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Beliebt bei Groß und Klein - Birkholz lockt zum 100. Geburtstag Werner Klemkes mit ostdeutscher Buchkunst

Buchkunst
Ausstellung zu Werner Klemke

Witz und Schlagfertigkeit nah beieinander: Rosemarie Spies und Dieter Geldschläger amüsieren sich über Werner Klemkes Illustrationen.
Witz und Schlagfertigkeit nah beieinander: Rosemarie Spies und Dieter Geldschläger amüsieren sich über Werner Klemkes Illustrationen. © Foto: MOZ/Jana Reimann-Grohs
Jana Reimann-Grohs / 11.10.2017, 06:45 Uhr
Birkholz (MOZ) Wer kennt sie nicht: "Hirsch Heinrich", "Das Wolkenschaf", "Das Magazin" mit dem versteckten schwarzen Kater? Eine Ausstellung über den populären Illustrator Werner Klemke ist gegenwärtig im neu gebauten Gemeinschaftshaus Birkholz zu sehen. Hier will Kuratorin Rosemarie Spies für Kunst und Kultur begeistern.

Birkholz nimmt Fahrt auf. Zusammen mit dem Ortsvorsteher Dieter Geldschläger möchte die 89-jährige Jung-Kuratorin Kulturinteressierte "aus ihren Häusern locken" und steuert das zweite Ausstellungsprojekt an. Werner Klemkes Werk, er wurde am 12. März 1917 geboren, soll zum 100. Geburtstag auch im südlichsten Teil Bernaus gewürdigt werden.

Rosemarie Spies lebt hier seit 20 Jahren. Das Bestreben, mehr Gelegenheiten zur Zusammenkunft zu schaffen, möchte sie eigenhändig unterstützen: "Entweder man zieht sich zurück oder tut etwas." Und an Rückzug ist bei der kreativen Keramikerin lange nicht zu denken. Obendrein pflegt sie als ehemalige Berlinerin ganz besondere Beziehungen nach Weißensee, wo Prof. Klemke als Sohn eines Tischlers aufwuchs, seine vier Kinder zur Schule brachte und bis 1982 an der hiesigen Kunsthochschule unter anderem Holzstich, Buchgrafik und Typografie lehrte.Rosemaries Schwager war sogar mit Klemke befreundet - "ein anziehender Mann", wie sie ihn mit warmen Worten beschreibt. "Anspruchsvoll, aber bescheiden" und stets in "Grau-Blau" gekleidet habe sie den gelernten Trickfilmzeichner wahrgenommen. Über ihre Tochter ergab sich der Kontakt zur freischaffenden Grafikerin Christine Klemke, welche in der Tassostraße 21 seit 2006 ein offenes Atelier führt und bereitwillig Werke ihres Vaters zur Verfügung stellte.

Der große, schlanke Mann war ebenso als redegewandter Gesprächspartner geschätzt. Es gab Zeiten, über die Klemke nie sprach und einfach notwendige Hilfe leistete, wie sich später erst herausstellte: Als Wehrmachtssoldat in Holland fälschte er für hunderte Juden Lebensmittelkarten und Abstammungsnachweise. Jahrzehnte später wirkt er immer noch faszinierend. Tatsächlich gibt es heute auch zahlreiche Bücher über sein Leben. Ein Teil davon, arrangiert mit Fotos und Produktkopien, ist jetzt in Birkholz zu sehen.

Den Rest erfährt man vor Ort von Rosemarie. Sie kann schlecht gehen, sprüht jedoch vor Energie beim Erzählen. Antiquare aus ganz Deutschland stellten ihr kostenlos Material zur Verfügung: "Alle Bücher konnte ich nicht erjagen, gerade seine ersten Werke fehlen noch", bedauert sie schlagfertig.

Klemke selbst lehnte den Begriff "Künstler" ab und sah sich eher als "Gebrauchsgrafiker". "Er betrachtete Kinder als kleine Erwachsene", betont die Kuratorin. In seiner inhaltlichen Arbeit beschränkte sich der Zeichner ungern. Ob Filmplakate, verzierte Lampenschirme, illustrierte Zeitschriften und Buchumschläge oder Bühnenbilder und Kostüme. Sein offen karikativer Humor blieb unverwechselbar und stand immer an erster Stelle. Allein 423 Titelbilder schuf er für das "Das Magazin". Als er den schwarzen Kater darauf einmal nicht mit zeichnete, waren die Leute wohl sehr empört: "Er war sein Maskottchen." Und Klemke war einer von ihnen, "ein richtiger Berliner und Arbeiter", erzählt sie mit leuchtenden Augen. In einfachen Verhältnissen groß werdend, habe er versucht, Texte mit viel Charme anschaulicher werden zu lassen. Leider lese heutzutage keiner mehr, bedauert sie - "ist wohl aus der Mode gekommen", witzelt die alte Dame. Wie gut, dass die Charakterbilder bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Schließlich wollte die Kuratorin "etwas zeigen, das alle Leute interessiert".

Seit Ausstellungseröffnung haben etliche Einwohner reingeschaut. Sogar ein Sponsor aus Thalheim wollte sehen, was aus den Bemühungen geworden ist, den Klemke zu ehren und an die nächste Generation weiter zu vermitteln. Rosemarie Spieß freut sich, die nächsten zwei Wochenenden noch möglichst viele Besucher zu empfangen. Mit der außerordentlichen Persönlichkeit Werner Klemke scheint die Brücke zur kulturellen Entwicklung in Birkholz geschlagen. "Es wäre schön, wenn wir im Jahr bis zu vier Ausstellungen machen können", meint Dieter Geldschläger. Dies sei erst der Anfang. Bewegen tut sich jetzt schon einiges. Im Haus wird ein Kinder- und Jugendzimmer eingerichtet, neben Vereinsveranstaltungen finden Gymnastik- und Yogakurse statt. Bis 22. Oktober ist die Ausstellung sonnabends und sonntags jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Filmvorführung (holländische Produktion) bildet den Abschluss und es werden Bücher verschenkt. Zuvor sollte man sich allerdings in ein eigens dafür ausgelegtes Buch eingetragen haben.

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