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Uckermärkische Bühnen Schwedt zeigen Musical "Grimm!" voller Tempo und Witz

Ubs
Die mit dem Wolf heult

Eva-Martina Weyer / 01.10.2017, 22:36 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 14:29
Schwedt (MOZ) Das Musical "Grimm!" ist ein furioser Ritt durch den Bühnenwald. In Berlin war es ein Renner. Bald hatte der Schwedter Theaterintendant Reinhard Simon es gesehen und gewusst: "Das müssen wir haben!" Am Sonnabend hatte die Schwedter Version von "Grimm!" an den Uckermärkischen Bühnen Premiere. Regie führte die US-Amerikanerin Neva Howard.

Musical-Texten fehlt oft der Tiefgang. Bei "Grimm!" bleibt wenig an der Oberfläche. Das ist dem Autor Peter Lund zu danken, der die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf geschrieben hat und dabei ganz aktuelle Fragen anreißt. Er stellt die gesicherte Märchenwelt der Brüder Grimm auf den Kopf, macht Rotkäppchen und den Wolf zum Paar, das um seine Liebe und gegen Vorurteile ankämpfen muss. Dorf und Wald sind verfeindete Lager, in denen gefährliche Intrigen blühen. Die Komödie, die über allem liegt, entpuppt sich als politische Satire. Die Musik dazu hat Thomas Zaufke komponiert.

Märchenzeit an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt: Grimm! feierte erfolgreich seine Premiere.
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Grimm!

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Das rockt und swingt in Schwedt und hält das ganze Haus in Atem, auch dank eines hervorragenden Orchesters unter der Leitung von Tilman Hintze. Das junge deutsch-polnische Schauspielensemble ist dem hohen Tempo gewachsen. Da wird jeder kleine Song zur großen Nummer, jedes Tier zum Typ. Leider geraten die Chorpassagen etwas schrill.

Wiederholt arbeiten die Uckermärkischen Bühnen mit der Musical-Akademie Danzig zusammen. Zwei Master-Absolventen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Karol Drozd spielt, singt und tanzt die Titelrolle Grimm. Sein Wolf wirbelt über die Bühne, jault und kämpft und hat eine erstaunliche Kondition beim Singen. Ganz ähnlich seine Mitstudentin Weronika Kryczka als Schweinchen Wild. Trotz ihrer präsenten Ausstrahlung ist ihr Deutsch leider schwer zu verstehen.

Das Bühnenbild von Ulrike Reinhard ist stark reduziert. Bewegliche Großbuchstaben zeigen an, wo Dorf und Wald sind, wo Schwarz und Weiß hingehören. Mit akzentuierter Beleuchtung sorgt das für Atmosphäre. Ein rot-weißer Schlagbaum macht klar, wo der Hammer hängt und die Grenze verläuft.

Für diese Szenerie hat Ulrike Reinhard ihre prächtigen Kostüme entwickelt. Da ist der alte Hofhund Sultan in einem abgeschabten Generalsmantel und mit Fellmütze - würdevoll gegeben von Daniel Heinz. Da ist die schicke Geiß, die als alleinerziehende Mutter mit sechs (!) Zicklein ihre Liebe Not hat und sich dennoch ihr Stück Kuchen von der Männerwelt abschneiden will - und sei es der Wolf. Antonia Welke als neues Ensemblemitglied in Schwedt bewegt sich galant als Geiß mit Ziegenbart und hochhackigen Schuhen - ein Madonna-Verschnitt mit Berliner Schnauze. Oder nehmen wir Oma Eule in ihrem Hippie-Schlabber-Look. Katarzyna Kunicka verleiht ihr einen Hauch lebensfroher Esoterik. Geradezu Artistisches bringt Sabrina Pankrath als Rotkäppchen auf die Bühne, und Michael Kuczynski macht seine Rolle als dickbäuchiges Schweinchen Didi zu einer Komiknummer mit großer Stimme. Die Figuren sind Tier und Mensch zugleich. So viel Grunzen und Meckern war selten. Ein gelungener Balanceakt. Da heult der Wolf.

Vorstellungen: 13./14.Oktober, Uckermärkische Bühnen Schwedt, Kartentel.: 03332 538111

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