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Riesen-Baufeld an der Raffinerie

Hinter der PCK Raffinerie entsteht ein neues, leistungsfähigeres Umspannwerk.
Hinter der PCK Raffinerie entsteht ein neues, leistungsfähigeres Umspannwerk. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 11.05.2016, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Für rund 50 Millionen Euro entsteht in Schwedt derzeit ein neues 380-kV-Umspannwerk für die geplante Uckermark-Leitung. Die Stromverteilergesellschaft 50Hertz ersetzt zwischen Vierraden und der PCK-Raffinerie das 40 Jahre alte 220-kV-Werk durch ein fünfmal so großes.

Das Vorhaben blieb von der Öffentlichkeit bislang weitge-hend unbemerkt. Das riesige Baufeld am Waldrand hinter der Raffinerie ist so gut wie Niemandsland. Das alte Umspannwerk, ein paar Gärten, die Vierradener Windräder und ein Auffangbecken für PCK stehen dort mutterseelenallein. Dafür fühlen sich hier Kraniche, Schwarzstörche, Biber und Eisvogel ganz wohl, die an den Gräben zur Welse ein nahezu ungestörtes Biotop vorfanden.

Seit ein paar Monaten haben sie freilich Besuch von schwerer Tiefbautechnik, Betonmachern und Stahlbauern. Eurovia, eine Stahlbaufirma und Siemens errichten für den Stromverteiler 50Hertz ein komplett neues Umspannwerk.

"Wir hätten sowieso investieren müssen am alten Umspannwerk. Der eigentliche Grund ist aber, dass die Leistungsfähigkeit längst am Limit ist", erklärt Dirk Manthey von 50Hertz. Immer öfter müssen in Deutschland Windräder abgeschaltet werden, weil Netze und Umspannwerke nicht mehr ausreichen.

"300 Millionen Euro kostet die Erstattung des Ertragsausfalls für die Windmüller im Jahr, bundesweit sind es mehr als eine Milliarde Euro. Die Zeche zahlt jeder Stromkunde. Wir brauchen also dringend leistungsfähigere Netze", so Manthey.

Das Umspannwerk ist ein wichtiger Knoten dafür. Hier wird die Stromleitung aus dem Übertragungsnetz von Pasewalk nach Neuenhagen bei Berlin auf das 110-kV-Verteilernetz umgespannt. Ganz Schwedt, die Uckermark und Teile des Barnims werden hierüber versorgt.

Immer mehr Bedeutung gewinnt jedoch die Weiterleitung des in der Region erzeugten Stroms, hauptsächlich aus der Windkraft. Derzeit schaffen die zwei Transformatoren des Umspannwerkes jeweils 160 Megawatt - das neue, auf 380 kV erweiterte Umspannwerk wird zwei, langfristig sogar drei Trafos mit jeweils 400 Megawatt besitzen.

2018 soll das neue Umspannwerk fertig sein, anschließend wird das alte abgerissen. "Es ist so wie mit der Uckermark-Leitung. Auch dort ist geplant, nach dem Neubau der 50 Meter hohen Strommaste die alte, ebenfalls mitten durch das Biosphärenreservat führende Leitung zurückzubauen", erklärt Dirk Manthey. Noch aber ist der Bau der Uckermark-Leitung bekanntlich gerichtlich gestoppt.

In das neue Umspannwerk eingebunden ist übrigens auch die Verbindung ins polnische Krajnik Dolny, also ins transnationale Stromnetz. Sie ist auf deutscher Seite bereits für den 380-kV-Betrieb fertig ausgebaut. "Die Polen sagen aber völlig zu Recht, dass der Windstrom, der im Norden Deutschlands produziert wird, auch auf deutscher Seite weitergeleitet werden soll", sagt Dirk Manthey. "Das unterstreicht die Notwendigkeit des Baus der Uckermark-Leitung."

Auch im gerade entstehenden Umspannwerk Vierraden werden Phasenschieber eingebaut, die den natürlichen Weg des Stroms, den des geringsten Widerstands - was derzeit oft über das polnische Netz erfolgt - künstlich begrenzen können.

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