Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Deutschland und Europa
Ein gemeinsames Haus

Hans-Peter Pohl (r.) setzt voll und ganz auf das Haus Europa.
Hans-Peter Pohl (r.) setzt voll und ganz auf das Haus Europa. © Foto: Passow
Silvia Passow / 10.11.2017, 16:34 Uhr - Aktualisiert 10.11.2017, 17:20
Falkensee (MOZ) 9. November. Das gewählte Datum war kein Zufall. 1918 Novemberrevolution, 1938 Reichspogromnacht, 1989 Fall der Berliner Mauer. Über Deutschlands Rolle in Europa, diskutierten im Lise-Meitner- Gymnasium junge und jung gebliebene Menschen. Eingeladen hatte die Europa Union. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Europäischen Akademie.

Volles Haus im Lise-Meitner-Gymnasium in Falkensee. Interessierte Männer und Frauen, unterschiedliche Biografien und Erfahrungen, Zeitzeugen und Jugendliche, welche die oben genannten Ereignisse nur aus den Geschichtsbüchern und Erzählungen der Eltern und Großeltern kennen.

Bevor es in die Diskussion ging, eröffnete Hans-Peter Pohl (CDU), hier in seiner Funktion als Vorsitzender der Europa Union Havelland, die Veranstaltung. Die Europa Union zählt in Deutschland etwa 17 000 Mitglieder. Sie ist die größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland. Sie agiert überparteilich und unabhängig. "Wir möchten Europa hier im Havelland erlebbar machen", fasst Pohl sein Anliegen, wie auch das Thema der Veranstaltung zusammen. Unterstützt wird er dabei von Weronika Priesmeyer-Tkocz (Moderation) von der Europäischen Akademie und Hans-Ulrich Benra, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Europa Union Brandenburg.

Benra setzt mit seinem Impulsvortrag Akzente für die nachfolgende Diskussion. Er beginnt mit seinen eigenen Erlebnissen am Tag des Mauerfalls. "Eine ganz besondere Situation. Der Hauch der Historie wurde spürbar." Er spricht von der Wiederherstellung der deutschen Einheit, friedlich und ohne Blutvergießen als Kern der Europäischen Idee. "Deutschland in der Mitte Europas. Die deutsche Geschichte ist somit auch europäische Geschichte", erklärt er. Er erinnert an die Novemberpogrome, an Mord und Brandschatzung, an einen "industriell betriebenen Völkermord. Die Antwort auf diese Verbrechen kann nur ein starkes Europa sein." Benra spricht von der Notwendigkeit einer europäischen Verfassung. Und der Sorge vor zunehmend populistischen Strömungen. Zuletzt die Frage in den Raum: "Gibt es eine europäische Öffentlichkeit?"

Die gibt es. Sie sitzt im Raum verteilt und lässt sich nicht lange bitte. Breit gefächert sind die Beiträge, reichen von ganz persönlichen Erfahrungen bis zu konkreten Vorstellungen, Ängsten, Sorgen und Kritik an der Europäischen Union. Groß ist die Sorge vor populistischen Tendenzen und Strömungen in Deutschland und der EU. "Diese Entwicklung macht mir Angst," erklärt einer der Besucher. "Wir müssen die europäische Vision hochhalten." Ein Anderer: "Ich bin Zeitzeuge. Ich bin besorgt um die Tendenzen auf dem gesamten Globus. Wir müssen diesen nationalistischen Kräften entgegentreten." Eine weitere Stimme: "Eine Partei die nicht für Europa ist, ist nicht wählbar."

Wie aber sehen die Besucher Europa? "Viele Menschen bekommen die Ziele Europas nicht auf die Reihe," sagt einer. Eine andere Besucherin spricht sich für die Union aus, gibt aber zu bedenken: "Die Länder müssen eine gewisse Eigenständigkeit behalten. Wir sind alle anders." "Die Vielfalt erhalten und doch alles unter ein Dach bringen," erklärt auch ein Anderer. Dazu ein junger Besucher: "Ich sehe meine Identität nicht in der Verwaltung." "Die Menschen haben die Vorteile der EU verstanden," erklärt ein anderer. "Die Jugend kann Europa voranbringen und die wollen das auch." Die These wird von einer jungen Besucherin untermauert. Sie sagt: "Aus der Jugend tritt eine Pro-Europa Stimmung heraus."

Es gibt auch kritische Stimmen. "Die wachsende Einkommensschere sorgt für wachsende Unzufriedenheit," gibt ein Herr zu bedenken. Ein junger Besucher verweist mit seinem Gedanken auf die wirtschaftliche Lage in Griechenland. "Die EU wird manchmal als wirtschaftlicher Arm der Nato missbraucht," erklärt er. Ein anderer: "Die Globalisierung bringt die Menschen aus dem Gleichgewicht." "Bei allen Veränderungen, besonders auch im Bereich der Digitalisierung, darf es keine Überforderung geben," stimmt auch Hans-Peter Pohl zu. "Evolutionär, nicht revolutionär," beschreibt er den Prozess.

Und was genau ist Europa? Das sagten die Gäste: Freiheit, soziale Gerechtigkeit, Integration, Toleranz, Potenzial, Vielfalt erhalten, Frieden, Einheit, Zusammenhalt, Reisen, Aufklären, alle zusammen, ein gemeinsames Haus. Das gemeinsame Haus hat vielschichtige Bewohner. Große Erwartungen, Träume, Wünsche, vieler unterschiedlicher Menschen. Aber es bietet auch Platz - ist ja ein großes Haus.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG