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Ein Konzert als Retrospektive

Mathias Puddig / 22.06.2012, 17:10 Uhr
Berlin (MOZ) Legende Lou: Vor 35 Jahren haben The Velvet Underground ihr Bananen-Album rausgebracht - so benannt nach dem von Andy Warhol designten Cover. The Velvet Underground sind Geschichte; Andy Warhol ist tot, ebenso Co-Sängerin Nico, die zwar nicht immer alle Töne traf, durch ihren Charme aber umso mehr zum Ruhm der Band als avantgardistische Musiker beitrug. Einzig Lou Reed hat immer weitergemacht. Er schrieb Songs, die Teil der Rockgeschichte wurden, und arbeitete mit den Großen des Business zusammen. Zuletzt veröffentlichte er mit Metallica das Konzeptalbum "Lulu". Am Mittwoch spielte Reed auf der Bühne der Zitadelle Spandau Hits aus seiner jahrzehntelangen Karriere.

"From VU to Lulu" ist die Welttournee überschrieben, und was sie bietet, ist eine nicht vollständige, aber repräsentative, in sich abgeschlossene Werkschau. Der Eindruck drängt sich auf, dass da künftig nicht mehr viel Neues zu erwarten ist. Kein Wunder: Lou Reed hat eine ausgiebige Drogenkarriere hinter sich und ist mittlerweile 70 Jahre alt. Dieses Alter, in dem andere - so auch sein Wegbegleiter David Bowie - sich in den Ruhestand zurückziehen, sieht man ihm deutlich an. Auf der Bühne war er inmitten seiner Band der Kleinste, die Gitarre ließ er sich von Roadies umhängen, auf Ansagen verzichtete er völlig. Reeds Gesten waren sparsam, nur selten spielte und sang er gleichzeitig.

Die Show übernahmen die neun Mitglieder der Band. Und die hatten so einiges zu bieten. Die undankbare Aufgabe der Backing-Vocals übernahm Allison Weiss, die sich natürlich nicht mit Nico messen konnte, dies aber auch gar nicht versuchte. Stattdessen lieferte sie solide ab, was die Songs von ihr verlangten. Dazu gab es E-Bass, Schlagzeug, mehrere Gitarren, außerdem einen Violinisten und einen Saxofonisten. Vor allem letzterer litt allerdings zu sehr unter dem breiigen Sound. Zwischendurch war er gar nicht zu hören - dafür machte er, wie auch die anderen Musiker, reichlich Action.

Der Sound war offenbar ganz auf die Stimme von Lou Reed abgestimmt. Sie übertönte stets alles. Das funktionierte auch ganz gut, schließlich leben Songs wie "I'm Waiting For My Man" und "Sunday Morning" von dieser unverwechselbaren Stimme. Lou Reed war zwar körperlich kaum noch präsent; oft sah es so aus, als stehe er nur noch daneben, während die anderen seine Songs performten. Doch dank seiner charismatischen und eingängigen Stimme machte er das alles wieder wett. Akustisch stand Reed im ungeteilten Mittelpunkt.

Und genau dies hat das Konzert zum Erlebnis gemacht: Auf der Haben-Seite hat Lou Reed eben immer noch diese unverwechselbare, ziemlich sexy Stimme, seine großartigen Songs und seine treuen Fans, von denen 3000 im mal mehr, mal weniger strömenden Regen in der Zitadelle ausharrten. Denen werden die Patzer beim Sound auch aufgefallen sein. Spätestens als Reed aber ganz zum Schluss der Zugabe "Sweet Jane" vom Velvet-Underground-Debütalbum anstimmte, war all dies, und sogar der andauernde Regen, vergessen.

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