtete von der Eröffnung eines neuen Terminals und neuer Fluglinien durch Ryanair am Flughafen Berlin-Schönefeld, obwohl der "angespannten" Lage bei den Wettbewerbern. Im Jahr 2017 soll Frankfurt/Main für Ryanair ein Drehkreuz werden. Es scheint, dass man auf hohem Niveau jammert. Der Überbrückungskredit war für die Air Berlin zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebes. Aus meiner Sicht nachvollziehbar. Mit knapp 10 %-iger Verzinsung übrigens ein gutes Geschäft für den Steuerzahler. Jeder hatte die Chance ein Angebot einzureichen. Jeder der ein sinnvolles abgab, wurde meines Wissens auch bedacht. Die Angebote zur Komplettübernahme mussten zwangsläufig abgelehnt werden, da die Lufthansa und andere Unternehmen mehrfach ankündigten, ihre verleasten Flugzeuge zurückzuholen. Air Berlin hatte zuletzt keine eigenen Flugzeuge mehr. Ryanair hatte kein Angebot abgegeben, da sie nur einen Flugzeugtyp haben und das Firmenideologie ist.

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