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Künstler gestalten Foyer mit Porträts von Anwohnern

Kunst
Streetart im Seniorentreff

Community-Manager Niklas fJedowski (r.) von der Stiftung Leben steht gemeinsam mit Anwohnerin Jryna Tiunina vor den neuen Porträts im Seniorentreff, auf denen auch die 86-Jährige selbst (3. v. l.) zu sehen ist.
Community-Manager Niklas fJedowski (r.) von der Stiftung Leben steht gemeinsam mit Anwohnerin Jryna Tiunina vor den neuen Porträts im Seniorentreff, auf denen auch die 86-Jährige selbst (3. v. l.) zu sehen ist. © Foto: MOZ/Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 16.11.2017, 07:00 Uhr - Aktualisiert 16.11.2017, 16:27
Berlin (MOZ) Der Seniorentreff an der Schöneberger Bülowstraße war jahrelang dunkel und ungemütlich. Nun haben Streetart-Künstler das Foyer neu gestaltet. Dabei sind auch Portraits der Bewohner entstanden.

Lange Zeit fürchteten sich die Bewohner der Seniorenwohnanlage, durch das Foyer zu laufen. Nicht selten trafen sie im Erdgeschoss mit dem "Huzur"-Nachbarschaftstreffpunkt Obdachlose oder Junkies an. Auch Freier und Prostituierte von der nahen Kurfürstenstraße suchten sich in dem Backsteinbau häufig dunkle Ecken.

Nun, wenn abends die Bordsteinschwalben draußen auf der Straße auf Kunden warten, fangen an den hohen Scheiben des Seniorentreffs plötzlich Gesichter an zu leuchten. Es sind Porträts von älteren Bewohnern aus dem Haus und der Nachbarschaft. Geschaffen von Künstlern des Streetart-Museums Urban Nation, das im September gleich gegenüber eröffnet hat. Auch die einst dunkle Ziegelwand ist nun weiß gestrichen. Und sie wurde mit einer türkisfarbenen Berliner Skyline besprüht. Auch die braunen Holzwände wirken jetzt freundlicher, nachdem die Künstler helle Wellen hineingefräst haben. "Wenn man nun hier rein kommt, ist es gleich eine ganz andere Atmosphäre", findet Klaus Reinke.

Seit zwei Jahren wohnt er in der Anlage für Leute ab 55 Jahren. Im Senioren-Treff leitet der ehemalige Theaterschneider die Bastel- und Nähgruppe. An diesem Mittwoch sitzt der 81-Jährige im Hof mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette, während die jungen Straßenkünstler ihren Werken noch den letzten Schliff verpassen. Auch Reinke hat während der dreiwöchigen Kunstaktion erstmals eine Sprühdose in die Hand genommen. Zudem spielt er in dem Film über das Projekt mit, der am Freitag zur Vernissage gezeigt wird.

"Das war genau das Ziel, die Nachbarschaft mit einzubeziehen und zu stärken", sagt Niklas Jedowski, Community-Manager der Stiftung Berliner Leben von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Seit Jahren fördert die Stiftung Projekte, die den etwas verrufenenen Kiez aus der Schmuddelecke heraus bringen sollen. So wurden auch schon viele Nachbarhäuser mit hochwertiger Straßenkunst verschönert. Auch das neue "Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art" wird von der Stiftung Berliner Leben unterstützt.

Dort ist der Künstler Slava "Ostap" Osinski eine große Nummer. Der Tape-Art-Künstler hat schon Räume für große Namen wie Google, Mercedes und Microsoft gestaltet. Und Ende November ruft schon der nächste Auftrag von der Schweizer Bank. "Das sind meist Designer-Arbeiten, da kann man sich künstlerisch nicht so entfalten wie hier", erklärt der 39-Jährige. Soziale Projekte mit Kindern und jetzt erstmals mit Senioren schiebt er gerne mal ein. "So kann ich etwas zurückgeben", erklärt Osinski, der 1995 völlig mittellos aus der Ukraine nach Berlin kam.

Für seine Porträts, die er aus Paketklebeband formt und die durch das Spiel mit dem Licht funktionieren, haben er und sein Team vorher eine Foto-Session mit den Senioren gemacht. Auch Jryna Tiunina, die gleich um die Ecke wohnt, war dabei. Immer wenn die 86-Jährige zum Gymnastikkurs in den Treff kommt, läuft sie nun an ihrem Konterfei vorbei. "Das macht mich schon stolz. Ich muss unbedingt mal meine Kinder und Verwandten mitbringen."

Vernissage mit Filmvorführung am 17. November, 18 bis 20 Uhr, Huzur-Nachbarschaftstreffpunkts Bülowstraße 94 in Schöneberg

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