Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Privat veranlasste Genprobe sorgt für Ärger zwischen dem Umweltministerium und Hamburger Wissenschaftlern

Mischlinge
Hund oder Wolf?

© Foto: dpa
Harriet Stürmer / 19.10.2017, 09:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Was ist dran an der Befürchtung, dass durch Brandenburg nicht nur reinrassige Wölfe streifen, sondern auch gefährliche Mischlinge zwischen Wolf und Hund? Das Umweltministerium hat der These von Hybriden eine Abfuhr erteilt. Hamburger Wissenschaftler halten dagegen.

Wenn es um Fragen der Wolfsgenetik geht, hat das wildtiergenetische Labor am Senckenberg-Institut in Gelnhausen (Hessen) zweifelsfrei die größte Kompetenz bundesweit. Jedes Jahr untersuchen die Wissenschaftler dort rund 200 Wolfsproben aus Deutschland und anderen Ländern. Mithilfe von Haaren, Kot, Speichel- oder Blutspuren führen sie DNA-Analysen durch und erlangen so Kenntnisse über Wanderbewegungen, Populationszugehörigkeit und den Hybridisierungsgrad der Tiere.

Im Zuge seines Wolfsmonitorings schickt auch Brandenburg regelmäßig Genproben nach Gelnhausen - in den vergangenen zehn Jahren etwa 1100. Mehr als 300 Wölfe seien identifiziert worden, heißt es in einer aktuellen Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage des Linke-Landtagsabgeordneten Thomas Domres. "Dabei konnten bisher keinerlei Hinweise auf das Vorkommen von Hybriden festgestellt werden."

Manche Jäger bezweifeln, dass es sich bei Brandenburgs Wölfen ausschließlich um reinrassige Tiere handelt. Sie verweisen darauf, dass sich ungewollte Begegnungen zwischen Wolf und Mensch mehren und die Tiere dem Menschen dabei mitunter bedrohlich nahe kommen. Das neugierige Verhalten sei hundeähnlich und ein klares Indiz dafür, dass es sich um Mischlinge aus Wolf und Hund handelt, sagt Dirk Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes (LJV).

Mischlinge werden in der Regel aus der Natur entfernt, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Eine höhere Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, heißt es im Umweltministerium.

Dem widerspricht Wellershoff. Hybriden neigten durchaus zu aggressivem Verhalten, warnt er. Zugleich stellt er die These auf, dass es sich schon bei den Wölfen, die sich Anfang der 2000er-Jahre in der Lausitz angesiedelt haben, nicht um reinrassige Tiere handelte. Das Senckenberg-Institut würde DNA-Proben aber mit ebenjener neuen Wolfsgenetik aus der Lausitz vergleichen.

Das Umweltministerium stellt nun in seiner Antwort klar, dass die Senckenberg-Wissenschaftler Referenzproben von Haushunden und Wölfen aus diversen Herkunftsregionen heranziehen. Das Labor verfüge neben den deutschen Proben über einen Bestand von mehreren Hundert Referenzproben von Wölfen etwa aus Estland, Polen, Rumänien, Bulgarien, Skandinavien, Italien und Kasachstan sowie aus diversen Gehegehaltungen. Selbst historisches Material aus Museen wird in Gelnhausen untersucht.

Aber auch andere Labore befassen sich mit Wolfsgenetik. Als im Sommer ein Schafhalter in Groß Eichholz (Dahme-Spreewald) über Wolfsrisse klagte, stellte ein Jäger Wolfshaare im Zaun sicher und schickte sie zur Genprobe an ein Hamburger Institut. Ergebnis: "Die durchgeführte Analyse zeigt die größte Übereinstimmung mit der Gruppe der Hütehunde. Es zeigt sich zusätzlich ein erhöhter Wolfsanteil mit genetischen Übereinstimmungen zum Timberwolf und Wölfen der baltischen Population." Dass die Probe eindeutig einem Hybriden zuzuordnen sei, stellt das Labor jedoch nicht fest.

Das Ministerium schreibt in seiner Antwort auf Domres Anfrage nun, dass die Untersuchung mit einer sogenannten Assoziationsanalyse erfolgt sei, bei der eine sichere Identifizierung von Wolf-Hund-Hybriden nicht möglich ist. "Der Ansatz ist demzufolge noch nie für valide wissenschaftliche Untersuchungen zur Unterscheidung von Wolf-Hund-Hybriden verwendet worden."

Dem widerspricht das Hamburger Labor vehement. Es gebe zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, in denen ebendiese Methode beschrieben wird, heißt es in einer Stellungnahme. Das Ministerium stelle offensichtliche und beabsichtigte Fehlinformationen dar. Gleichzeitig scheine das Ministerium keinerlei Interesse daran zu haben, eine objektive und ehrliche Antwort abzugeben. Das Hamburger Labor fordert zeitnah eine Korrektur.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG