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Neue Waffen, neue Westen, neue Helme - Polizei rüstet sich im ganzen Land für mögliche terroristische Angriffe

Polizei-Ausrüstung
Einer Kalaschnikow Paroli bieten

Potsdamer Streifenpolizisten agieren jetzt auch als Erstinterventionskräfte bei Terrorismusgefahr. Dafür wurden sie unter anderem mit einer MP7 ausgestattet.
Potsdamer Streifenpolizisten agieren jetzt auch als Erstinterventionskräfte bei Terrorismusgefahr. Dafür wurden sie unter anderem mit einer MP7 ausgestattet. © Foto: MOZ
Mathias Hausding / 11.10.2017, 08:16 Uhr - Aktualisiert 20.10.2017, 14:43
Potsdam (MOZ) Als Reaktion auf Terroranschläge wie in Paris Ende 2015 hat Brandenburg beschlossen, seine Polizei neu aufzustellen. Die Ausrüstung der Beamten mit Spezialtechnik ist in vollem Gange, neue Maschinenpistolen inklusive.

"Wenn wir morgen plötzlich eine Terror-Lage in Cottbus haben, kann in einem Flächenland wie Brandenburg nicht sofort das Spezialeinsatzkommando da sein." So begründete Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke kürzlich jene Maßnahmen, die in bislang sieben Inspektionen so weit umgesetzt sind, dass bei Terror-Alarm, einem Amoklauf oder ähnlichen Akten schwerer Kriminalität rund um die Uhr sogenannte Erstinterventionskräfte ausrücken können.

Dabei handelt es sich um ganz normale Streifenpolizisten in einem VW-Transporter T6 mit Spezialtechnik und Zusatzausbildung. Wie das konkret aussieht, konnte diese Zeitung jetzt in Potsdam begutachten, wo die Teams seit Anfang Oktober einsatzbereit sind. "Bis jetzt hatten mir zum Glück noch keinen entsprechenden Einsatz", sagt Sebastian Gerber*, 24 Jahre alter Polizeikommissar. "Aber wenn es dazu kommen sollte, fühle ich mich gut vorbereitet und sicher."

Waffe, Weste und Helm - das sind die wichtigsten, wenn auch nicht die einzigen Neuerungen. So wurden bislang 850 Brandenburger Polizisten an der neuartigen MP7 der Firma Heckler & Koch ausgebildet, wie Thomas Ballerstaedt, Leiter der Arbeitsgruppe Erstinterventionskräfte bei der Polizei, berichtet.

Sebastian Gerber ist voll des Lobes über die MP7. "Sie ist einfach zu bedienen und arbeitet sehr präzise. Das ist bei einem stressigen Einsatz wichtig", sagt er. Im Vergleich zur Vorgängerin MP5 hat die neue Maschinenpistole ein optisches Visier, das das Zielen auch unter schwierigen Bedingungen einfacher macht. Die Zeiten von Kimme und Korn sind also vorbei. Beide Augen können beim Zielen offen bleiben. Beim Blick durch den Sucher markiert ein leuchtender roter Punkt im Visier das Ziel.

Ganz bewusst verzichtet hat man hingegen auf ein Laservisier, das direkt auf das Ziel einen roten Punkt wirft. "Wenn zwei Beamte im Einsatz sind, würde da Verwechslungsgefahr drohen", erklärt Ballerstaedt. "Welcher Punkt ist nun meiner?"

Für die MP7 spricht außerdem ihre Reichweite von 150 statt bisher 50 Metern. Was die Durchschlagskraft der 4,6-Millimeter-Vollmantel-Geschosse angeht, sollen die Beamten damit bis zum Eintreffen des SEK einer von Terroristen bevorzugten Kalaschnikow Paroli bieten und auch leichtere Schutzwesten durchschlagen können.

Die neuen Westen der Einsatzkräfte sind massiver und größer als die bisherigen, reichen vom Hals bis zu den Oberschenkeln, um die jeweiligen Hauptschlagadern zu schützen. Schlüpft man als Laie in diese elf Kilo schwere Rüstung, spürt man durchaus ihr immenses Gewicht, fühlt sich aber tatsächlich gut gepanzert und doch weiterhin sehr beweglich.

Gleiches gilt für den fast zwei Kilogramm schweren Splitterschutzhelm aus Titan. Mit dessen Anschaffung ist Thomas Baller-staedt auch deshalb so zufrieden, weil sich sein Vorgängermodell jüngst im Ernstfall bewährt habe: "Bei einer Schießerei in einer Disco in Konstanz Ende Juli hat der Helm einen Beamten erfolgreich gegen einen Volltreffer am Kopf geschützt."

Noch wartet Brandenburg allerdings auf die neuen Helme. Wegen der bei Sicherheitsorganen europaweit großen Nachfrage gibt es Lieferengpässe. "Wir rechnen aber jeden Tag damit, dass die Bestellung bei uns eintrifft", betont Thomas Ballerstaedt.

Ganz komplett ist die Ausrüstung damit noch nicht. Ein Augenschutz für die Helme wird ebenso noch angeschafft wie ein Paket für den medizinischen Notfall. Es wird dann verteilt, wenn die Erstinterventionskräfte in den kommenden Monaten die besondere Ersthelfer-Ausbildung absolviert haben. Auch Schulungen für den taktischen Häuserkampf stehen auf dem Programm. Insgesamt 1000 Polizisten sollen bis 2019 die drei Ausbildungsmodule absolvieren, also Schulung an der neuen Waffe, Einsatztaktik und medizinische Ersthelferausbildung.

Polizeipräsident Mörke erklärte bereits im Sommer, dass die Neuausrichtung "einen riesigen Aufwand für unsere Behörde und für die Fachhochschule der Polizei in Oranienburg bedeutet". An der Notwendigkeit der Schritte ließ Mörke keinen Zweifel: "Ich habe die Menschen in diesem Land zu schützen. Die Polizei nimmt ihre Verantwortung wahr."

(*Name geändert. Weil sie bei besonders sensiblen Einsätzen dabei sind, wollen die Beamten anonym bleiben.)

Inspektionen


■ Derzeit gibt es die Erstinterventionskräfte in sieben der 16 Polizeiinspektionen in Brandenburg - in Oder-Spree/Frankfurt, Oberhavel, Uckermark, Spree-Neiße/Cottbus, Brandenburg/Havel, Potsdam sowie am Flughafen Schönefeld.
■ Aktuell sind für die sieben Inspektionen je 30 Beamte an der Waffe ausgebildet, sodass rund um die Uhr jeweils vier Kräfte im Dienst sind. Bis 2019 sollen nach und nach alle Inspektionen entsprechend ausgestattet werden. (mat)

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