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Die ägyptische Germanistin Aya Khalaf Amer arbeitet  für drei Monate im Frankfurter Kleist-Museum

Austauschprogramm
Zwischen Kleist und Pflaumenkuchen

Dem Werk Kleists verschrieben: Die ägyptische Germanistin Aya Khalaf Amer ist fasziniert von der anspruchsvollen Sprache in den Werken des Dichters.
Dem Werk Kleists verschrieben: Die ägyptische Germanistin Aya Khalaf Amer ist fasziniert von der anspruchsvollen Sprache in den Werken des Dichters. © Foto: René Matschkowiak
Frauke Adesiyan / 02.11.2017, 06:20 Uhr - Aktualisiert 02.11.2017, 09:43
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die 24-jährige Germanistin Aya Khalaf Amer hat die 28-Millionen-Stadt Kairo für drei Monate gegen Frankfurt getauscht. Hier arbeitet sie im Rahmen eines Austauschprogramms der Unesco im Kleist-Museum.

Wenn Aya Khalaf Amer etwas Deutsches in Frankfurt kennengelernt hat, dann ist es Pflaumenkuchen. Ob in ihrer WG, bei Einladungen ins Café oder auf Arbeit im Kleist-Museum, überall bekommt die junge ägyptische Germanistin Pflaumenkuchen angeboten. Das erzählt die 24-Jährige in geschliffenem Deutsch und mit einem Blick, der ihren Witz verrät.

Seit September und noch bis Ende November arbeitet Aya Khalaf Amer im Kleist-Museum. Über ein Unesco-Programm hat sie sich für den kulturellen Freiwilligendienst beworben. Dass sie im Frankfurter Kleist-Museum landen würde, hat sie nicht geplant, der Einsatzort passt aber perfekt. Denn Kleist hatte die Germanistin schon früh lieben gelernt. Nach zwei Jahren Schul-Deutsch hat sie sich an der Ain Shams Universität in ihrer Heimatstadt Kairo für Germanistik eingeschrieben. Als besonders gute Schülerin ist sie für ein Semester vom Deutschen Akademischen Austauschdienst nach Hamburg geschickt worden, hat zurück in Ägypten als Klassenbeste ihren Abschluss gemacht und sich weiter auf deutsche Literaturwissenschaften spezialisiert.

Als nach einem anstrengenden Auswahlverfahren bei der Unesco die Mail kam, dass man sie ausgerechnet ins Kleist-Museum schicken würde, hat das Aya Khalaf Amer sehr gefreut.  Mit Kleists Gedicht "Das letzte Lied" hatte sie einmal einen Wettbewerb im Vortragen gewonnen, später im Deutschkurs in Hamburg hat sie den "Zerbrochenen Krug" gelesen. Dabei waren nur wenige Jahre zuvor ihre einzigen deutschen Worte "Ich liebe dich". Doch es ist gerade die Sprache, in der nichts zufällig ist, die die Ägypterin fasziniert. Die seitenlangen Sätze, die schönen Bilder. "Das ist einfach unglaublich", gerät Aya Khalaf Amer ins Schwärmen.

Für das Kleist-Museum hat sie bisher Listen erstellt, welche Texte Kleists schon ins Arabisch übersetzt wurden und welche arabischen Wissenschaftler über welche Aspekte Kleist-Forschung betreiben. "Viele Ägypter interessieren sich dafür", berichtet sie und wundert sich ein bisschen darüber, dass man das in Deutschland erstaunlich findet.

Auch in ihrem Alltagsleben hat sie sich schon über manches gewundert, das ihr in den vergangenen Wochen begegnet ist. Zunächst sei ihr Frankfurt vor allem klein vorgekommen. "Aber mir kommen auch alle deutschen Großstädte klein vor", lacht sie. Schließlich leben in ihrer Heimatstadt Kairo 28 Millionen Menschen. Für sie als ruhigen Menschen sei Frankfurt aber perfekt, vor allem liebt sie die Spaziergänge an der Oder. In ihrer Wohngemeinschaft mit Viadrina-Studenten hat sie sich erst an die Mülltrennung und den Putzplan gewöhnen müssen. Ansonsten genieße sie aber die freie Atmosphäre, die sie hier empfindet. Nur ihre Familie - ihren Vater, ihre sechs Geschwister und deren Kinder - vermisst sie.

Einen richtig großen Erfolgsmoment hat die junge Frau mit dem vom Kopftuch eingefassten runden Gesicht zum Abschluss der Kleist-Festtage erlebt. Sie hatte sich daran beteiligt, die Novelle über Michael Kohlhaas komplett vorzulesen. "Danach sind ganz viele zu mir kommen und waren schockiert, wie gut ich Deutsch spreche", erzählt sie und strahlt. Es ist das größte Kompliment, das man ihr machen kann. Und so sagt sie über ihre Vorstellungen, was in zehn Jahren sei, dass sie dann in Ägypten an der Universität andere von ihrem Fach begeistern will. "Und ich hoffe, dass meine deutsche Sprache dann perfekt sein wird."

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