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Diskussion zu AfD-Wahlerfolgen in Frankfurt / Viadrina-Dekan Jürgen Neyer appelliert an Pendler

Debatte
"Brauchen mehr Studenten, die hier leben"

Debattierten über die AfD und Frankfurt (Oder): Jürgen Neyer (v.l.), Robin Kendon und Frank Hühner
Debattierten über die AfD und Frankfurt (Oder): Jürgen Neyer (v.l.), Robin Kendon und Frank Hühner © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 19.10.2017, 06:54 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) 21,9 Prozent der Frankfurter Wähler stimmten am 24. September für die AfD. Doch warum schnitt die Partei in der Oderstadt so gut ab? Und wie sollte die Stadtgesellschaft auf den Rechtsruck reagieren? Eine öffentliche Diskussion an der Europa-Universität versuchte sich am Mittwoch den Fragen zu nähern. Dazu eingeladen hatte das Viadrina Institut für Europa-Studien (IFES). Neben Politikwissenschaftler Jürgen Neyer saßen mit Robin Kendon und Frank Hühner auch zwei Vertreter von in Frankfurt ansässigen Projekten für mehr Demokratie und gegen Rechts auf dem Podium.

"Die allermeisten AfD-Wähler sind nicht rechtsextrem", meint Robin Kendon vom Mobilen Beratungsteam. Rechtskonservative Ansichten seien kein Problem sondern hätten in einer funktionierenden Demokratie ihren Platz. Das gelte jedoch nicht, wo Grenzen des Grundgesetzes überschritten, wo Rassismus und Intoleranz ein Nährboden bereitet werde, so Kendon. Problematisch sehe er, dass die AfD zunehmend von politisch-strategisch denkenden Rechtsextremen untersetzt sei, was sich auch im Parteiprogramm widerspiegele.Von der Lokalpolitik ebenso wie von der Verwaltung fordert er daher, mehr gegen den "Investitionsstau in Sachen Demokratie" zu unternehmen. Das heißt, viel stärker in den Stadtteilen präsent zu sein, auf die Bürger zuzugehen und Probleme aufzugreifen.

Jürgen Neyer - Dekan an der kulturwissenschaftlichen Fakultät - redete den Angehörigen seiner Universität erneut ins Gewissen. Die Viadrina müsse viel mehr dafür tun, um als konkretisiertes Versprechen einer liberalen, demokratischen, offenen Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Eine Forderung: "Wir brauchen dringend mehr Studierende, die hier vor Ort leben. Die Pendelei nach Frankfurt ist ein Riesenproblem." Doch dafür müssten auch Anreize gesetzt werden. Initiativen wie die geplante Gründerwerkstatt oder die Sanierung des Ferdinandshofes seien ein Anfang, aber nicht genug. Der Platz vor dem Audimax etwa "ist eine Katastrophe. Der muss umgebaut, ein Ort der Begegnung werden. Wir müssen den Campus so weiter entwickeln, dass die Leute hier bleiben wollen." Die Viadrina habe es "sträflich vernachlässigt", ein gelebtes, besseres Beispiel abzugeben - nur so erreiche man auch diejenigen, die sich dem Gespräch verweigern.

Frank Hühner - Koordinator des Lokalen Partnerschaftsprojekts für Demokratie - ergänzte, dass ebenso in Schulen und Betrieben der Stadt Demokratie und Mitbestimmung stärker als bisher gelebt werden sollten. "Die offene, freie Gesellschaft muss in vielen Bereichen erfahrbar sein."

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Ralf Cornelius 19.10.2017 - 18:03:45

Falscher Weg

Interessante Theorie: Man verdünnt einfach die angestammte Bevölkerung und hofft so auf ein genehmeres Stimmungsbild. Wenn die Studierendschaft nicht will, könnte man ja auch einen Teil der Ureinwohner umsiedeln, nach Polen beispielsweise... Aber im Ernst, vielleicht sollte doch Ursachenforschung betrieben werden, anstatt mit kruden Ideen nur die Symptome zu bekämpfen. Gefühlt dreht sich in der Stadt ohnehin doch alles um die Uni. Acht Mio für die alte Mensa, um die zwei für ein Gästehaus das nicht wirklich voll zu sein scheint (Georgenhospital). Und nun wird für studentisches Wohnen noch ein eigener Komplex erschaffen (Ferdinandshof). Die nächsten zehn Mio. Und während die Elite von morgen weiter nach Berlin pendelt, warten Senioren hier bis zu vier Jahre auf Plätze im Service Wohnen. Viele erleben das dann gar nicht mehr. Das macht schlechte Stimmung. Da hilft auch die Verjüngung des Blutes nicht.

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