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Der Landkreis Oder-Spree ist übersät mit "weißen Flecken" / Über 1600 Meldungen in der Region

Technik
Funklöcher wie Sand am Meer

Thomas Sabin / 01.11.2017, 07:25 Uhr
Beeskow (MOZ) Die Netzabdeckung in Brandenburg ist ein flächendeckendes Problem. Ein Blick auf die Karte offenbart das Ausmaß. Mangelnde Netzabdeckung gibt es auch im Landkreis Oder-Spree.

"Es macht mir große Angst, weil man in der Not auf sich allein gestellt ist. Ich finde es wichtig, dass Leute auf dem Dorf in solchen Fällen nicht von der Welt abgeschnitten sind. Darum muss sich gekümmert werden", schildert Angelika Herrmann, 63, aus Schwenow ihre Sorgen. Grund für ihre Aufregung: die fehlende Netzabdeckung in Kombination mit einem Sturm wie "Xavier" der zuletzt über das Land fegte. "Auch das Festnetz fiel an diesem Abend weg. Eine Frau saß in ihrem Auto zwischen zwei umgestürzten Bäumen fest. Wäre Schlimmeres passiert, hätte niemand Hilfe rufen können", sagt Angelika Herrmann.

Auf der Homepage www.funkloch-brandenburg.de, initiiert von Dierk Homeyer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag, können Funklöcher von jedem gemeldet werden. Auf der Heatmap (Diagramm zur Visualisierung von Daten) entsteht dann ein Punkt. Je öfter Personen Funkstille vom selber Ort melden, desto intensiver wird der Fleck auf der Karte.

"Handyempfang", so Dierk Homeyer, "gehört heute zur Daseinsfürsorge. Dort, wo Menschen leben, muss es auch eine Netzabdeckung geben", lautet seine Forderung. Angelika Herrmann aus Schwenow teilt diese Einstellung und ist damit nicht allein. In Pfaffendorf zum Beispiel wohnt Heidi Lehmann, Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins. Mit Problemen der Netzabdeckung im Dorf und auf der Route B168 kennt sie sich aus. "Mit T-Mobile und Vodafone geht es inzwischen bei uns. Wer E-Plus oder O2 hat, kann, wenn er das Dorf erreicht, sein Handy direkt ausschalten. Da geht nichts mehr", sagt sie. Fährt man Richtung Fürstenwalde oder Rietz-Neuendorf, sei der Empfang ebenfalls weg, so Heidi Lehmann. "Auf dem Sofa funktioniert es bei den meisten, unterwegs sieht es schon wieder anders aus."

Die Bundesstraßen werden auf der Karte allein durch die "weißen Flecken" erkennbar. Viele Menschen sind dort täglich unterwegs. Marco Haupt, Fahrdienst-Koordinator Beeskow der Johanniter, findet: "Hier in der Region ist das ganz schlimm. Es ist egal, welches Netz man hat, Probleme tauchen immer auf." Seine Arbeit werde dadurch stark beeinflusst. Ganz besonders problematisch sei es in der Gegend Diensdorf-Radlow oder zwischen Beeskow und Bad Saarow. Als er jüngst einen Werbespot mit einem Slogan zur besten Netzabdeckung des Landes sah, sei er vor Lachen fast zusammengebrochen. Im Landkreis Oder-Spree beweisen 1649 gemeldete Funklöcher, dass Handlungsbedarf besteht.

Fakten und Zahlen


■ Ein Funkloch ist ein Bereich, in dem eine Verbindung zwischen Sender und Empfänger nicht möglich ist.
■ Funklöcher entstehen hinter Hindernissen durch elektromagnetische Störungen, in Gebäuden, Tunneln oder Parkhäusern.
■ Im Land Brandenburg wurden 23 237 Funklöcher gemeldet (Stand: 30. Oktober 2017).
■ Nur in den Kreisen Prignitz-Ruppin (1823), im Havelland (1951) und Potsdam-Mittelmark (3171) wurden mehr Funklöcher, als im Kreis Oder-Spree gemendelt.

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