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Interview mit Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe zur Ankündigung, dass sein Ort und Neuenhagen Mittelzentrum werden

Bürgermeister
"Zusammen sind wir stärker"

Margrit Meier / 11.11.2017, 07:30 Uhr
Hoppegarten (MOZ) Ab 2020 sollen Neuenhagen und Hoppegarten als gemeinsames Mittelzentrum agieren. Das steht im zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplans Hauptstadftregion (LEP HR). Was das für Hoppegarten bedeuten würde, darüber sprach Margrit Meier mit Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke).

Herr Knobbe, was bedeutet diese Entscheidung für Ihre Gemeinde?

Neuenhagen und Hoppegarten haben dann gemeinsam beste Chancen, das Mittelzentrum zu entwickeln. Es gibt einfach mehr Synergieeffekte und es gab bisher Dinge, die Neuenhagen allein objektiv nicht stemmen konnte. Ein zwölf Jahre dauernder Prozess führt nun zu einem guten Ergebnis. Ich freue mich sehr.

Was meinen Sie damit?

Großflächiger Einzelhandel ist da so ein Thema. Neuenhagen hat die Flächen nicht. Wir aber schon. Und auch beim ÖPNV war es bisher territorial schwierig, in Neuenhagen Veränderungen herbeizuführen. Denn jeder weiß, dass die meisten doch den S-Bahnhof Hoppegarten nutzen. Ein weiteres Thema ist die ärztliche Versorgung. Umgekehrt hat Neuenhagen einiges, was wir nicht bieten können. Da wäre das staatliche Gymnasium auf eigenem Territorium, da sind das Bürgerhaus und das Freibad. Zusammen sind wir stärker - das ist ein Motto, das wir nun gemeinsam besser verfolgen sollten und können. Zusammen kann man die Aufgaben, die ein Mittelzent-rum hat, besser schultern. Was mich freut, ist, dass unsere großen Unternehmen wie Hellweg, Clinton und Pflanzen-Kölle nun Planungssicherheit haben. Stellen Sie sich vor, wäre eines dieser großen Häuser etwa einem Brand zum Opfer gefallen, hätten sie nicht wieder aufgebaut werden dürfen. Diese Unternehmen und auch Künftige haben nun eine gesicherte Perspektive.

Wie geht es denn nun weiter?

Ich hoffe sehr, dass es noch in diesem Jahr ein erstes Gespräch mit Bürgermeister Jürgen Henze gibt, in dem wir langfristig überlegen, wie wir die Verantwortung künftig verteilen, was wir gemeinsam machen und entwickeln wollen.

Welche Ideen haben Sie da?

Wir sollten in Ruhe schauen, welche Flächen wir künftig für den großflächigen Einzelhandel entwickeln wollen und können. Mir fallen da spontan zwei ein. Zum einen die Fläche mit den Ruinen neben Pflanzen-Kölle am Ende des Bollensdorfer Weges, aber auch das Areal, von der Autobahn kommend vor der Tankstelle in Hönow, direkt an der L 33. Weitere Flächen sind möglich, da müssten wir aber erst den Flächennutzungsplan ändern.

Läuft Hoppegarten dann nicht Gefahr, übergangslos Berlin zu werden?

Die Frage ist berechtigt. Da muss tatsächlich in Ruhe und mit Bedacht geschaut werden, wo was passieren soll und wo eben nicht. Wir sind und werden aber eine Gemeinde mit stadtnahem Siedlungsgebiet bleiben. Meines Erachtens ist es richtig, an den beiden Hauptachsen B 1/5 und L 33 weiter voranzukommen. Wir haben aber keine fertigen Pläne im Schubfach. Es gab lediglich Investoren- und Interessentengespräche. Bislang kamen wir als Mittelbereichskommune da nicht vorwärts. Das war allein dem Mittelzentrum Neuenhagen vorbehalten.

Was könnten aus Hoppegartener Sicht weitere Themen sein?

Ich denke da an den ÖPNV. Wir haben als Mittelzentrum einfach bessere Argumente in der Hand, um darauf zu dringen, dass die Taktzeiten bei der S-Bahn, die zwischen 9 und 13 Uhr auf 20 Minuten verlängert wurden, dann wieder in den Zehn-Minuten-Takt kommen. De facto ist der Bedarf da, aber dann hätten wir auch noch ein Papier in der Hand, mit dem wir unsere Funktion unterstreichen könnten.

Wie sieht es bei der ärztlichen Versorgung aus? Ortsvorsteher Christian Klahr hat sich an die Kassenärztliche Vereinigung mit dem dringenden Hinweis gewandt, es fehle in Hönow an Kinder- und Allgemeinarzt.

Wir bauen gerade unser Gesundheitszentrum aus und um und verbessern so die ärztliche Versorgung. Das Hönower Arztproblem ist ein Altes. Wir haben leider kein Recht, so etwas einzufordern, können dann aber mehr auf unsere Funktion verweisen.

Es gab mal einen Kooperationsvertrag zwischen Neuenhagen und Hoppegarten, der aber nie zum Tragen kam. Wollen Sie den reaktivieren?

Das genau wäre ideal. Denn da standen sehr konkrete Dinge drin, wo und wie die beiden Gemeinden zusammenarbeiten können. Ich will mich jetzt nicht dazu äußern, warum der Vertrag aufgekündigt wurde. Fakt aber ist, dass er eine gute Basis ist. Es gibt so viele Bereiche in unseren beiden Verwaltungen, die man konzentrieren könnte. Beim Standesamt funktioniert das ja schon, aber ich denke da zum Beispiel auch an den Bauhof. Auch die Kapazitäten im Hoch- und Tiefbau fallen mir da ein. Und vor allem auch die gegenseitige Hilfe, wenn es personell dünn wird. Unsere Rathäuser liegen so eng zusammen, dass es für manchen Neuenhagener einfacher wäre, nach Hoppegarten zu kommen und umgekehrt. Wir haben sehr gute Ausgangsbedingungen uns relativ rasch dem praktischen Verwaltungshandeln zu widmen.

Wird auch die Schwimmhalle nun besser vorankommen?

Natürlich werden wir dieses Thema weiter im Blick behalten. Mittelzentrum werden wir aber erst 2020. Bis dahin begleiten wir die Machbarkeitsstudie, die jetzt von Neuenhagen in Auftrag gegeben wird. Es wird uns künftig leichter fallen, über den Standort zu sprechen, wenn beide Gemeinden Mittelzentrum sind.

Haben Sie mehr Argumente in der Hand, dass der zweite Bauabschnitt der L 33 in Hönow Richtung Berlin angepackt wird?

Jein. Ich werde mich erkundigen, wann es denn mit dem Planfeststellungsverfahren weitergeht. Ich hoffe, dass der Straßenbau bis 2020 über die Bühne gegangen ist.

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