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Diskussionsabend der Organisation Tierfabriken-Widerstand zu Projekt in Neuhardenberg

Tierschutz
Debatte um neue Hühnchenmast

Führte in die Debatte ein: Friederike Schmitz von der Initiative Tierfabriken-Widerstand zeigt Missstände in anderen Hühnermastanlagen auf, macht die Absichten des Vereins deutlich.
Führte in die Debatte ein: Friederike Schmitz von der Initiative Tierfabriken-Widerstand zeigt Missstände in anderen Hühnermastanlagen auf, macht die Absichten des Vereins deutlich. © Foto: MOZ/Josefine Jahn
Josefine Jahn / 15.11.2017, 19:31 Uhr
Neuhardenberg (MOZ) Gegen die Pläne des Letschiner Landwirts Tobias Winnige, auf dem Gelände des Neuhardenberger Flugplatzes einen Geflügelhof zu errichten, hatten Gegner am Dienstag zu einer Diskussion ins Sportlerheim eingeladen. Diese blieb zwar sachlich, aber am Ende ohne Kompromiss.

Die Stühle im Sportlerheim des SV Fortuna Neuhardenberg waren am Dienstagabend gut besetzt. Die Initiative Tierfabriken-Widerstand hatte - unabhängig vom Sportverein - in die Stätte eingeladen, um über die geplante Hühnermastanlage auf dem Gelände des Neuhardenberger Flugplatzes zu diskutieren. Der Letschiner Landwirt Tobias Winnige plant, auf dem ehemaligen Areal des Technikstützpunktes der NVA einen Geflügelhof mit 156 000 Hühnern zu errichten.

Die Organisation Tierfabriken-Widerstand stellte sich zunächst vor als Gruppe ehrenamtlicher Personen, die gegen den Bau neuer Tierfabriken sind. Durch den Austausch von Argumenten, Vorträgen und Demonstrationen versuche man, weitere Mitstreiter zu finden, leitete Tim Michel von der Organisation ein. Er leitete auch die Debatte, legte vorab Regeln fest - jeder solle den anderen ausreden lassen, keine Zwischenrufe, Wortmeldungen nach Meldung.

Friederike Schmitz hielt einleitend einen Vortrag, in dem sie auf diverse Missstände in Massentierhaltungen auf. "Pro Halle werden 20 000 bis 50 000 Tiere gehalten. Das sind oft über 22 Hühner pro Quadratmeter", erklärte sie und verwies auf eine aktuelle Wiesenhof-Studie. Auch das Aufwachsen ohne Glucke und ohne Sonnenlicht zählte Friederike Schmitz als Mängel auf, die wider die Natur der Tiere gingen. Verhaltensweisen wie das Sandbaden würden eingeschränkt, die Haltung begünstige gesundheitliche Probleme bei den Tieren, wie Fußballenentzündungen und kaputte Gelenke, viele Tiere sterben vorzeitig. Hinzu käme der Gestank, der von einer Mastanlage ausgehe sowie Monokulturen, die im Zuge des Futteranbaus für die Tiere entstünden.

Tobias Winnige, der sich der Diskussion gerne stellte, bedankte sich für den "guten, subjektiven Vortrag". "Bei schlimmen Durchgängen sterben bei mir 12 000 Tiere auf der Farm", räumte er ein. Winnige betreibt bereits eine Anlage mit 324 000 Mastplätzen in Neu Rosenthal, muss sich dort wie auf der neuen Anlage strengen Prüfungen unterziehen. "In dieser Runde freue ich mich darauf, nur zwei Prozent zu beklagen", fügte er zum Tiersterben hinzu. Er sei von der Art der Tierhaltung überzeugt, betonte Winnige immer wieder. Er sei außerdem dabei, bessere Gegebenheiten zu schaffen. Von zugelassenen 39 Kilogramm je Quadratmeter will er die Tiermenge auf 35 Kilogramm je Quadratmeter reduzieren. Außerdem hofft er, über eine höhere Fußbodentemperatur die Einstreu trocken zu halten und so ein gesünderes Umfeld für die Tiere zu schaffen. "Ich bin ein Produzent, der sich den Gegebenheiten anpassen muss", sagte Winnige. Andere unterstützten den Landwirt. Uwe Hädicke, Geschäftsführer der Airport Neuhardenberg GmbH, erinnerte an die Zuwendung zum Kapitalismus und eine Doppelmoral in der Gesellschaft. Eltern würden mit ihrem Nachwuchs bei Fastfoodketten Chickenwings essen. Die Initiative gehe deshalb auch an Schulen, entgegneten die Massentierhaltungsgegner. "Landwirtschaft heißt, wir wirtschaften auf dem Land", warf Enrico Krüger, Vorsitzender der Zechiner Agrargenossenschaft, ein. "Wir konkurrieren mit Märkten auf der ganzen Welt. Wir würden auch mit halber Besetzung pro Quadratmeter arbeiten, aber das bezahlt uns keiner", sagte Krüger.

Man wolle nicht gezielt gegen einzelne Landwirte agieren, stellte Friederike Schmitz immer wieder klar. Aber ein Umdenken fände sie wünschenswert.

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Ralf H. Janetschek 16.11.2017 - 10:10:45

Problemlösungsstrategien

Das Problem ist nach meiner Überzeugung im Artikel hinreichend beschrieben worden, Enrico Krüger führte aus: "Wir konkurrieren mit Märkten auf der ganzen Welt.“ Die Produktionsbedienungen im Oderbruch müssen, unter den Bedienungen des weltweiten Wettbewerbes, - ökonomisch gesehen - mit dem „Rest“ der Welt kompatibel sein. Wenn die Tierfabriken-Gegner die Produktionsbedienung ändern wollen, haben sie zwei mögliche Varianten. Erstens sie ändern die Produktionsbedienungen überall auf der Welt und ohne Ausnahmen, oder zweites sie schotten den deutschen Markt ab (autarkes Wirtschaftsgebiet). Andere Problemlösungsstrategien sind traumhaftes Wunschdenken. Ralf H. Janetschek, Letschin

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