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Rest des Lehnshofs steht auf Förderfläche für Wohnungsbau / Unterschriftenaktion gestartet

Kultur
Ehepaar kämpft für Scheune

Letzter Zeuge des Kageler Lehnsgutshofes: die alte Scheune. Ein Ehepaar kämpft für ihren Erhalt.
Letzter Zeuge des Kageler Lehnsgutshofes: die alte Scheune. Ein Ehepaar kämpft für ihren Erhalt. © Foto: MOZ/Manja Wilde
Manja Wilde / 03.11.2017, 07:08 Uhr - Aktualisiert 03.11.2017, 09:44
Kagel (MOZ) "Unser Dorf Kagel muss ein Dorf bleiben dürfen. Keinen Abriss der Lehngutsscheune und Wegnahme der einzig verbliebenen ehemals bäuerlichen Fläche am Klöthchengraben." Ein A4-Blatt, überschrieben mit dieser Forderung, hängt am schwarzen Brett des Grünheider Ortsteils Kagel. Die Verfasser, Michael und Hildegard Vera Kaethner, rufen damit zu einer Unterschriftensammlung zum Erhalt der Scheune auf der Freifläche gegenüber dem Bürgerhaus auf.

"Wir haben schon rund 70 Unterschriften zusammen", sagte Michael Kaethner am Donnerstag. Die Listen lägen bis Mitte des Monats bei Fischer Lupe und in der Straußenfarm aus. Das Ehepaar reagiert mit der Aktion auf die Empfehlung des Ortsbeirats, das 1,9 Hektar große Areal im Rahmen der "Wohnungspolitischen Umsetzungsstrategie" der Gemeinde Grünheide als Fördergebiet für sozialen Wohnungsbau auszuweisen - sechs Mehr- sowie Einfamilienhäuser könnten darauf entstehen.

"Kein Kommentar", lautet die erste Reaktion von Ortsvorsteher Norbert Niche zur Unterschriftenaktion. "Der Ortsbeirat hat sich eindeutig positioniert", fügt er an. Andererseits verweist Niche darauf, dass im Haushaltsansatz 2018 Geld für den Erhalt der Scheune ist. "Wir investieren doch nicht, um ein Jahr später abzureißen", betont er. Man könne das Grundstück ja bebauen, ohne die Scheune abzureißen. Aktuell nutzt der Bauhof das Gebäude. Salz und Marktstände lagern darin.

Die Scheune hat eine lange Geschichte. Und sie steht an einem historischen Ort. Sie ist das letzte Überbleibsel des Lehnsgutes. Der frühere Vierseithof entstand vor mehr als 500 Jahren. Er war eng mit der ab 1230 eingerichteten Nebenstelle des Klosters Zinna verbunden.

"Nachdem das Kloster 1230 das Land auf dem Barnim zum Lehen bekam, verwalteten die Mönche es von Kagel aus ", sagt Elisabeth Turowski, die Vorsitzende des Heimatvereins. An der heutigen Straße An der Stege entstand die Nebenstelle des Klosters. Der nahe Gutshof wurde vom Kloster betreut. Später verlagerten die Mönche ihre Verwaltung nach Rüdersdorf, wo sie vom Kalkstein profitierten. Die Bedeutung Kagels nahm für sie ab. Um 1550 übernahm der Lehnsvogt dann die Verwaltung des Ortes. "Da die Klostergebäude verschwunden sind, ist dort die älteste, erhaltene Verwaltungsstelle des Ortes", sagt Elisabeth Turowski.

Um 1900 befand sich sogar eine Privatschule für schwer erziehbare adelige Jungen im Gutshaus. Ihre Internatszimmer hatten die Jungen in der Scheune. Die anderen Gebäude wurden vor rund 15 Jahren abgerissen. Die Scheune erfuhr mehrere Umbauten. "Sie hatte Türmchen und andere Fenster", weiß die Vereinsvorsitzende.

Dass die Unterschriftenaktion auf die Bedeutung hinweist, begrüßt Elisabeth Turowski. "Auch wenn es keine konkreten Abrisspläne gibt, ist es gut, das im Hinterkopf zu haben und zu überlegen, wie man das Gelände entwickeln kann."

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