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Tattoos wirken nicht nur auf der Haut, auch tief darunter

Zwei Frauen aus Taiwan zeigen auf einerTattoo-Convention in Frankfurt am Main ihre Tattoos.
Zwei Frauen aus Taiwan zeigen auf einerTattoo-Convention in Frankfurt am Main ihre Tattoos. © Foto: dpa
Ina Matthes / 29.09.2017, 21:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Rose am Knöchel, Totenkopf auf dem Bizeps - und das Konterfei von Udo Lindenberg auf dem Rücken. Jeder Zehnte in Deutschland trägt ein Tattoo, behaupten Statistiker. Sich zur Leinwand zu machen, kann schick aussehen oder schiefgehen. Was nicht sichtbar ist: Die mit Tausenden Nadelstichen in die Haut gejagte Kunst wirkt tief darunter weiter. Blume, Schädel, Udo bleiben nicht, wo sie sind. Sie seilen sich in Teilchen aus der Haut ab und wandern - bevorzugt durch eine körpereigene Kanalisation, das Lymphsystem. Chirurgen fiel das zuerst auf. Sie stießen bei manchen Patienten auf schwarze Lymphknoten: Dort sammelten sich Reste der Tinte.

hat untersucht, wie sich Tinte durch den Körper schleust. Das wurde mit Röntgenstrahlen in Geweben verblichener Tattooträger ermittelt. Carbon Black oder das weiße Titandioxid, das zum Aufhellen benutzt wird, zählen zu den reisefreudigen Farbpartikeln. Aber auch Verunreinigungen aus den Farben wie Nickel sind unterwegs.

Das liegt daran, dass der Körper stets versucht, Eindringlinge wieder loszuwerden. Außerdem geraten die Chemikalien in die Mühlen des Stoffwechsels. Vermutlich spülte es sie nicht nur durchs Lymphsystem, sondern Teile des Arschgeweihs könnten auch in der Leber landen, oder in anderen Organen. Allerdings ist das sehr schwierig nachzuweisen. Noch hat das niemand geschafft.

Was richtet die Körperkunst im Untergrund an?  Von Nickel zum Beispiel ist bekannt, dass es Allergien auslöst. Tintenteilchen können im schlimmsten Fall die Lymphknoten verstopfen. Das wurde schon beobachtet, ist aber sehr selten. Steigern sie das Risiko für Allergien, für Krebs sogar? Es gibt den Verdacht, aber keine Klarheit. Dazu müssten über lange Zeit Studien mit vielen Bebilderten stattfinden.

Tiere können nicht als Ersatz herhalten: Tätowiertinte darf nicht an ihnen getestet werden - weil es sich um kein Medikament handelt. Warum sollten Tiere für den Verzierungsfimmel der Menschheit leiden? Also wird nur geschaut, ob in einer Mixtur riskante Stoffe stecken. Die tauchen dann in sogenannten Negativlisten auf. Umgekehrt wäre es für den interessierten Laien einfacher: "Es wäre sinnvoll, eine Positivliste für gesundheitlich unbedenkliche Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln aufzustellen", meint Dr. Peter Laux vom BfR. Solche Listen gibt es aber noch nicht.

Also lieber ohne Udo auf dem Rücken leben? Die Leidenschaft für bunte Haut begleitet die Menschheit seit Urzeiten. Schon Steinzeitmann Ötzi war ein Tätowierter. Südsee-Insulaner schreiben sich ihre Familiengeschichten auf den Körper. Tiroler Bauern zeichneten ihre Kinder, bevor sie sie in die Fremde zur Arbeit schickten, um sie später wiederzuerkennen. Experten raten, sich nicht nur für die Hygiene im Tattoostudio zu interessieren, sondern auch dafür, ob dort die Tätowiermittel-Verordnung bekannt ist und welche Stoffe in den  Tinten stecken. Das muss auf dem Etikett draufstehen, so ist es hier vorgeschrieben. Azo-Pigmente zum Beispiel sollte man meiden. Im Sonnenlicht zersetzen sie sich leicht, und die Zerfallsprodukte gelten als gesundheitlich bedenklich. Außerdem kann die Sonne die Stecherei verblassen lassen. Wer also schön und gesund bleiben will, versteckt seine Tattoos am besten unter langen Ärmeln und Hosen.

Fragen und Meinungen zu Nachgeforscht an: cvd@moz.de

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