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Pflegekräfte des Klinikkonzerns GLG klagen über akute personelle Engpässe / Unternehmen startet Initiative

Pflege-Notstand
Banger Blick auf den Dienstplan

Freier Tag gestrichen? Ausfälle bei Schwestern und Pflegern machen die Dienstplanung auf den Stationen schwierig.
Freier Tag gestrichen? Ausfälle bei Schwestern und Pflegern machen die Dienstplanung auf den Stationen schwierig. © Foto: Hans Wiedl
Viola Petersson / 12.10.2017, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) "Starke Pflege 2020" - unter diesem Titel startet der regionale Gesundheitskonzern GLG kommende Woche in seinen Kliniken in Barnim und Uckermark eine Initiative, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Im Fokus stehen vor allem die Arbeitsbedingungen.

Gleich mehrere demente Patienten auf der chirurgischen Station, eine Mannschaft, die aufgrund der Urlaubszeit eh schon dezimiert ist, dann fallen plötzlich auch noch zwei Schwestern aus, krank. Und wieder mal ist der Dienstplan Makulatur. Wer kann kurzfristig einspringen?

Viele Pflegekräfte fühlen sich schlicht überlastet, klagen überPersonalnotstand auf den Stationen, über inakzeptable Arbeitsbedingungen bei steigenden Anforderungen. Pflege am Limit, mitunter schon darüber hinaus. Christiane Reinefeldt, Pflegedirektorin in der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), dem regionalen Unternehmensverbund, räumt ein: Der akute Personalausfall sei im Rahmen der Initiative "Starke Pflege 2020" eine Kardinalfrage. Hänge doch von der Besetzung auf den Stationen die Patientenversorgung ab und in hohem Maße eben auch die Motivation der Mitarbeiter.

GLG-Geschäftsführer Jörg Mocek bestätigt beim Pressegespräch diese Woche: Ja, es gibt "gravierende Probleme" in der Pflege. Die Ursachen dafür lägen aber nicht im Stellenplan, da sei die GLG im nationalen Vergleich gut aufgestellt, und auch nicht in der Stellenbesetzung. Aktuell gibt es laut Reinefeldt bei 1300 Pflegekräften lediglich 16 offene Stellen. "Die Rahmenbedingungen stimmen. Ebenso wie die Zahlen", will Mocek betont wissen.

Indes: Trotz "guter Stellenbesetzung" ist "oft das Personal nicht in der erforderlichen Stärke und Qualifikation auf den Stationen", konstatiert Reinefeldt. Die Engpässe müssten also andere Ursachen haben, ergänzt Mocek. "Und deshalb unterstützt die Geschäftsführung die Initiative der Pflegedirektion ausdrücklich." Im Rahmen von "Starke Pflege 2020" sind die Pflegekräfte in allen Kliniken und Einrichtungen der GLG aufgerufen, den Problemen auf den Grund zu gehen, Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu machen und Ideen zu entwickeln.

In puncto Personalsituation und akute Ausfälle jedoch, davon ist Reinefeldt überzeugt, komme man allein mit eigenen Analysen nicht ans Ziel. "Hier werden wir uns professionelle Hilfe holen." Soll heißen: Die GLG beauftragt eine externes Büro, eine Unternehmensberatung. Derzeit werde dafür die europaweite Ausschreibung vorbereitet. Manchmal bedürfe es halt eines Blickes von außen. Vor allem, so die Pflegedirektorin, wenn es dann an die Lösung, an die Umsetzung ginge. Gegebenenfalls, so eine erste Überlegung, müssten in den Krankenhäusern entsprechend ihrer Spezifik beispielsweise Arbeitszeiten angepasst werden.

Die GLG-eigene Initiative selbst will bis 2018 für jede Klinik einen Maßnahmekatalog erarbeiten und die einzelnen Vorschläge mit Prioritäten versehen, umreißt Reinefeldt den Fahrplan. Dass der Konzern Geld in die Hand nehmen muss, um das ein oder andere Projekt zu realisieren, ist der Geschäftsführung bewusst. "Im Rahmen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit werden wir natürlich weiter in die Pflege investieren", versichert Mocek.

Bereits in den vergangenen Jahren habe die GLG einiges unternommen, um die Pflege zu stärken. Reinefeldt verweist auf die Erweiterung der Ausbildung, auf unbefristete Arbeitsverträge für Absolventen, auf Fortbildungen oder die Untersuchung von Kündigungsgründen. Demografischer Wandel, Veränderungen in der Patientenstruktur (immer schwerere Fälle und demenzielle Begleiterkrankungen) sowie gesundheitspolitische Entwicklungen erfordern weitere, innovative Schritte, so die Pflegedirektorin.

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