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Heimat am Rande von Berlin

Petershagen-Eggersdorf: Drehen, drucken und fertig ist der Linolschnitt mit Motiven des alten Petershagen. Beim Fest am Büdnerhaus wollten viele einen Druck aus dem Nachlass des Handwerkers Rudolf Resemann mitnehmen, dessen Linolschnittplatten nun Vereins
Petershagen-Eggersdorf: Drehen, drucken und fertig ist der Linolschnitt mit Motiven des alten Petershagen. Beim Fest am Büdnerhaus wollten viele einen Druck aus dem Nachlass des Handwerkers Rudolf Resemann mitnehmen, dessen Linolschnittplatten nun Vereins © Foto: MOZ Gerd Markert
Josephin Hartwig / 06.07.2015, 05:44 Uhr
Hönow (MOZ) In der Siedlungserweiterung des Hoppegartener Ortsteils Hönow stieg die Zahl der Einwohner stetig an. Trotzdem mussten in den vergangenen Jahren einige kleine Läden schließen.

Zwischen dem Weidenweg und der Hoppegartener Straße befindet sich das Zentrum der Siedlungserweiterung. In der Straße Am Grünzug haben sich die meisten Geschäfte angesiedelt, doch in den vergangenen Jahren mussten einige schließen. Obwohl die Einwohnerzahl stetig angestiegen ist - 1990 lebten in Hönow 2200 Menschen, in diesem Jahr sind es 9467 -, müssen Einzelhändler schließen. Und das, obwohl sich die Hönower mehr Infrastruktur wünschen würden. "Hier müssten mehr Geschäfte hin", sagt Jessica Baumann, die seit 2013 mit ihrem Beautysalon "Fingerspitzengefühl" selbstständig ist. "Für mich hat es sich absolut gelohnt, nach Hönow zu gehen", sagt sie dennoch. Neben Nagel-Design bietet sie auch Sugaring (Haarentfernung mit Zuckermasse), Wimpernverlängerungen und andere kosmetische Behandlungen an. Derzeit plant sie sogar die Vergrößerung ihres Ladens.

Ihre Kundin Manuela Schröder von Berga lebt seit acht Jahren in Hönow. Sie gehört zum festen Kundenstamm von Jessica Baumann. "Ich bin eigentlich Berlinerin, so fühle ich mich auch immer noch. In Hönow ist man einsam", sagt die 62-Jährige. Sie sei nie richtig angekommen.

Anders ist es bei Heike Seifert. Wenn sie sich in der Ulmenstraße umsieht, kann sie es kaum fassen, wie sehr sich Hönow in den vergangenen Jahren verändert hat. Vor 17 Jahren zog sie mit ihrem Mann von Berlin dorthin. "Als wir uns in der Großstadt immer wieder nach mehr Wohnfläche umsehen mussten, weil alle paar Jahre ein Kind dazukam, entschieden wir uns, nach Hönow zu ziehen", sagt sie. Die Entscheidung habe die Familie nie bereut. In Hönow fühlen sie sich zu Hause, inmitten des vielen Grün. "Ich konnte meine Kinder zum Spielen nach draußen schicken, ohne mir Sorgen zu machen. Das wäre in Berlin nicht möglich gewesen." In der Ulmenstraße kennen sich die Nachbarn. Die Ruhe sei es, die viele in den Ort gezogen habe. Heike Seifert arbeitet in dem Wohnstift, das nur ein paar Meter von ihrem Reihenhaus entfernt ist. "Hier herrscht eine idyllische Atmosphäre und wir sind schnell in Berlin. Es gibt natürlich auch viele Pendler, die den meist mehr als einstündigen Arbeitsweg auf sich nehmen", sagt sie. Viele Menschen, die damals zeitgleich mit Familie Seifert nach Hönow zogen, seien inzwischen nah am Rentenalter. "Die Stille hier, das Haus abbezahlt - das ist einfach schön. Keine Sorgen und entspannt in Richtung Rente schauen, das ist es, was wir hier leben." Nach und nach habe sie verfolgt, wie Reihenhäuser hinzukamen und sich der Ort veränderte. Eine große Fluktuation sieht die Hönowerin nicht, viele bleiben.

In der Hauptreisezeit unterscheidet sich die Siedlungserweiterung jedoch kaum von einer Großstadt. Viele verreisen, die Straßen leeren sich. Damit kennt sich Sonja Heinrich aus, Büroleiterin des Reisebüros Thomas Cook in der Straße Am Grünzug. Durch das Pflegestift in Hönow sei das Publikum eher älter und Kreuzfahrten wie ans Mittelmeer beliebt. Doch auch nach Spanien und in die Türkei ziehe es die Leute. "Es geht auch viel Richtung Norwegen, an die Fjorde raus, und an die Ostsee", sagt Sonja Heinrich. Was zunähme, seien individuelle Reisen, wie mit dem Mietwagen durch Kuba oder auf einem Segelschiff an der Küste Lateinamerikas entlang. Durchgängig arbeiten drei Mitarbeiter in dem Reisebüro, die auch die Theaterkasse betreuen.

Sonja Heinrich beobachtet die Entwicklung in Hönow seit Jahren mit großem Interesse. "Als wir 1998 in das Gebäude zogen, haben wir noch auf ein Feld geschaut", sagt sie. Das Wohnhaus, in dem sich das Reisebüro befindet, sei eines der Ältesten. Doch das schnelle Wachstum ringsum sei vor allem bei den Alteingesessenen nicht so gut angekommen. "Die finden es nicht gut, dass mehr Menschen in Hönow leben, aber die Infrastruktur kaum nachzieht", sagt Sonja Heinrich. "Busse fahren zum Beispiel nach wie vor nur im Stundentakt - das ist zu wenig, wenn die Bewohner auch zum Einkaufen fahren wollen." Einige Geschichten von Menschen, die in Hönow ihr Glück suchten, sind gut ausgegangen. Loretta Scheibe von "Lorettas Kosmetik und Fußpflege" hat sich in Hönow ihren Traum vom eigenen Geschäft erfüllt. "Es ist mein erster eigener Laden. Ich bin sehr zufrieden", sagt sie. Über Bekannte hatte sie 2013 den Tipp bekommen, dass Senioren-Wohnungen gebaut würden. Die Hoppegartenerin zögerte nicht lange und mietete sich in dem Neubau Am Grünzug ein. Doch neben ihrem Geschäft ist der Leerstand unübersehbar. An manchen Schaufenstern kleben Zetteln mit den Zu-Vermieten-Angeboten. Den Backshop Bienenstich gibt es nicht mehr. Nur das Bild einer Biene erinnert noch an den vormaligen Mieter.

Die Anfänge der Ortsgeschichte Hönows reichen zurück bis zur Besiedlung durch die Wenden. Im 13. Jahrhundert bauten askanische Markgrafen eine Siedlung, die in den Jahren 1375 bis 1377 im Landbuch Karls IV. aufgenommen wurde. Um 1245 kam Hönow endgültig und dauerhaft zur Mark Brandenburg.

Während der Hussitenkriege 1432 und im Dreißigjährigen Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Ort zerstört. Das Hönower Schloss wurde schwer beschädigt und musste nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen werden. Das Schloss war im Auftrag von Friedrich Anton Dotti Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden. Dottis Bruder Georg Leopold bewohnte in Neuenhagen ein ähnliches Gutshaus. Als einziges älteres Bauwerk hat die spätromanische Kirche in Hönow überlebt.

Die ersten Hönower lebten von der Landwirtschaft. 1953 wurde eine LPG gegründet, die die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen übernahm. Seit 1995 werden auf den brachliegenden, vormals landwirtschaftlich-genutzten Feldern Wohnsiedlungen mit Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern errichtet.

Heute gliedert sich Hönow in die drei Abschnitte Hönow-Nord, Hönow-Siedlungserweiterung und Hönow-West.

Am Grünzug herrscht am Vormittag noch kein buntes Treiben. Hin und wieder spaziert jemand die Straße entlang, geht zum Arzt oder Friseur. Wie eine etwa 80-jährigen Spaziergängerin. "Ich bin mit meiner Schwester hergekommen und nun ist sie überraschend gestorben und ich bleibe allein zurück", sagt sie mit zitternder Stimme. Die Enttäuschung ist groß. "Wir wollten zusammen alt werden und jetzt laufe ich alleine durch die Straßen."

Sie würde niemandem raten, nach Hönow zu ziehen, der kein soziales Netz hat. Beim Rundgang durch die Siedlungserweiterung und im Gespräch mit jüngeren Zuzüglern wird jedoch klar, dass sie durchaus eine Zukunft in Hönow sehen und eine Heimat am Rande von Berlin gefunden haben.

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