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Tierpark muss Terrarien wegen Schädlingen und Bauschäden schließen / Auch mit dem Alfred-Brehm-Haus gibt es Probleme

Tierpark
Gefahr im Schlangenhaus

Wird wahrscheinlich abgerissen: Am Donnerstag wurde das 1956 eröffnete Schlangenhaus im Berliner Tierpark für Besucher geschlossen. Das völlig marode Gebäude genügte schon lange nicht mehr Tierschutz- sowie Arbeitschutz-Auflagen.
Wird wahrscheinlich abgerissen: Am Donnerstag wurde das 1956 eröffnete Schlangenhaus im Berliner Tierpark für Besucher geschlossen. Das völlig marode Gebäude genügte schon lange nicht mehr Tierschutz- sowie Arbeitschutz-Auflagen. © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 29.09.2017, 06:48 Uhr
Berlin (MOZ) Schimmelpilz- und Schädlingsbefall im Schlangenhaus, ein veraltetes Raubtierhaus, illegale Müllberge - der Tierpark Berlin hat derzeit viele Baustellen. In den kommenden Jahren sollen deshalb in Friedrichsfelde rund 30 Millionen Euro investiert werden.

Die Missstände im Schlangenhaus waren schon lange nicht mehr zu übersehen. Zwischen den Terrarien mit Baumpythons, Sumpfschildkröten und Tomatenfröschen hat sich der Kalk in die Wände gefressen. Abflussrohre bröseln vor sich hin, feuchte Bodenplatten sind im Begriff sich abzulösen. Dazu kommen ungesunder schwarzer Schimmel und Schädlinge, die sich in den maroden Wandverkleidungen und Bodenritzen eingenistet haben. "Sie sind inzwischen gegen jegliches Gift resistent", erklärt Nadja Niemann, die Zoologische Leiterin des Tierparks.

Und weil die Schild- und Lederzecken inzwischen nicht nur Schlangen-Blut saugen, sondern inzwischen auch Tierpfleger "angezapft" haben, hat die Tierpark-Leitung nun die Reißleine gezogen und die Anlage am Donnerstag geschlossen.

Ursprünglich diente die 1956 eröffnete sogenannte Schlangenfarm der Gewinnung von Gift zur Herstellung von Antiserum. Noch bis 1970 wurden die Tiere regelmäßig öffentlich "gemolken". Mittlerweile ist diese Handhabung schon alleine aus versicherungstechnischen Gründen verboten.

So oder so war in dem baufälligen Gebäude die Haltung hochgiftiger Tiere wie der Schwarzen Mamba unzumutbar geworden, berichtet die Biologin. Die bis zu 220 Zentimeter langen Tiere seien in viel zu kleinen Terrarien untergebracht, in denen nicht einmal die Temperatur individuell eingestellt werden kann, erklärt Niemann. Dazu kamen im Sommer die starken Regenfälle, die den Zustand des Gebäudes noch einmal so sehr verschlechterten, dass die sofortige Schließung für Besucher unumgänglich geworden sei. Es wird wahrscheinlich abgerissen.

Doch auch beim Umbau des Alfred-Brehm-Hauses geht es nicht so zügig voran, wie es sich Zoo-und Tierpark-Chef Andreas Knieriem gewünscht hätte. Der Zustand der denkmalgeschützten Raubtieranlage sei deutlich schlechter als erwartet, erklärte er am Donnerstag. Zusätzlich seien Fundamente, Leitungen und Schächte fehlerhaft in den alten Bauzeichnungen dokumentiert. Dort, wo in Zukunft auch Malaienbären auf 600 Quadratmetern an Baumstämmen klettern und nach Insekten buddeln sollen, seien kürzlich sogar alte Starkstromkabel mit Ölummantelung entdeckt worden. "Alleine die zu beseitigen hat 150 000 Euro gekostet", berichtet Knieriem.

Da man im defizitären Tierpark im Gegenteil zum rentablen Berliner Zoo nicht mit Eigenkapital, sondern mit Steuergeldern bauen muss, käme es zudem bei den Genehmigungsverfahren in der chronisch überlasteten Berliner Bau-Behörde immer wieder Verzögerungen. Mit dem Baubeginn für das Sechs-Millionen-Euro-Projekt rechnet Knieriem nun erst im März 2018.

Der Umbau des Alfred-Brehm-Hauses ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Einerseits sei das seinerzeit größte Raubtierhaus ein "Charakter-Gebäude", andererseits entspräche es schon lange nicht mehr den Tierschutzstandards. Als Knieriem den Chefposten vor drei Jahren antrat, war es völlig überfüllt. Seitdem hat er die Raubtiere von 70 auf 17 reduziert und in anderen Zoos untergebracht.

Im künftigen "Regenwaldhaus" sollen dann Hinterindische Tiger durchs Dickicht streifen, während Baumkängurus auf Naturfelsen klettern und Krokodile Fische fangen. Auch die Mangrovennachtbaumnatter aus dem nun geschlossenen Schlangenhaus wird dort ein neues Zuhause finden.

Mit seiner Neuordnung nach Kontinenten will Knieriem Tierpark-Besuchern nicht nur besondere Erlebnisse verschaffen, sondern den Tieren ein möglichst lebensnahes Umfeld geben. So kommen beispielsweise die Spaltenschildkröten bei den Elefanten und Nashörnern unter. Die Außenanlagen des gut 30 Jahre alten Dickhäuterhauses sollen 2020 in eine afrikanische Savannenlandschaft verwandelt werden. Der Umbau ist auf 20 Millionen Euro veranschlagt. Auch das Verwaltungshaus soll saniert werden.

Die neue Artenschutzausstellung im schon modernisierten Affenhaus soll noch Ende dieses Jahres eröffnen. Neben Forscherkisten für die ganze Familie sollen dort rund 30 Artenschutzprojekte vorgestellt werden, bei denen sich Zoo und Tierpark mittlerweile engagieren.

Während unter den prüfenden Blicken von Ameisenbär und Silberäffchen gerade die Wände nachtblau gestrichen und die Raumteiler eingebaut werden, fahren draußen Lkw die letzten der rund 5000 Sandladungen auf die Mülldeponie nach Schöneiche. Der Plan, aus den von seinen Vorgängern illegal hinterlassenen Bauschuttbergen ein Himalaya-Gebirge zu bauen, sei leider an Statikproblemen gescheitert, berichtet Knieriem. So habe die Beseitigung von 54 000 Tonnen verunreinigten Sandes zwei Millionen Euro gekostet. "Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was wir dafür hier alles hätten bauen können."

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