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Die Branche erwartet eine Marktbereinigung - und die Preise steigen weiter

Fahrschulen
Branche steht vor einem Wandel

Berliner Ausbilder Walther Paulsen
Berliner Ausbilder Walther Paulsen © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 09.10.2017, 21:45 Uhr
Berlin (MOZ) Für die Politik galten Fahrschulen bislang als schwieriges Terrain. Die Branchenverbände sind zerstritten, was eine Reform des Fahrlehrerberufs über viele Jahre fast unmöglich machte. Auch die wirtschaftliche Situation der Anbieter driftet immer weiter auseinander. Während kleine Unternehmen vor schweren Zeiten stehen, bewerten große Fahrschulen mit mehreren Zweigstellen ihre Lage durchweg positiv.

Dies spiegelt sich in einer aktuellen Studie von Moving, der Europäischen Vereinigung der Fahrausbilder, wider. Darin wird prognostiziert, dass bis 2030 jede zehnte Fahrschule schließt und es künftig bundesweit nur noch 10000 Anbieter gibt. Schon jetzt ist die Lehrerschaft mit 53 Jahren überaltert; Nachwuchs ist kaum in Sicht. Laut der Erhebung verdient ein Fahrlehrer aktuell im Schnitt 2450 Euro, 700 Euro weniger als der Durchschnitt aller Berufsgruppen.

"Daher ist der Fahrlehrermangel unser größtes Problem", sagt Jörg-Michael Satz, Präsident von Moving dieser Zeitung. Zwar seien insgesamt 44000 Fahrlehrer registriert, "aber nur noch auf dem Papier", betont Satz. Ein Viertel besitze noch die Ausbildungsberechtigung, arbeite aber längst in einem anderen Job. Auch die Gesetzesnovelle, die ab Januar 2018 in Kraft tritt und mit der die Qualität der Fahrlehrerausbildung verbessert wurde, könne diesen Trend nicht stoppen. "Die Branche muss attraktiver werden", fordert Satz. "Gefragt sind gute Pädagogen, die auch die hohe Technikaffinität der heutigen Fahrschüler erfüllen können." Große Unterschiede gibt es auch bei den Führerscheinkosten. So werden für die Ausbildung im Süden Deutschlands im Schnitt 2055 Euro verlangt, in Ostdeutschland sind es 350 Euro weniger. Insgesamt seien die Preise seit 2016 um sechs Prozent gestiegen, berichtet Satz. "Und sie werden weiter steigen."

Die Fahrschulbranche steht vor einem Wandel, glaubt Gero Storjohann (CDU), Straßenverkehrsexperte der Unionsfraktion im Bundestag. "Es gibt aber unglaublich viele Geschäftsmodelle", sagt er. So müssten auch ältere Autofahrer auf die Digitalisierung vorbereitet werden - hier seien Experten notwendig, die die Innovationen erklären. "Manche behaupten, dass bald die letzten Führerscheine ausgegeben werden - das ist Quatsch", sagt Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor von "Z-punkt", einer Beratungsagentur für Zukunftsfragen. Vielmehr müssten durch den Siegeszug des automatisierten Fahrens neue Unterrichtsinhalte vermittelt werden. "Fahrlehrer können diese Entwicklung für sich nutzen. Aber sie bewegen sich zu wenig."

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