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Medizintechniker Friedemann Gillert hat Nachfolger für sein Unternehmen gefunden / Jobs und Firmenname bleiben erhalten

"Die Chemie muss stimmen"

Vom Geschäftsführer zum fachlichen Leiter: Medizintechniker Friedemann Gillert tritt gewissermaßen in die zweite Reihe. Ehrenamtlich engagiert sich der Eberswalder unter anderem im Förderverein Hospiz.
Vom Geschäftsführer zum fachlichen Leiter: Medizintechniker Friedemann Gillert tritt gewissermaßen in die zweite Reihe. Ehrenamtlich engagiert sich der Eberswalder unter anderem im Förderverein Hospiz. © Foto: Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 01.11.2014, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Zwei Jahre lang hat Friedemann Gillert einen Nachfolger für die von ihm 1991 gegründete Firma gesucht. Jetzt hat er ihn gefunden. Das Netzwerk pro samed aus Berlin hat das Unternehmen Gillert Medizintechnik übernommen. Und mit ihm alle zehn Mitarbeiter.

Nein, an Rente denkt Friedemann Gillert noch lange nicht, wie der 62-Jährige sogleich versichert. Er arbeitet weiter in "seinem" Unternehmen. Nur eben nicht mehr als Inhaber und Geschäftsführer, sondern als eine Art Niederlassungsleiter. Fachlicher Leiter, so nennt er sich nunmehr offiziell. Geblieben ist trotz des Verkaufs der Firma der Name: Gillert Medizintechnik.

Vor zwei Jahren habe er begonnen, sich intensiv mit dem Thema Nachfolge zu beschäftigen. "Ich wollte es rechtzeitig angehen, auch um erst gar keine Unruhe aufkommen zu lassen", erklärt der Eberswalder Unternehmer. Der Ingenieur für Medizintechnik, der sich 1991 selbstständig gemacht hat, nutzte das Internet-Portal der Industrie- und Handelskammer IHK, die Online-Börse nexxt-change. Meldete sich dort an und bot sein Unternehmen an. "Es haben sich auch einige Interessenten gefunden und bei mir gemeldet", erinnert sich Gillert. Die Nachfrage war schon da. Allerdings kam keine diese Offerten zum Tragen.

"Es muss ja auch passen", beschreibt er die Schwierigkeiten. "Vom Spektrum, vom Unternehmen und natürlich menschlich." 2013 sprach er schließlich "spontan", wie Gillert sagt, Hartmut Gunkel, den Chef von pro samed an. Das Netzwerk - ein Unternehmensverbund im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen - ist in derselben Branche tätig, man kennt sich. Und "die Chemie stimmt". Vor allem aber: "Wichtig war mir, dass alle Mitarbeiter übernommen werden", nennt Gillert eine weitere Prämisse. Das Familienunternehmen Gunkel erfüllte diese. "Man darf sich nicht nur die Bilanzen anschauen, sondern muss das Unternehmen kennenlernen", beschreibt Hartmut Gunkel wiederum sein Herangehen. "Gillert Medizintechnik hat einen sehr guten Ruf in Berlin und Brandenburg", so der Geschäftsführer. Die Firma passe sehr gut in die Unternehmensgruppe, erweitere das Angebot. Insbesondere in Sachen Beatmung. Pro samed vereint ein Sanitätshaus sowie Apotheken in Berlin und Bernau. Die Gruppe beschäftigt laut Gunkel um die 180 Mitarbeiter.

Gillert Medizintechnik stelle eine "sinnvolle" Ergänzung zum eigenen Portfolio dar. "Einer unserer Schwerpunkte sind bislang Arzneimittel, Herr Gillert bringt die Expertise in puncto Medizintechnik mit. Und beide betreuen wir Patienten", so Gunkel. Eine perfekte Symbiose also, findet der Berliner.

Dem kann sich Friedemann Gillert nur anschließen. Zum einen sieht der Eberswalder "Vorteile durch das große Netzwerk", etwa beim Einkauf, zum anderen Vorteile in der Versorgung Schwerkranker. Eine noch höhere Spezialisierung bei gleichzeitiger Betreuung aus einer Hand. Kein Problem, jetzt nicht mehr selbst das Sagen zu haben? "Nein, ich habe mich ja lange innerlich auf die Übergabe vorbereitet", sagt Gillert. Überzeugt, den richtigen Schritt gegangen zu sein und den richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben.

Laut Sparkasse Barnim ist derzeit in mindestens jedem siebten Unternehmen die Frage der Nachfolge von "hoher Relevanz". Ab dem 50. Geburtstag spreche man das Thema gezielt gegenüber Firmenchefs an, heißt es. Was Gillert bestätigt. Denn: Ein Verkauf, eine Übergabe brauche Zeit. Mitunter vergehen für den Wechsel Jahre.

Zu den Kunden von Gillert Medizintechnik zählen neben Patienten auch Krankenhäuser, Pflegeheime, Wohngemeinschaften. "Wir sind vor allem auf dem Gebiet der sogenannten Care-Disziplinen sowie der Medizintechnik tätig", sagt Friedemann Gillert. Heißt: "Überall, wo Strom fließt oder sich etwas bewegt, das liefern wir", fügt er salopp hinzu. Sauerstoffgeräte, Trachealkanülen, Schmerzpumpen, Katheter, Pflegebetten - nennt Gillert nur einige Beispiele im apparativen Bereich. Das Spektrum reiche von der Wundversorgung über die Schmerztherapie und die Beatmung bis hin zur künstlichen Ernährung. Zum Service gehören ebenso die Einweisung der Pflegekräfte oder ein "Entlassungsmanagement in der Klinik". Dank der Fortschritte, so der Eberswalder, könne man heute auch Schwerkranken lange ein selbstbestimmtes, würdiges Leben zu Hause ermöglichen.

Unternehmensnachfolgebörse der IHK: www.nexxt-change.org

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