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Sag mir, wo die Aale sind

Hinein ins Wasser: Im Jahr 2006 wurden tausende Aale in den Werbellinsee ausgesetzt. Foto: GMD/Thomas Burckhardt
Hinein ins Wasser: Im Jahr 2006 wurden tausende Aale in den Werbellinsee ausgesetzt. Foto: GMD/Thomas Burckhardt © Foto:
HSTILLN / 31.07.2008, 08:06 Uhr
Eberswalde Neben Fußball gehört das Angeln zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Barnim. Die seit 2006 geltende Friedfischregelung hat dem Sport noch mehr Anhänger beschert. "Der Barnim hat gute Seen, hier lohnt es sich zu angeln", weiß z.B. Otto Franz. Seit 1968 ist er Leiter des Bewirtschaftungskollektives, das sich um den Besatz in den Seen und Fließgewässern kümmert. Dazu gehören auch Aale, die sich in der Region zunehmend rar machen.

Die Spur der Aale ist geheimnisvoll, aber mehr und mehr versuchen Wissenschaftler, Licht ins Dunkel zu bringen. Zu ihnen gehört auch Erik Fladung vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. Er wartet derzeit täglich auf Fangmeldungen. Sein Interesse gilt speziellen Aalen, die bereits im Oktober 2007 bei Zehdenick in die ausgebaute Havel ausgesetzt wurden. 55 Zentimeter und länger sind die 50 Tiere, die mit einem Sender versehen wurden. Weitere 50 Aale kamen bei Ketzin ins Wasser. "An der Bauchunterseite, in der Nähe des Afters, gibt es eine zwei Zentimeter lange Operationswunde. Wer einen solchen Aal fängt, melde sich doch bitte beim Institut", so Fladung.

25 Euro zahlt das Institut für jeden besenderten Aal, der nicht im Kochtopf landet sondern dem Institut gemeldet wurde. Hintergrund des Versuchs ist die Tatsache, dass das Aalaufkommen Jahr für Jahr geringer wird. Für die besenderten Aal wurden sogar sieben Emfangsstationen errichtet, um die Wanderschaft der Versuchstiere zu dokumentieren. "Wir rechnen zwar damit, dass die Zehdenicker Aal über Havel und Elbe in Richtung Nordsee wandern, aber über den Oder-Havel-Kanal könnten sie theoretisch auch die Ostsee erreichen. Allerdings haben wir im Kanal oder in der Oder keine Empfängerstationen", so Fladung.

Erst sieben der einhundert Aale haben den Untersuchungsraum verlassen. Für Fladung ein deutliches Anzeichen darauf, dass eine Theorie zumindest ins Wanken gerät. "Es hieß immer, Blank- aale wandern innerhalb weniger Wochen ab, das war in unserem Versuch bislang nicht so." Warum auch immer die laichreifen Aale in der Region geblieben sind, in diesem Jahr sind durch die Anstrengungen verschiedener Akteure wieder zehntausende Aale nachgesetzt worden.

Wie die Zahlen für den Barnim aussehen, weiß der Eberswalder Otto Franz, der seit vier Jahrzehnten genau sagen kann, welcher Fisch in welches Gewässer eingesetzt wurde. "Ich war am 28. März 1968 Mitbegründer der Barnimer Fischereigenossenschaft, wir kümmern uns zusammen mit dem Landesanglerverband aktiv um den Besatz mit Fischen."

Wie Otto Franz versichert, besitzt der Barnim Seen und Fließgewässer mit außerordentlich gutem Besatz aller Fischarten. "Allein durch das EU-Programm für die Elbe sind 2008 im Barnim knapp 300 Kilogramm Aal ausgesetzt worden", berichtet Franz. Allein 100 Kilogramm kamen in den Oder-Havel-Kanal, den Finowkanal und den Werbellinkanal. Dann wurden ausgewählte Gewässer bedacht. Da wären beispielsweise der Übersee, die beiden Buckow-Seen oder auch der Mäckersee. "Das waren Satz- und Farm- aale, alle zwischen 200 bis 300 Gramm schwer", so Franz. Auch vor dem EU-Elbeprogramm für Aale wurde übrigens gut nachgesetzt, jährlich zwischen 40 und 60 Kilogramm, versichert der Fachmann. Wie viel Zeit für die Bestandspflege und -kontrolle nötig ist, kann beispielsweise Lothar Settekorn ermessen. Der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes Barnim (Eberswalde) gehört zum Team um Otto Franz, das an 22 Wochenenden des Jahres mit einem Boot, mit Netzen und einem Elektrogerät zum Bestandsfischen unterwegs ist. Jährlich kommen sogar 2000 Stunden beim Bewirtschaftungskollektiv zusammen.

Erst am letzten Wochenende fuhren die Männer den Oder-Havel-Kanal zwischen Finowfurt und Marienwerder ab, allerdings bekamen sie nur zwei Aale zu sehen. "Sag mir, wo die Aaale sind. Wir haben ja nun im Frühjahr tausende Aale eingesetzt, etwas überrascht waren wir schon vom Ergebnis", gestand Settekorn hinterher ein. Um endlich wieder mehr Gewissheit über den Aalbestand zu bekommen, unterstützt er das Anliegen des Instituts für Binnenfischerei nachdrücklich. "Der Angelsport erlebt wieder einen Aufschwung und ist zunehmend beliebter. Viele Friedfischangler beködern ihren Haken mit Würmern, sie könnten damit also auch Aale fangen. Darum bitten wir alle Angler beim Fang eines besenderten Aals, diesen dem Institut zur Verfügung zu stellen."

Wie Settekorn bestätigt, gehen auch in diesem Jahr Tages- und Wochenkarten weg wie warme Semmel. 145 Tageskarten und 84 Wochenkarten verkaufte allein der KAV. Daneben bieten Angelgeschäfte und Tourismusstellen die Karten an. Auch die Zahl der Mitglieder in den Anglervereinen steige wieder an, da über die Friedfischangelei neue Mitglieder gewonnen werden. "Die Vorbehalte gegen diese Regelung sind restlos verschwunden. Die Friedfischangler zahlen eine Fischereiabgabe, davon profitieren auch die Anglerverbände. Sie können wiederum mehr Geld in den Besatz investieren. Außerdem verhalten sich die meisten Angler absolut korrekt am See."

Wer einen besenderten oder farblich gekennzeichneten Aal fängt, sollte diesen einfrieren und sich beim Institut für Binnenfischerei, Im Königswald 2, 14469 Potsdam bei Erik Fladung oder Janek Simon melden. Telefon über 033201- 4060.

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