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Rüdersdorfer Geburtshelferin löst bei Gesundheitskonferenz in Kruge Diskussion aus

Debatte
Nein zur Amtshebamme

Bachelorarbeit: Manuela Nickel sprach über Ergebnisse ihrer Befragung
Bachelorarbeit: Manuela Nickel sprach über Ergebnisse ihrer Befragung © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 14.10.2017, 06:28 Uhr
Kruge (MOZ) Der Landkreis will dazu beitragen, die Situation der Hebammen zu verbessern. Das hat der Erste Beigeordnete Friedemann Hanke (CDU) bei der Gesundheitskonferenz am Donnerstag in Kruge zugesichert. Die Idee einer Amtshebamme stieß dagegen nicht auf Gegenliebe.

"Es ist Bewegung in das Thema gekommen. Die Politik hat erkannt, dass es so nicht weitergehen kann", sagte Amtsarzt Steffen Hampel, der zusammen mit seiner Mitarbeiterin Lisa Hoffmann die Gesundheitskonferenzen organisiert und den Hebammen erneut einen Beitrag widmete. Die Hebammen werden zu schlecht bezahlt. Hebammen, die Geburtshilfe leisten, müssen darüber hinaus hohe Haftpflichtbeiträge bezahlen, so dass die Ausgaben fast höher sind als die Einnahmen.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei die Eröffnung der Hebammenschule in Eberswalde, wo pro Jahrgang 15 Frauen zusätzlich zu jenen in Cottbus ausgebildet werden. "Das ist aber keine sofortige Lösung", so Hampel. Denn die Schule habe erst begonnen und die Frauen brauchen mindestens drei Jahre, bis sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Manuela Nickel, seit 25 Jahren Hebamme in Rüdersdorf, zuerst am Krankenhaus, dann freiberuflich, hat bei ihrer Bachelorarbeit Wöchnerinnen aus dem Landkreis Märkisch-Oderland im August befragt, inwieweit sie nach der Geburt ihres Kindes die Betreuung durch eine Hebamme wünschen. Die Ergebnisse und ihre Schlüsse daraus trug sie bei der Konferenz im Kulturhaus Kruge vor.

Frauen aus Märkisch-Oderland entbinden in der Regel in Strausberg, Rüdersdorf, Eberswalde, Frankfurt oder aber in Berlin. Von 125 ausgebenen Fragebögen kamen 69 zurück. Das Gros der Frauen war zwischen 26 und 35 Jahre alt, die meisten hatten schon ein oder zwei Kinder. 58 Frauen (85 Prozent) hätten den Wunsch angegeben, im Wochenbett von einer Hebamme betreut zu werden. Zehn Prozent der Frauen hätten Absagen bekommen, weil die Hebammen überlastet seien, erläuterte Manuela Nickel. 20 Prozent der Frau mussten sogar bei mehr als zehn Hebammen nachfragen bis sie eine bekamen. Dieser Mangel sei der Situation der Hebammen geschuldet. "Fällt eine Hebamme aus oder wird krank, dann hängen die Frauen in der Luft,weil sie keinen Ersatz finden", erklärte Manuela Nickel. Problem sei, dass es schwierig sei, überhaupt eine Hebamme zu finden, weil es keine offiziellen Listen gebe.

"Viele Kolleginnen wollen nicht mehr in der Geburtshilfe arbeiten, weil sie Angst vor Haftungsansprüchen haben", schilderte sie die Lage. In der Ausbildung bleibe die Erfahrung auf der Strecke "Ich hatte in einer großen Klinik 150 Geburten bis zum Examen, viele haben jetzt nur noch 20", erklärte sie.

"Wir brauchen junge Kolleginnen, die die Arbeit in den Kreißsälen durchführen", appellierte sie. Sogar Chefärzte hätten zurzeit Schwierigkeiten, Hebammen zu finden, die im Angestelltenverhältnis arbeiten. Geburtsvorbereitungskurse gebe es immer weniger, weil sie zu schlecht vergütet werden. Deshalb übernehmen andere Berufsgruppe wie Physiotherapeuten diese Aufgabe, die dann aber die Frauen aus eigener Tasche bezahlen müssen. "Wir müssen uns um unseren Berufsstand sorgen machen, weil ihm immer mehr Aufgaben entzogen werden", so die Hebamme.

Die Idee, die Manuela Nickel entwickelt hat, sei die einer Amtshebamme, die Anfragen von Schwangeren entgegennimmt, als Koordinatorin fungiert und die Suche nach einer Hebamme erleichtert. Denn die Hebammen selbst seien mit ihrem Tagesprogramm ausgelastet.

Friedemann Hanke zeigte sich skeptisch, dass ein zentraler Punkt wirklich die Probleme bereinigt. "Wir haben nach der letzten Konferenz ausgiebig diskutiert und es gab Bereitschaft seitens des Landkreises, der Sparkasse und der Kommunen, die Hebammen finanziell und mit Räumen für Kurse zu unterstützen", sagte Hanke. Seither habe sich jedoch keine Hebamme beim Landkreis gemeldet. Carola Koppitz vom Krankenhaus Märkisch-Oderland lehnte eine zentrale Stelle ab, sie schaffe nur Begehrlichkeiten. Die Lücken werde künftig die Hebammenschule in Eberswalde füllen.

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Simone Heyer 14.10.2017 - 20:39:00

Hebammenschule soll Mangel ausgleichen?

In solchen Umbruchzeiten für den Hebammenberuf, den ich selbst auch ausübe, zu hoffen, daß eine neu gegründete Hebammenschule den akuten Fachkräftemangel ausgleicht, ist schlichtweg Utopie! Die derzeitige Ausbildung in D beträgt z.Zt. noch 3 Jahre, wird aber in den nächsten 2 Jahren auf einen universitären Weg gebracht, der dann 5 Jahre dauern wird, abgesehen von den Schwierigkeiten, mit denen die Schule schon im Vorfeld zu kämpfen hat ( ungenügend Dozentinnen mit unzureichender Erfahrung, fehlende Praxisanleiterinnen in den Ausbildungskreißsälen,...) ehrlich gesagt, tun mir die sicher hochmotivierten jungen Frauen leid, die davon ausgehen, perfekt ausgebildet zu werden und wir "Alten" können darüber nur den Kopf schütteln. Manuela Nickel hat in diesen Punkten völlig recht, wenn sie sagt, daß wir mit unserem alltäglichen Aufgaben schon völlig überlastet sind und sie Angst um unseren Berufsstand hat! Die Aussage des Hr.Hanke, daß sich auf das Angebot des LK keine Hebammen gemeldet hätten, hängt ja auch damit zusammen, daß selbst bei unentgeltlichen Räumen die Kurse vollbesetzt sein müssen, um +/- 0 rauszukommen und das geht selbst als Hebamme nicht, da wir alle auch Familien mit zu ernähren haben und unser Beruf nicht unser Hobby ist!!! Jeder Unternehmer wird das verstehen. In diesem Sinne werden wir weiter um unseren Beruf kämpfen und damit auch für die jungen Familien in MOL.

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